Filmreihe Die Patriotin

Die Patriotin (c) Alexander Kluge

Mi, 31.08.2022

18:00

Goethe-Institut

Kino x 3: Alexander Kluge

Regie: Alexander Kluge, Deutschland, 1979, 121 min, 16mm. Deutsch mit englischen Untertiteln
Uraufführung: 20. 09. 1979, Hamburger Filmfest


Die Geschichtslehrerin Gabi Teichert ist auf der Suche. Mit dem Spaten in der Hand macht sie sich auf den Weg und beginnt zu graben. Tiefer und tiefer gräbt sie, fest entschlossen, die deutsche Geschichte endlich aufzudecken. Sie hat es satt, ihren Schüler*innen die deutschen Ereignisse in chronologischer Reihenfolge von den Kreuzzügen bis Stalingrad vorzusetzen, wie es der Lehrplan vorschreibt. "Die deutsche Geschichte war so bewegend, dass sie nicht im positiven Sinne vermittelt werden kann", meint sie. Sie fühlt sich verpflichtet, das Grundmaterial für den Geschichtsunterricht zu verbessern, indem sie zum Beispiel auf einem SPD-Parteitag direkt vor Ort Einfluss nimmt. Sie ist praktisch veranlagt, neugierig und ungläubig, sucht nach konkreten Belegen und scheut sich nicht, sich bei ihren privaten archäologischen Ausgrabungen die Hände schmutzig zu machen, in ihrer "Hexenküche" alchimistische Experimente durchzuführen oder fette Geschichtsbände mit Werkzeugen anzugreifen. Die Patriotin ist eine Demonstration der Theorien des Meisterfilmemachers Alexander Kluge. Ein Film, der verweigert, sich der Linearität und Beiläufigkeit des Erzählkinos zu beugen, sich einer stringenten Darstellung des Inhalts hinzugeben. Stattdessen zeigt er verschiedene Perspektiven, Haltungen, Meinungen und Handlungen, um Kluges zentrales Thema zu umkreisen: die Entwicklung eines neuen Geschichtsbewusstseins. (Marli Feldvoss/Daniel Eisenberg, CATE 2004)

Kostenlose Tickets

Alexander Kluge (c) Alexander Kluge Alexander Kluge, geboren 1932 in Halberstadt, promovierte 1956 über die "Universitäts-Selbstverwaltung" zum Dr. jur., einem Thema, das bald darauf politisch brisant wurde. Er wurde juristischer Berater des Frankfurter Instituts für Sozialforschung und sehr bald Vertrauter von T.W. Adorno. Anfang der 60er Jahre wurde Kluge gleichzeitig als Schriftsteller und Filmemacher bekannt: 1962 liest er bei der Gruppe 47 aus dem Band Lebensläufe und veröffentlicht zusammen mit 25 jungen Filmern das Oberhausener Manifest, 1966 erhält er als erster Deutscher nach dem Krieg den Silbernen Löwen bei den Filmfestspielen in Venedig für Abschied von Gestern mit Alexandra Kluge in der Hauptrolle. Damit öffnet sich in Europa eine Tür für den Neuen Deutschen Film, als dessen spiritus rector man Kluge bezeichnen darf, insofern er seine ganze Kraft einsetzt, diese Individualisten des Kinos zusammenzuhalten und institutionelle, finanzielle Absicherungen für einen deutschen Autorenfilm herzustellen (Gründung des Ulmer Instituts für Filmgestaltung 1962, Rahmenabkommen Film / Fernsehen 1974). Es geht, wie Kluge als Kritischer Theoretiker weiß, niemals nur um das Gelingen einzelner Werke, sondern nötig ist die Herstellung einer authentischen Öffentlichkeit, einer stabilen Verbindung mit dem Publikum, und das können einzelne nicht alleine.


 

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