Architekturspaziergang Berlin Oh what a perfect day!

Ludloff+Ludloff, HausFL
Ludloff+Ludloff, HausFL | Foto: Jan Bitter

Berlin ist nicht erst seit dem Mauerfall in einem beständigen Prozess des Wandels. Berlin ist schon immer die pure städtische Transformation. Die gesamte Stadtstruktur ist durchzogen von radikalen Brüchen mit dem Gestern.

In Berlin wurde ständig ganz neu angefangen, in der Kaiser- und der Gründerzeit, in der Weimarer Republik, im „Dritten Reich“, beim Wiederaufbau, im Kalten Krieg und nach dem Mauerfall. Diese äußerst bewegte Stadtgeschichte äußert sich in einem Stadtbild, dem die ständige Transformation überall eingeschrieben ist, in Brachen und Brüchen, in Neubauten und Ruinen. Wie ein hochkomplexes Puzzle setzt sich die Stadt aus fragmentarischen Vierteln und Quartieren zusammen. Jedes stammt aus einer anderen Zeitschicht und meist stoßen die höchst unterschiedlichen Teile dieses Puzzles roh und unverputzt aufeinander.

Dieser Spaziergang führt mitten hinein in diese permanente Transformation. Zwischen ehemaligem Mauerstreifen und Alexanderplatz, zu den Neubauten, zu Saniertem und Umgenutztem und stets vorbei an den Brüchen und Brachen, die Berlin prägen und zu etwas ganz Besonderem machen. Die zehn vorgestellten Projekte sollen dabei nicht als Einzelobjekte, sondern mit ihrem räumlichen und zeitlichen Kontext betrachtet werden; auf einem Stadtrundgang mit vier Dimensionen.

Galeriegebäude Brunnenstraße

Brunnenstraße 9, 10119 Berlin
52°31'51"N, 13°24'1"E
brandlhuber+ ERA, Emde, Schneider, 2010
 
  • brandlhuber+ era, emde, Schneider: 0113 brunnenstrasse 9 Foto: Nathan Willock
    brandlhuber+ era, emde, Schneider: 0113 brunnenstrasse 9
  • brandlhuber+ era, emde, Schneider: 0113 brunnenstrasse 9 Foto: Nathan Willock
    brandlhuber+ era, emde, Schneider: 0113 brunnenstrasse 9
  • brandlhuber+ era, emde, Schneider: 0113 brunnenstrasse 9 Foto: Nathan Willock
    brandlhuber+ era, emde, Schneider: 0113 brunnenstrasse 9
  • brandlhuber+ era, emde, Schneider: 0113 brunnenstrasse 9 Foto: Nathan Willock
    brandlhuber+ era, emde, Schneider: 0113 brunnenstrasse 9
  • brandlhuber+ era, emde, Schneider: 0113 brunnenstrasse 9 Foto: Nathan Willock
    brandlhuber+ era, emde, Schneider: 0113 brunnenstrasse 9
  • brandlhuber+ era, emde, Schneider: 0113 brunnenstrasse 9 Foto: Schirin Torabir
    brandlhuber+ era, emde, Schneider: 0113 brunnenstrasse 9
Die Fassade aus Industrieglas und Sichtbeton wirkt fast wie ein Rohbau, der noch nicht ganz fertig ist: roh und rau, improvisiert und wandelbar – so wie die ganze Brunnenstraße. Kein Neubau hat es in den letzten Jahren geschafft, die Stadtatmosphäre Berlins so sehr in sich aufzusaugen und zu einem Baustein seiner architektonischen Ästhetik zu machen wie das Gebäude von Arno Brandlhuber, das er zunächst für sich selber gebaut hat. Er wohnt im Dachgeschoss, in den Etagen darunter hat er sein Architekturbüro eingerichtet. In den unteren beiden Etagen sitzt die KOW Galerie, deren Ausstellungen meist nicht nur wegen der Räume lohnen, die auch innen wandelbar und roh wirken. Denn die Kellerräume sind Reste einer Investorenruine, die Brandlhuber nicht abreißen ließ, sondern einfach auf deren Fundament aufbaute. Wenn die Durchfahrt offen steht, gehen Sie unbedingt auf den Hof und schauen sich noch die Außentreppe an, die wie eine Skulptur vor der Rückseite des Gebäudes hängt.

Einfamilienhäuser an der Bernauer Straße

Bernauer Straße 5, 10115 Berlin
52°32'10"N, 13°23'33"E
Anne Lampen, Ebers Architekten, Kai Hansen Architekten, Ludloff+Ludloff, Monika Wurfbaum, SchöningMosca Architekten, SDU Architekten, Wolfgang Thiessen, XTH-Berlin, 2008
 
  • Einfamilienhäuser an der Bernauer Straße Foto: Schirin Torabi
    Einfamilienhäuser an der Bernauer Straße
  • Einfamilienhäuser an der Bernauer Straße Foto: Schirin Torabi
    Einfamilienhäuser an der Bernauer Straße
  • Einfamilienhäuser an der Bernauer Straße Foto: Schirin Torabi
    Einfamilienhäuser an der Bernauer Straße
  • Einfamilienhäuser an der Bernauer Straße Foto: Schirin Torabi
    Einfamilienhäuser an der Bernauer Straße
  • Ludloff+Ludloff, HausFL Foto: Jan Bitter
    Ludloff+Ludloff, HausFL
  • Ludloff+Ludloff, HausFL Foto: Jan Bitter
    Ludloff+Ludloff, HausFL
  • Ludloff+Ludloff, HausFL Foto: Jan Bitter
    Ludloff+Ludloff, HausFL
Der Mauerstreifen ist an vielen Stellen bereits privatisiert worden, überall entstehen neue Ein- und Mehrfamilienhäuser. Nirgendwo aber wirkt das bizarrer als hier an der Bernauer Straße: Direkt neben der brandneuen Mauergedenkstätte und oberhalb der „Kapelle der Versöhnung“ (2000) wurden auf einem sanften Hügel 16 private Wohnhäuser mit kleinen Gärten errichtet. Wie eine Insel wirken die Häuser zwischen Ost und West. Die Dichte der kleinen Siedlung, die schmalen Häuser und die gebogene Gasse, die hindurchführt, erinnern eher an mittelalterliche Stadtstrukturen. Aber es ist eine ganz neue, private Siedlung, die hier entstanden ist. Aus den Aquariums-Fenstern hat man nun einen perfekten und unverbaubaren Ausblick auf die Gedenkstätte vor der Tür.

Neubau des Ostflügels am Naturkundemuseum

Invalidenstraße 43, 10115 Berlin
52°31'47"N, 13°22'46"E
Diener & Diener, 2010
 
  • Neubau des Ostflügels am Naturkundemuseum Foto: Schirin Torabi
    Neubau des Ostflügels am Naturkundemuseum
  • Neubau des Ostflügels am Naturkundemuseum Foto: Schirin Torabi
    Neubau des Ostflügels am Naturkundemuseum
  • Neubau des Ostflügels am Naturkundemuseum Foto: Schirin Torabi
    Neubau des Ostflügels am Naturkundemuseum
„Wir wollten die Sehgewohnheiten irritieren“, sagt Roger Diener vom Schweizer Büro Diener & Diener. Das ist gelungen. Mit geisterhaft blassen Teilen haben die Architekten den Ostflügel des Naturkundemuseums ergänzt, eine der letzten Kriegsruinen Berlins. Die Fassade wirkt nun wie ein halbfertiges Ausmalbuch, die Architekten haben eine neue Technik entwickelt: Von einer erhaltenen Achse ließen sie eine exakte Gussform anfertigen – mit allen Unebenheiten, Schäden, Rissen und den zugemauerten Fenstern. Diese haben sie dann mit hellgrau gefärbtem Beton ausgegossen und die Fertigteile passgenau in die erhaltene Backsteinfassade gestellt. Drinnen ist eine fensterlose Halle für eine Million Nasspräparate, die kein Licht vertragen. Mit der künstlerischen Interpretation eines Ruinen-Wiederaufbaus ist den Schweizern einer der interessantesten Beiträge zur „Kritischen Rekonstruktion“ Berlins gelungen.

Slender Bender

Hessische Straße 5, 10115 Berlin
52°31'44"N, 13°22'48"E
Deadline Architects, 2004
 
  • Slender Bender Foto: Matthew Griffin
    Slender Bender
  • Slender Bender Foto: Matthew Griffin
    Slender Bender
  • Slender Bender Foto: Matthew Griffin
    Slender Bender
  • Slender Bender Foto: Matthew Griffin
    Slender Bender
  • Slender Bender Foto: Schirin Torabi
    Slender Bender
  • Slender Bender Foto: Matthew Griffin
    Slender Bender
  • Slender Bender Foto: Matthew Griffin
    Slender Bender
  • Slender Bender Foto: Matthew Griffin
    Slender Bender
Deadline Architects haben diese schmale Baulücke Ende der 1990er-Jahre selbst gekauft und den schmalen Altbau, der darauf stand, saniert und erweitert. Oben drauf setzten sie eine Maisonette-Wohnung und nannten sie „Slender“. Vor den Altbau stellten sie ein Vorderhaus auf minimalem Grundriss, aber mit acht möblierten „Minilofts“ auf den kleinen Etagen, einem Büro und einem Laden. Aus Alt und Neu wurde eine Einheit durch die glänzenden Edelstahlbänder, die alles gleichermaßen umhüllen. Ein Bau, der sich gleichzeitig selbstbewusst und dezent mit seinem Kontext zu arrangieren weiß. Das Beste: Die „Minilofts“ können für kurze und längere Berlin-Aufenthalte gemietet werden.

Sammlung Boros – Wohn- und Galeriebunker

Reinhardtstraße 20, 10117 Berlin
52°31'24"N, 13°23'2"E
realarchitektur, 2008
 
  • Sammlung Boros – Wohn- und Galeriebunker Foto: Schirin Torabi
    Sammlung Boros – Wohn- und Galeriebunker
  • Sammlung Boros – Wohn- und Galeriebunker Foto: Schirin Torabi
    Sammlung Boros – Wohn- und Galeriebunker
  • Sammlung Boros – Wohn- und Galeriebunker Foto: Schirin Torabi
    Sammlung Boros – Wohn- und Galeriebunker
  • Außenansicht Bunker Foto: © NOSHE
    Außenansicht Bunker
  • Santiago Sierra: „Konstruktion und Installation von teerbeschichteten Formen, mit den Maßen 75 x 75 x 800 cm, angeordnet in zwei Räumen“, 2002 Foto: © NOSHE
    Santiago Sierra: „Konstruktion und Installation von teerbeschichteten Formen, mit den Maßen 75 x 75 x 800 cm, angeordnet in zwei Räumen“, 2002
Jahrelang wusste niemand etwas mit dem Hochbunker anzufangen, der sich hier vor feindlichen Angriffen als normale Blockbebauung zu tarnen versuchte. Nach dem Krieg war er Flüchtlingslager, Bananen- und Getreidespeicher, dann wurde er für erste Kunstausstellungen und Theateraufführungen genutzt. So wurde der Werbemillionär Christian Boros auf ihn aufmerksam und ließ ihn umbauen. Mit seiner Familie wohnt er heute in einem geräumigen Penthouse auf dem Dach des Bunkers, in den stellenweise klaustrophobisch engen Bunker-Etagen ist seine beeindruckende Sammlung zeitgenössischer Kunst eingezogen: Künstler wie Olafur Eliasson, John Bock oder Tobias Rehberger haben ihre Werke in den Bunkerräumen selbst arrangiert. Dafür wurden Teile der meterdicken Decken und Wände mit Diamantsägen herausgeschnitten, so sind Rundgänge möglich. Die Sammlung kann im Rahmen einer Führung besichtigt werden, man sollte sich jedoch rechtzeitig anmelden.

Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum

Geschwister-Scholl-Str. 1, 10117 Berlin
52°31'13"N, 13°23'27"E
Max Dudler, 2009
 
  • Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum Foto: Schirin Torabi
    Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum
  • Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum Foto: Schirin Torabi
    Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum
  • Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum Foto: Schirin Torabi
    Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum
  • Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum Foto: Schirin Torabi
    Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum
  • Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum Foto: Schirin Torabi
    Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum
  • Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum Foto: Schirin Torabi
    Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum
Max Dudler hat einige Jahre bei O. M. Ungers gearbeitet, daher verwundert die majestätische Schwere und strenge Ordnung seiner Architektur nicht. Die neue Bibliothek für die Humboldt-Universität zeichnet sich aber durch eine beinahe verspielte Fassade aus, deren wechselnde Fenster-Rhythmen zwischen dem Zugverkehr auf der Hochbahn gegenüber und dem Raster der Buchregale im Inneren perfekt vermitteln. Im Inneren erwarten die Besucher enge Regalreihen und ein beinahe babylonischer, zentraler Lesesaal, auf dessen offenen Terrassen das Gefühl einer Stadt des Wissens entstehen kann. Die Mischung aus Strenge und Verspieltheit macht aus dieser Bibliothek einen der besten Neubauten des neu errichteten „Steinernen Berlins“.

Rekonstruktion und Sanierung des Neuen Museums

Bodestraße 1-3, 10178 Berlin
52°31'12"N, 13°23'51"E
David Chipperfield, 2009
 
  • Rekonstruktion und Sanierung des Neuen Museums Foto: Schirin Torabi
    Rekonstruktion und Sanierung des Neuen Museums
  • Rekonstruktion und Sanierung des Neuen Museums Foto: Schirin Torabi
    Rekonstruktion und Sanierung des Neuen Museums
  • Rekonstruktion und Sanierung des Neuen Museums Foto: Schirin Torabi
    Rekonstruktion und Sanierung des Neuen Museums
  • Rekonstruktion und Sanierung des Neuen Museums Foto: Schirin Torabi
    Rekonstruktion und Sanierung des Neuen Museums
  • Neues Museum, Museumsinsel Berlin Südseite mit Südkuppel, Alte Nationalgalerie im Hintergrund © Staatliche Museen zu Berlin, Foto: Achim Kleuker
    Neues Museum, Museumsinsel Berlin Südseite mit Südkuppel, Alte Nationalgalerie im Hintergrund
Ähnlich wie der Ostflügel des Naturkundemuseums hatte auch das Neue Museum seit dem Zweiten Weltkrieg fast 70 Jahre lang als Ruine leergestanden. David Chipperfield ließ in elf Jahren Bauzeit das Gebäude innen und außen geradezu zärtlich restaurieren und konservieren. Manche Elemente wie die beeindruckenden Deckenfresken oder die Wandfarbe der Räume wurden wiederhergestellt. An anderen Stellen wurden alle Schichten der Geschichte sichtbar gelassen, die Fassade zeigt noch die Risse und Einschusslöcher von Krieg und Verfall. Wo das Alte mit Neuem ergänzt werden musste, da zeigt sich das Neue wie eine abstrakte Version des Altbaus, etwa die neuen Fassadenteile aus historischen Ziegeln und Betonfertigteilen oder die zentrale Treppe. Es ist eine atemberaubende Verbindung aus Alt und Neu. Kein Gebäude in Berlin zeigt die Spuren der Stadtgeschichte so deutlich, so abwechslungsreich, so widersprüchlich und so umfassend.

Weekend Club

Im Haus des Reisens, Alexanderplatz 5, 10178 Berlin
52°31'22"N, 13°24'59"E
Robertneun Architekten, 2007
 
  • Weekend Club Foto: Schirin Torabi
    Weekend Club
  • Weekend Club Foto: Schirin Torabi
    Weekend Club
  • Robertneun Architekten, Weekend Club Foto: Annette Kisling
    Robertneun Architekten, Weekend Club
  • Robertneun Architekten, Weekend Club Foto: Annette Kisling
    Robertneun Architekten, Weekend Club
  • Robertneun Architekten, Weekend Club Foto: Annette Kisling
    Robertneun Architekten, Weekend Club
  • Robertneun Architekten, Weekend Club Foto: Annette Kisling
    Robertneun Architekten, Weekend Club
  • Robertneun Architekten, Weekend Club Foto: Annette Kisling
    Robertneun Architekten, Weekend Club
Das „Haus des Reisens“ ist ein eher trauriges Hochhaus aus den 1960er-Jahren am nordöstlichen Ende des Alexanderplatzes, das um 2000 herum von der Berliner Clubkultur entdeckte wurde. Seit 2005 ist hier das „Weekend“ in der 12. und 15. Etage ansässig, einer der inzwischen weltweit bekanntesten Clubs in Berlin. Die Bekanntheit liegt sicher auch am architektonischen Konzept von Robertneun-Architekten, die mit rauen, industriellen und provisorischen Materialien die Ästhetik der illegalen, spontanen Berliner Clubs der 1990er-Jahre aufgreift und diese gleichzeitig mit dem herben Charme des DDR-Hochhauses verbindet. Ein Besuch empfiehlt sich natürlich vor allem nachts, allerdings macht das Weekend am Wochenende sowieso nie zu und so kann man jederzeit hinein – wenn einen der Türsteher lässt. Höhepunkt des Clubs ist die Dachterrasse mit ihrem großartigen Alexanderplatz-Panorama – und das kann man immer genießen, nachts und tags, nach durchzechter Nacht oder bestens ausgeruht.

L40 – Haus für Kunstsammler

Rosa-Luxemburg-Straße 40, 10178 Berlin
52°31'41"N, 13°24'35"E
Bundschuh Baumhauer Architekten, 2010
 
  • L40 – Haus für Kunstsammler Foto: Schirin Torabi
    L40 – Haus für Kunstsammler
  • L40 – Haus für Kunstsammler Foto: Schirin Torabi
    L40 – Haus für Kunstsammler
  • BUNDSCHUH Architekten, L40 Foto: Jan Bitter (janbitter.de)
    BUNDSCHUH Architekten, L40
  • BUNDSCHUH Architekten, L40 Foto: Jan Bitter (janbitter.de)
    BUNDSCHUH Architekten, L40
  • BUNDSCHUH Architekten, L40 Foto: Jan Bitter (janbitter.de)
    BUNDSCHUH Architekten, L40
Das Quartier um die August- und Torstraße ist seit der Wende zu Berlins Galerienviertel geworden, die vielen Schaufenster machen die Straße selbst zum Museum für zeitgenössische Kunst. Das markante Eckgebäude aus schwarzem Sichtbeton ist das erste große architektonische Zeichen dieser Entwicklung. Architekt Roger Bundschuh und die Künstlerin Cosima von Bonin haben die seltsame Form aus dem trapezförmigen Grundstücksschnitt heraus entwickelt. Mit den tiefen Einschnitten, die von den großen Fenstern betont werden, den weiten Auskragungen und dem dunklen Turm zur Kreuzung hin wirkt das Gebäude selbst wie eine Skulptur. Die etwas skurrilen Wohnungsgrundrisse sollen die besonderen Bedürfnisse von Kunstsammlern bedienen, wie es heißt. Sie sind eine Mischung aus Wohnungs- und Galeriegrundriss.

Haus August

Auguststraße 17, 10115 Berlin
52°31'36"N, 13°23'43"E
Ebers Architekten, 2004
 
  • Haus August Foto: Schirin Torabi
    Haus August
  • Haus August Foto: Schirin Torabi
    Haus August
  • Haus August Foto: Schirin Torabi
    Haus August
  • Haus August Foto: Schirin Torabi
    Haus August
Mitten im Galerienviertel an der Auguststraße wurde eine Baulücke mit gerade 154 Quadratmetern bebaut, kaum acht Meter breit aber zwischen zwei Altbauten 25 Meter tief. Offiziell galt die Lücke als „unbebaubar“ – für den schmalen Neubau war also Fantasie gefragt. Der Architekt Jörg Ebers stapelte neben einer schmalen Treppe einen Laden, eine Studio-Wohnung und eine Maisonette aufeinander. Die großen Fenster geben den tiefen Räumen Licht und große Ausblicke. Wie aufgesetzt wirken die starken Fensterkästen auf der Fassade aus kleinen, grünen Mosaiksteinen. Ähnlich wie bei Brandlhubers Galeriegebäude, mit dem unser Spaziergang begann, greifen auch hier die Fenster die Etagenhöhen ihrer Nachbarn recht (nach-)lässig auf. Das Haus rekonstruiert nichts, was hier früher einmal war, und harmoniert doch prächtig mit seinem Kontext: als selbstbewusster, grüner Stadtbaustein. Es geht eben doch: Moderne, selbstbewusste Architektur in Berlin, die nichts überschreibt, sondern die Entwicklung der Stadt progressiv fortschreibt.