22. April 2016
Eröffnung Goethe-Institut Pop Up Pavillon

Rede von Prof. Dr. h.c. Klaus-Dieter Lehmann zur Eröffnung des „Goethe-Institut Pop Up Pavillons“ in Breslau, Plac Nowy Targ (Neumarkt)
 

Anrede
 
dieses Jahr ist ein besonderes in den deutsch-polnischen Beziehungen – und ganz speziell für die Stadt Breslau. Diese Stadt, in der ich vor vielen Jahren geboren wurde und zu der ich noch immer vielfältige Beziehungen habe, besonders zur Universität und zu den Museen, trägt zu Recht und mit Stolz den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2016. „Raum für Schönheit“ lautet ihr Leitmotiv: Ein ganzes Jahr lang füllt Wrocław unter diesem Motto den wichtigsten kulturellen Ehrentitel des Kontinents auf vielfältige Weise mit Leben. Es ist eine Stadt der Begegnung, eine Stadt, die eine vielschichtige Geschichte hat, eine Stadt mit einem mitteleuropäischen Gewebe der Zukunft.
 
2016 ist auch das Jahr, in dem wir auf ein Vierteljahrhundert gemeinsamer deutsch-polnischer Erfolgsgeschichte zurückblicken können. Die Unterzeichnung des Vertrags über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschland jährt sich in diesem Sommer zum 25. Mal. Angesichts der an dunklen Kapiteln nicht armen deutsch-polnischen Vergangenheit ist das keine Selbstverständlichkeit – und ein Ansporn, den kostbaren Schatz unserer guten Beziehungen auch in der Zukunft besonders zu hüten und zu pflegen und uns deshalb auch durch aktuelle Entwicklungen nicht irritieren zu lassen.  
 
Als Goethe-Institut beteiligen wir uns gern am Programm der Europäischen Kulturhauptstadt und den Feierlichkeiten zum 25. Jubiläum des Nachbarschaftsvertrages – dank der Initiative unseres so engagierten Institutsleiters in Krakau, Herrn Daniel Göpfert. Mit einer Vielzahl kultureller Initiativen in ganz Polen, insbesondere aber mit einer neuen Plattform hier im historischen Zentrum Breslaus: dem Goethe-Institut Pop Up Pavillon.
 
Heute ist Eröffnung, bis Juli 2016 wird hier gespielt.
 
Mehr als 50 deutsche, polnische und internationale Künstler aller Sparten tragen zum Programm bei. Die angebotenen Formate reichen von Theater- und Tanzperformances über Konzerte, Debatten und Podien. Sämtliche Angebote sind für alle Interessierten kostenlos.
 
Komplettiert wird das Programm durch eine Reihe künstlerischer Arbeiten, die das WRO Art Center gemeinsam mit dem Goethe-Institut aus mehr als 300 Ideen polnischer und deutscher Künstler ausgewählt hat. Ich kann sie gar nicht alle aufzählen, aber auf eine Arbeit möchte ich aufmerksam machen, die  „Musikkonstruktionsmaschine“ von Niklas Roy. Diese Installation wird den gläsernen Pavillon für drei Wochen in eine überdimensionale, dadaistisch anmutende Riesenspieluhr verwandeln. Wer diese ungewöhnliche Maschine in Aktion erleben möchte, ist herzlich eingeladen, am 17. Juni dabei zu sein, wenn die Installation am 25. Jahrestag des Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrags hier auf dem Plac Nowy Targ offiziell eingeweiht wird.
 
Am heutigen Abend werden wir die Gelegenheit haben, einer spannenden Diskussion zum Thema „Flüchtige Identität“ zu lauschen – mit der Schriftstellerin Olga Grjasnowa, dem Publizisten Filip Springer und dem früheren Bundesminister und CDU-Generalsekretär Heiner Geißler. Anschließend, gegen 20 Uhr, erwartet uns ein Auftritt des Licht-Puppen-Theaters Dundu und eine Tanzperformance der Berliner Formation StratoFyzika. Ab 21 Uhr verwandelt sich der Plac Nowy Targ dann in eine „Silent Disco“, bei der DJs aus Breslau, Berlin und Wien auflegen, wobei die Musik, für Außenstehende nicht zu hören, per Funk-Kopfhörer übertragen wird und die Tanzenden per Knopfdruck individuell wählen können, welchen DJ sie hören möchten.

Sehr herzlich bedanken möchte ich mich bei allen, die dieses ungewöhnliche Projekt ermöglicht haben: Bei der Stadt Wrocław und dem Festivalbüro IMPART, die den Pop Up Pavillon von Anfang an unterstützt und gefördert haben. Beim deutschen Generalkonsulat in Breslau, ohne dessen Expertise und kontinuierliche Unterstützung dieses Projekt kaum zu realisieren gewesen wäre. Beim Kunstzentrum WRO, das mit viel Energie gemeinsam mit dem Goethe-Institut die künstlerischen Installationen im Pavillon realisiert. Und bei der Germanistischen Fakultät der Universität Breslau, unserem kompetenten Partner bei allen literarischen Veranstaltungen. Für die großzügige Unterstützung danke ich der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit.

Mein Dank gilt auch unseren Medienpartnern und den zahlreichen Helferinnen und Helfern, die an vielen Stellen dazu beigetragen haben, dass der Pop Up Pavillon heute hier steht. Nicht zuletzt danke ich von Herzen dem engagierten Team des Goethe-Instituts Krakau. Es hat die Idee zum Pop Up Pavillon entwickelt und dann Schritt für Schritt in die Realität umgesetzt.

Es ist mir persönlich eine besondere Freude und Ehre, dass die deutsche Generalkonsulin, Frau Elisabeth Wolbers, und der Stadtpräsident Rafał Dutkiewicz den Goethe-Institut Pop Up Pavillon heute gemeinsam mit mir eröffnen. Präsident Dutkiewicz wird übrigens in den kommenden drei Monaten Gelegenheit haben, das Geschehen im Pavillon jederzeit genau zu verfolgen: Es genügt ein Blick aus dem Fenster, sein Büro ist ja kaum hundert Meter von hier entfernt. Es werden unruhige Zeiten für ihn!

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde: Ich wünsche Ihnen allen einen schönen und spannenden Abend und anregende Monate hier auf dem Plac Nowy Targ.

Vielen Dank.

Es gilt das gesprochene Wort.