Gabi Schaffner
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Hörfunken:
Sound- und Radiokünstlerin Gabi Schaffner plant eine Reihe von ortsbezogenen Radioarbeiten die Ort, Stimme und individuelle Perspektive in poetische Straßenperformances verwandeln. Im Rahmen ihres Gartenradio-Projekts Datscha Radio verfolgt sie außerdem die angewandte Botanik in Urban Garden Communities in Form von Soundkartierungen.

Gabi Schaffner studierte deutsche und a­merikanische Literaturwissenschaften und Ethnologie an der Johann Goethe Universität in Frankfurt/Main. Bereits seit den späten 80ern war sie als Autorin für Literaturzeitschriften und Undergroundmagazine aktiv. Ihr Interesse für Fotografie führte zu einem Zweitstudium an der HfbK Hamburg, wo sie bei Johannes Bernhard Blume ihr Diplom mit Auszeichnung erwarb. Parallel zum Studium arbeitete sie als Performerin, Geschichtenerzählerin und Kuratorin in den Bereichen experimentelle Literatur, Musik und Film. Von 2002 bis 2006 unterhielt sie die interdisziplinäre Plattform „Dada de Nada“ im Kollektiv mit Akteuren der Hamburger Kunst-, Kultur- und DIY-Szene.
Ein DAAD-Stipendium in Island im Jahr 2001 veranlasste sie zu ersten Arbeiten mit Tonaufnahmen. Es folgten Veröffentlichungen bei dem Frankfurter Field Recording Label „gruenrekorder“ und ab 2005 Aufträge für das Radio („Der Klang des Schnees“ mit Götz Naleppa, Deutschlandradio). Nebenberuflich war sie als Übersetzerin und Autorin für Kunstbuchverlage und Galerien (u. a. transkript, Verlag für Moderne Kunst, textem, The Green Box) tätig.
 
Gabi Schaffners künstlerische Praxis ist bestimmt von den Methoden der poetischen Ethnografie in Verbindung mit fluxusnahen Inszenierungen und Performances. Ein Großteil ihrer Arbeiten entsteht auf Reisen.

gabi schaffner © Mathias Deutsch Ein Stipendium der Kone Foundation in Helsinki ermöglichte die Recherchen für ihre fiktive Biografie über den Avantgarde-Komponisten Martti Mauri. „Otto Mötö. Im Universum der finnischen Motorenmusik“ gewann 2012 den Preis „Hörspiel des Monats“ der Akademie der Darstellenden Künste Berlin. Im gleichen Jahr gründete sie gemeinsam mit dem Berliner Künstlerradio reboot.fm das inzwischen international renommierte Radiokunstprojekt Datscha Radio.
 
Seit 2015 verwendet sie Mikro-UKW-Transmitter zur Schaffung lokaler Radiosphären. „Electric Fairy Grounds“ etwa, realisiert im April 2017 in Bogong, Australien, ist eine Klang- und Stimmencollage, die als mehrteiliges Hörspiel die Geschichte der Region aus unterschiedlichen Perspektiven und an verschiedenen Orten im Gelände erzählt. Hörbar gemacht wurde es über drei Mikrosendestationen, die mit Taschenradios in der Hand erwandert werden konnten.

Gabi Schaffner dokumentierte außerdem das Radiokunstfestival Radio Revolten 2016 in Halle in Bild und Text. Aktuell bereitet sie für Datscha Radio unter dem Titel „Plots & Prophecies“ ein Gartenradio-Festival vor, das vom 25. bis 29. August 2017 in Berlin stattfinden wird.
 
In der bangaloREsidency wird sie in Zusammenarbeit mit dem Kollektiv Maraa eine Reihe ortsbezogener Radioarbeiten entwerfen, in denen Lokalität und individuelle Perspektive zu poetischen Streetperformances verknüpft werden. Die Tonaufnahmen dieser Auftritte werden als vielstimmige Mikro-UKW-Installation erneut hörbar gemacht und fließen in die Produktion einer 7“Single ein, deren Verwendung als DJing-Tool ausdrücklich erwünscht ist.

Parallel dazu verfolgt sie ihr Soundmapping zu angewandter Botanik und urbanen Gartengemeinschaften und stellt es gleichfalls Maraa’s Radiocommunity zur Verfügung.