Prof. Dr. Carola Lentz: Biografie
Präsidentin

Prof. Dr. Carola Lentz Foto: Goethe-Institut / Loredana La Rocca

Geboren am 21. April 1954 in Braunschweig

Kurzbiografie 
Carola Lentz, geboren 1954 in Braunschweig, studierte Soziologie, Politikwissenschaft, Germanistik und Pädagogik an der Georg-August-Universität Göttingen und der Freien Universität Berlin. 1987 promovierte sie an der Universität Hannover und habilitierte 1996 an der Freien Universität Berlin. Von 1996 bis 2002 war sie Professorin für Ethnologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Von 2002 bis 2019 hatte sie eine Professur für Ethnologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz inne, wo sie seit 2019 Seniorforschungsprofessorin ist. Sie war Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie (2011‑2015) und Vizepräsidentin der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (2018-2020). Gastprofessuren und Fellow-Aufenthalte führten sie nach Frankreich, in die Niederlande, in die USA und nach Südafrika. Als Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin leitete sie eine Fokusgruppe zu „Familiengeschichte und sozialer Wandel in Westafrika“ (2017-2018). Ihre Forschungsschwerpunkte sind u.a. Ethnizität, Nationalismus, Kolonialismus, Erinnerungspolitik, Mittelklassen im globalen Süden und Arbeitsmigration. Sie forschte zunächst in Südamerika und seit 1987 regelmäßig in Westafrika. Zu ihren Publikationen gehören u.a. „Land, Mobility and Belonging in West Africa“ (2013) und „Remembering Independence“ (2018).

Ausbildung und beruflicher Werdegang
  • 1972‑1979 Studium der Soziologie, Politikwissenschaft, Germanistik und Pädagogik, Universität Göttingen und Freie Universität Berlin (Erstes Staatsexamen für Lehramt an Gymnasien)
  • 1979‑1980 Studium der Soziologie, Universität Göttingen
  • 1981‑1982 Referendariat und zweites Staatsexamen für Lehramt an Gymnasien in Hamburg
  • 1982‑1985 Aufbaustudium der Agrarwissenschaften der Tropen und Subtropen, Universität Göttingen (Magister)
  • 1987 Promotion im Fach Soziologie, Universität Hannover
  • 1987‑1992 Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut für Ethnologie, Freie Universität Berlin
  • 1992 Dozentur an der École des Hautes Études en Sciences Sociales, Marseille, im ERASMUS-Programm
  • 1996 Habilitation an der Freien Universität Berlin
  • 1996–2002 Professorin für Ethnologie, Institut für Historische Ethnologie der Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • 2002‑2019 Professorin für Ethnologie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
  • seit 2019 Seniorforschungsprofessorin, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Fellowships und Auszeichnungen
  • Fellow am Kolleg „Arbeit und Lebenslauf in globalgeschichtlicher Perspektive“, Humboldt-Universität zu Berlin (2020 und 2012‑2013)
  • Fellow am Stellenbosch Institute for Advanced Study, Südafrika (2019)
  • Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin, Leitung der Fokusgruppe „Familiengeschichte und sozialer Wandel in Westafrika“ (2017–2018)
  • Fellow am Hanse-Wissenschaftskolleg, Delmenhorst (2015)
  • Melville J. Herskovits Prize der African Studies Association (USA) für das Buch „Land, Mobility and Belonging in West Africa" (2014)
  • Verleihung eines Chieftaincy-Titels (Maalu Naa) im Nandom Traditional Area, Ghana (2013)
  • Fellow am W.E.B. Du Bois Institute for African and African American Research und Fulbright-Stipendiatin an der Harvard University (2008‑2009)
  • Fellow am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung, Halle/Saale (2003)
  • Fellow am Netherlands Institute for Advanced Study in the Humanities and Social Sciences, Wassenaar; Niederlande (2000–2001)
  • Fellow am Institute for Advanced Study and Research in the African Humanities, Northwestern University; USA (1993) 

Ämter und Mitgliedschaften
Prof. Dr. Carola Lentz ist seit Mitte November 2020 Präsidentin des Goethe-Instituts. Sie ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Außerdem ist sie Mitglied im Stiftungsbeirat der Kulturstiftung des Bundes und im wissenschaftlichen Beirat des Museu Nacional Vive Project in Rio de Janeiro. Weiterhin war sie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Einstein-Zentrums „Chronoi“ (2018–2019), Sekretarin der Sozialwissenschaftlichen Klasse der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (2016–2018), Vizepräsidentin der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (2018-2020) und Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie (2011–2015). Außerdem war sie Mitherausgeberin der „Zeitschrift für Ethnologie“ (2011–2015) und Mitglied in den Editorial Boards zahlreicher weiterer internationaler Zeitschriften.

Publikationen (Auswahl) (Stand: Oktober 2020)

Monographien und Sammelbände
2018. Remembering Independence. London: Routledge (mit David Lowe).
2013. Land, Mobility and Belonging in West Africa. Bloomington: Indiana University Press.
2013. Ethnologie im 21. Jahrhundert. Berlin: Reimer (hrsg. mit Thomas Bierschenk, Matthias Krings)
2011. Staatsinszenierung, Erinnerungsmarathon und Volksfest. Afrika feiert 50 Jahre Unabhängigkeit. Frankfurt a. M.: Brandes & Apsel (hrsg. mit Godwin Kornes).
2006. Ethnicity and the Making of History in Northern Ghana. Edinburgh: Edinburgh UP.
2003. Histoire du peuplement et relations interethniques au Burkina Faso. Paris: Karthala (hrsg. mit Richard Kuba, Claude Nurukyor Somda)
2000. Ethnicity in Ghana: The Limits of Invention. London: Macmillan (hrsg. mit Paul Nugent).
1999. Changing Food Habits: Case Studies from Africa, South America and Europe. Amsterdam: Harwood Academic Publishers
1988. ‘Von seiner Heimat kann man nicht lassen’. Migration in einer Dorfgemeinde in Ecuador. Frankfurt a. M.: Campus.

Aufsätze
2020. Doing being middle-class in the global South: comparative perspectives and conceptual challenges. Africa 90 (3), 2020: 439‑69.
2020. Wissenschaftskooperationen mit dem globalen Süden. Herausforderungen, Potentiale und Zukunftsvisionen. Denkanstöße aus der Akademie. Eine Schriftenreihe der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften 3 (mit Andrea Noll).
2020. Embodying the nation: the production of sameness and difference in national-day parades. Ethnography 21 (4): 506–536 (mit Marie-Christin Gabriel, Konstanze N’Guessan).
2019. Unabhängigkeit und Erinnerungspolitik. Bundeszentrale für politische Bildung.
2017. Culture: the making, unmaking and remaking of an anthropological concept. Zeitschrift für Ethnologie 142: 181‑204.
2017. „Kakube has come to stay“: the making of a cultural festival in Northern Ghana, 1989‑2015. Africa 87: 180−210 (mit Trevor Wiggins).
2017. Die Aufführung der Nation und die Einhegung von Ethnizität in afrikanischen Nationalfeiern. In: Stefan Hirschauer (Hrsg.), Un/doing differences. Praktiken der Humandifferenzierung. Weilerswist: Velbrück, 119−43.
2017. Vielstimmigkeit, Differenzpolitik und Konflikte. Beitrag zum Blog „Kulturrelativismus und Aufklärung. Eine Debatte über den Umgang mit Fremdem“. Global Studies Center Cologne.
2016. „Jeder hat seinen Platz“. Differenzpolitik und Raumordnung in afrikanischen Nationalfeiern (mit Marie-Christin Gabriel und Konstanze N’Guessan). Sociologus 66: 105−36.
2013. The 2010 independence jubilees: the politics and aesthetics of national commemoration in Africa. Nations and Nationalism 19: 217−37.
2013. Ghana@50: celebrating the nation, debating the nation. Cahiers d’Études Africaines 211: 519−46.
2012. Education, careers and home ties: the ethnography of an emerging middle class from Northern Ghana (mit Andrea Behrends). Zeitschrift für Ethnologie 137: 139−64.
 
Für eine vollständige Publikationsliste siehe
https://www.ifeas.uni-mainz.de/professuren/prof-dr-carola-lentz/