Bericht über Antiziganismus vorgelegt

Roma und Sinti protestieren AP

Unabhängige Kommission Antiziganismus in Deutschland fordert grundlegenden Perspektivwechsel in der Gesellschaft

Antiziganismus stellt ein massives gesamtgesellschaftliches Problem in Deutschland dar. So lautet das Resümee des Berichts der Unabhängigen Kommission Antiziganismus, der vom Deutschen Bundestag in Auftrag gegeben wurde. Der 821 Seiten umfassende Kommissionsbericht stützt sich auf 15 aktuelle Studien und breite empirische Erhebungen.

Untersucht wurde Antiziganismus beispielsweise in kommunalen Verwaltungen, bei der Polizei, in Schulbüchern, in Filmen, in der journalistischen Berichterstattung und in den Social Media. Der Bericht stellt fest, dass antiziganistischer Rassismus eine "allumfassende Alltagserfahrung für Sinti_ze und Rom_nja" ist und konstatiert ein "Versagen deutscher Politik, deutscher Gesetzgebungen und deren Rechtsanwendung".

Die Kommission fordert eine umfassende Strategie gegen Antiziganismus. "Wir brauchen einen grundlegenden Perspektivwechsel in der deutschen Gesellschaft, der die strukturellen Ursachen des Problems in den Blick nimmt."

Entscheidend sei in diesem Kontext auch eine "Politik der nachholenden Gerechtigkeit", "die das seit 1945 begangene Unrecht gegenüber Überlebenden und deren Nachkommen ausgleicht". Zudem fordert die Kommission, "effektive und nachhaltige Partizipationsstrukturen für die Communitys der Sinti_ze und Rom_nja auf allen Ebenen zu schaffen".

In Bezug auf die mediale Repräsentation von Sinti und Roma empfiehlt die Kommission, die Selbstorganisationen von Sinti und Roma an den Verwaltungs- und Aufsichtsgremien sowie an der Programmgestaltung in öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten zu beteiligen. Es müssten „überzeugende künstlerische und journalistische Arbeiten zur Dekonstruktion antiziganistischer Wahrnehmungs- und Denkmuster stärker gewürdigt werden.“ Und eigene Presseagenturen, Sender oder Publikationen von Sinti und Roma müssten finanziell und ideell gefördert werden.

Medienunternehmen und Redaktionen werden aufgefordert, die Ergebnisse antiziganismuskritischer Forschung zu berücksichtigen und entsprechende ethische Richtlinien zu erarbeiten. Eine wichtige Voraussetzung dafür sei die Aufnahme des Themas in die Lehr- und Ausbildungspläne der Studiengänge für Journalismus und für Medien und Kommunikation an den Universitäten und Hochschulen. Es sollte aber auch ein regelmäßiger Bestandteil der Fortbildungsprogramme für Journalist_innen sein.

Außerdem sollten umgehend wirksame Maßnahmen zur stärkeren Selbstrepräsentation von Sinti_ze und Rom_nja im Medienbereich ergriffen werden. Der Bericht enthält eine Fülle von konkreten Handlungsanweisungen auf allen Ebenen und in allen Bereichen.

Die Unabhängige Kommission Antiziganismus empfiehlt Bund und Ländern, Beauftragte gegen Antiziganismus zu berufen und eine ständige Bund-Länder-Kommission zu schaffen, um die Arbeit gegen Antiziganismus auf höchster Ebene politisch zu verankern.

Die Unabhängige Kommission Antiziganismus wurde vom Deutschen Bundestag eingesetzt. Ihm gehören 11 Personen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft an, die sich mit Antiziganismus beziehungsweise Rassismus gegen Sinti_ze und Rom_nja befassen.

Der komplette Bericht in Deutsch hier: https://dserver.bundestag.de/btd/19/303/1930310.pdf
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