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Beethoven 250
Die Schicksalssinfonie

Beethovens Statue vor dem Geburtshaus des Komponisten in Bonn
Beethovens Statue vor dem Geburtshaus des Komponisten in Bonn | © Sonja Werner

Es heißt nicht von ungefähr, Beethovens Musik feiere mit ihrer Größe und Kraft den Mut und die Unbezwingbarkeit der menschlichen Seele. Feiern können auch Sie, nämlich den 250. Geburtstag des Komponisten. Die Tschechische Philharmonie hat dafür ein besonderes Geschenk vorbereitet.

Von Petr Kadlec

Als Beethoven geboren wurde, gab es die Form der Sinfonie bereits. Doch außer Adligen und Regenten, an deren Höfen für ein kleines Publikum sinfonische Musik gespielt wurde, kam fast niemand in ihren Genuss. Charakteristisch für das Genre der Sinfonie waren vor allem eine gewisse Monumentalität und Repräsentativität. Herausragende Werke bekamen dadurch Aufmerksamkeit und Bedeutung. Um das Jahr 1800, als Beethoven aktiv in das Feld der Sinfonien vorstieß, hatte sich die Situation bereits gewandelt. Zu dieser Zeit wurden Sinfonien bereits für die Öffentlichkeit gespielt, meist im Rahmen von relativ ausgedehnten und abwechslungsreichen Konzerten, den sogenannten Akademiekonzerten. Neben Sinfonien kamen dort auch Vorspiele, Kammerwerke, Solo-Auftritte und Opernarien zu Gehör. Die Hauptfiguren waren die Virtuosen, also Instrumentalisten oder Sänger. Sinfonien galten als eine Art „Einführung ins Spiel“. Und dann kam Beethoven.

Musik als Triumph der Freiheit

Innerhalb von knapp 30 Jahren (1798-1824) komponierte Beethoven neun Sinfonien, in denen sich ein enormer formaler und inhaltlicher Wandel vollzog. Beethoven konnte an Haydns und Mozarts Leistungen anknüpfen, denen es gelungen war, in freierer Stellung zu leben als andere Komponisten. Kurz gesagt waren sie nicht mehr so sehr Diener und Lohnarbeiter, sondern unabhängig schaffende Künstler. Es ist interessant, wie allein dieser Umstand die sinfonische Musik veränderte. Ihre Monumentalität und Erhabenheit blieb erhalten, doch war sie nun nicht mehr an die Macht der Monarchen gebunden, sondern diente eher der persönlichen Freiheit der Komponisten zum Triumph. Unter dieser Voraussetzung wurde die Musik wesentlich komplexer und schwerer. So erschienen Mozarts späte Sinfonien vielen Hörern kaum durchdringbar oder gar bizarr.
 
Beethoven geht noch weiter. Seine Musik reflektiert in hohem Maß persönliche, soziale und ethische Überlegungen. Wie niemand vor ihm war Beethoven in der Lage sinfonische Musik mit humanitärem Gedankengut zu verbinden. Nicht von ungefähr heißt es, mit ihrer Größe und Kraft feiere seine Musik den Mut und die Unbezwingbarkeit der menschlichen Seele. In Vollendung zeigt sich dies in der neunten Sinfonie, in der Beethoven neben Instrumenten auch die menschlichen Stimmen von Solisten und großem Chor erklingen lässt, die Schillers Ode an die Freude singen. Nach Beethovens Tod wurde auch die Meinung laut, die Sinfonie könne sich nun nicht mehr weiterentwickeln und sei in ihrer Form vollendet. 

Schicksal lässt sich nicht drängen 

Erste Vorüberlegungen zu Beethovens Sinfonie Nr. 5 in c-Moll finden sich in Skizzen aus dem Herbst 1803. Auch wenn er die „Schicksalssinfonie“  erst im Jahr 1808 vollendete, war er während des gesamten Zeitraums gedanklich mit ihr beschäftigt und ließ sie reifen. Zugleich schuf Beethoven mit unglaublicher Hartnäckigkeit und Willenskraft immer neue Versionen, die er bei Nichtgefallen wieder verwarf. Skizzen zur Schicksalssinfonie sind in großer Menge erhalten. Manche Stellen überarbeitete der Komponist unzählige Male, bis ihn das Ergebnis zufriedenstellte.
 
Es ist außerdem zutreffend, dass Beethoven gedanklich immer parallel in mehrere große Kompositionen vertieft war. Andere kompositorische Aufgaben lenkten ihn also von der fünften Sinfonie ab. Motive der Schicksalssinfonie finden wir deshalb auch im vierten Klavierkonzert, im Violinkonzert, in der Oper Fidelo oder in der sechsten Sinfonie
 
Die Schicksalssinfonie wurde am 22. Dezember 1808 in Wien uraufgeführt. Das Konzert dauerte unglaubliche vier Stunden – von halb sieben bis halb elf Uhr abends. Unter Beethovens Taktstock erklangen weitere seiner Werke zum ersten Mal: das erwähnte vierte Klavierkonzert und die sechste Sinfonie, aber auch drei Teile der Messe in c-Dur, die Arie Ah! perfido und die Choralfantasien. Und obendrein noch Beethovens Klavierimprovisation! Das Niveau dieses Konzerts ist schwer einzuschätzen. Vorangegangen war nur eine einzige (!) Probe, das Publikum und alle Beteiligten waren nach dem vierstündigen Marathon schlicht erschöpft. Einen Monat später folgte die zweite Aufführung der Schicksalssinfonie, dieses Mal in Leipzig. Die dortige Aufführung war ein eindeutiger Erfolg.
 
Im Jahr 1809 erschien die Sinfonie im Druck. Beethoven widmete sie zweien seiner adligen Mäzene,  Graf Rasumowski und Graf Lobkowitz. Der Name Schicksalssinfonie stammt übrigens nicht vom Komponisten selbst. Wer ihn erfand, ist nicht bekannt. In jedem Fall etablierte er sich umgehend und hatte sich schon im 19. Jahrhundert so stark eingebürgert, dass es dabei blieb.
 
Hunderte Menschen haben versucht, die Bedeutung dieser Musik und ihre Wirkung auf den Menschen zu beschreiben. Einer der ersten war der deutsche Schriftsteller und Musikkritiker E.T.A. Hoffmann. 1813 bezeichnete er die Fünfte als „unbeschreiblich tiefe, großartige Sinfonie in der Tonart c-Moll“. Weiter heißt es bei Hoffmann: „Beethoven hat die gewöhnliche Folge der Sätze in der Symphonie beibehalten; sie scheinen phantastisch an einander gereiht zu sein, und das Ganze rauscht manchem vorüber, wie eine geniale Rhapsodie: aber das Gemüt jedes sinnigen Zuhörers wird gewiss von einem fortdauernden Gefühl, das eben jene unnennbare, ahnungsvolle Sehnsucht ist, tief und innig ergriffen und bis zum Schluss-Akkord darin erhalten; ja noch manchen Moment nach demselben wird er nicht aus dem wundervollen Geisterreiche, wo Schmerz und Lust in Tönen gestaltet ihn umfingen, hinaustreten können.“ 

Musikalisches Geschenk der Tschechischen Philharmonie

In dieses wundervolle Geisterreich können auf Einladung der Tschechischen Philharmonie nun auch Sie eintreten: Zum 250. Geburtstag des Komponisten ertönt auf dem Youtube-Kanal der Tschechischen Philharmonie eine Aufnahme von Ludwig van Beethovens berühmtester Sinfonie – eben jene Schicksalssinfonie.
 
Nach einer Werkanalyse und Ausschnitten auf Wunsch der Musiker wird die ganze Sinfonie von der Tschechischen Studentenphilharmonie unter dem Taktstock von Marek Ivanović gegeben. Öffnen Sie hier das festliche Geschenk zu Beethovens 250. Geburtstag: 
 
 

Was? Beethoven: Die Schicksalssinfonie. Analyse und Aufführung.
Wo? Auf dem YouTube-Kanal der Tschechischen Philharmonie
Wie? Tschechisch mit englischen Untertiteln

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