Joscha Steffens ist Teil des von Jaaga initiierten Projekts Urban Pastures. Mit diesem Projekt soll zeitgenössische Kunst durch die Ausstellung an 40 neuen Bushaltestellen im Norden Bangalores den Bewohnern näher gebracht werden.
Abschlussbericht
Zunächst bereitete mir die Aussicht eine Woche in Bangalore am „Urban Pastures“ Projekt von Jaaga DNA mitzuarbeiten eigentlich nur Magenschmerzen. Was könnte ich innerhalb einer Woche in einem Land wie Indien, in dem ich noch nie war, dessen Kultur, Bräuche, Regeln, Gewohnheiten, in dem mir einfach alles fremd ist, was könnte ich in einem solchen Zustand der totalen Überforderung großartig anderes machen, als überfordert zu sein?
Die 8 Tage und 7 Nächte in Bangalore vergingen wie im Rausch und es fällt mir im Nachhinein sehr schwer, eine Struktur darin zu erkennen. Es war ein Eintauchen in eine neue Sphäre, eine Sphäre von Wärme und Dichte, von schwerer intensiver Luft, Geräuschen, Lärm und Farben. Zu intensiv, zu eindrücklich waren die Erfahrungen und Begegnungen, die ich gemacht habe, als das ich sie nun räumlich und zeitlich noch voneinander trennen könnte. In meiner Erinnerung ist alles ein großer bunter, lauter, hektischer, ätzender und faszinierend stinkender, wundervoll spacig-maroder Klumpen: Bangalore. Letztendlich befand ich mich wieder und wieder in einer jener „Unsichtbaren Städte“ von denen Marco Polo in der Erzählung Calvinos berichtet. Der Schäfer in Cäcilia – der fortbestehenden Stadt -, dessen Tiere das Gras einer Verkehrsinsel abgrasen und dabei die Erinnerungen an die vergangenen Hänge und Wiesen lebendig werden lassen, war genauso real, genauso präsent wie der nie enden wollende und doch nie kollabierende Verkehrsfluss auf den Megakreuzungen und in den Gassen, genauso aggressiv wie die wilden Hunden, die nachts ihre Reviere verteidigen und genauso anachronistisch wie die monumental inszenierten Panzer und fliegenden Kriegsmaschinen, denen ich in dieser Stadt immer wieder begegnete.
Ich bin dem Goethe Institut, dessen Unterstützung meine Teilnahme erst ermöglicht hatte, sehr dankbar und hoffe, dass es auch in Zukunft weitere intensive Projekte dieser Art wird.