Städtebau Die Gartenstadt Drewitz in Potsdam

Gartenstadt Drewitz in Potsdam
Gartenstadt Drewitz in Potsdam | Foto (Ausschnitt): © Adam Sevens, Pro Potsdam

Mehr Grün, mehr Wohnkomfort, weniger Kohlendioxid-Ausstoß: Die Plattenbausiedlung Drewitz wird zur Gartenstadt – und bis 2050 vielleicht zum ersten emissionsfreien Stadtteil in Potsdam.

Ein entscheidender erster Schritt war die Umwandlung der überdimensionierten Hauptverkehrsstraße in einen Park. Noch vor wenigen Jahren durchzog die Konrad-Wolf-Allee als lärmende Verkehrsschneise das Viertel, gesäumt von Parkplätzen und Plattenbau-Monotonie. Heute ist die stillgelegte Straße der Konrad-Wolf-Park und zugleich die lebendige, grüne Mitte von Drewitz. Zierkirschen und Rosen, Wasserspiele, Sitzgelegenheiten und Wege, die die Anwohner gerne nutzen: Der Park schafft Verbindungen zwischen den Menschen, die unterwegs zur Arbeit oder zum Einkaufen sind – oder einfach ihre freie Zeit im Grünen vor der Haustür genießen.

Gartenstadt Drewitz Gartenstadt Drewitz | © Benjamin Maltry, Pro Potsdam Gartenstadt Drewitz Gartenstadt Drewitz | © Benjamin Maltry, Pro Potsdam Der Stadtteil Drewitz im Südosten von Potsdam entstand Ende der 1980er-Jahre als eines der letzten Neubaugebiete der DDR. Auf einer Fläche von 38 Hektar leben hier rund 5.500 Menschen in 3.000 Wohnungen. 2009 beauftragte die kommunale Immobiliengesellschaft Pro Potsdam verschiedene Planer, ein Konzept für die energetische Sanierung der Großsiedlung zu erarbeiten. Heraus kam ein Vorschlag, der noch viel weiter ging: der Umbau der Plattenbausiedlung zur Gartenstadt.

Das Potsdamer Stadtparlament stimmte zu, und so wurde die Verkehrsschneise des Viertels zwischen 2011 und 2013 in einen Park umgewandelt. Carsten Hagenau, Geschäftsführer der Projektkommunikation Hagenau, hat die Idee von Anfang an mit entwickelt: „Mit dem Umbau der Konrad-Wolf-Allee zum Park haben wir den Durchgangsverkehr aus der Siedlung genommen und damit nicht nur den Ausstoß von Kohlendioxid, sondern auch die Belastung durch Lärm und Feinstaub reduziert.“

Preise für die „grüne Platte“

Der Park wird derzeit um eine Querachse zum „Grünen Kreuz“ erweitert. Erklärtes Ziel ist, Drewitz bis zum Jahr 2050 zum emissionsfreien Stadtteil zu entwickeln. Ein wichtiger Baustein dafür ist der geringere Wärmeverbrauch in energetisch sanierten Wohnungen. Außerdem braucht man in Drewitz nicht unbedingt ein Auto, denn das Quartier ist sehr gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Neumieter von Einzimmerwohnungen erhalten vom Vermieter Pro Potsdam sogar ein kostenloses Jahresticket der städtischen Verkehrsbetriebe. Carsten Hagenau: „Bis heute können wir durch die Errichtung des Parks, durch sanierte Wohnungen und die sinkende Anzahl der Fahrzeuge pro Haushalt 952 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr einsparen.“ Die Bilanz wird sich weiter verbessern, denn die Gebäudesanierungen gehen weiter, außerdem wird Drewitz ab Januar 2017 mit „grüner“, also Kohlendioxid-freier Fernwärme versorgt.

Gartenstadt Drewitz vorher/ nachher Gartenstadt Drewitz vorher/ nachher | Ulf Böttcher und Adam Sevens, Pro Potsdam 2014 wurde die Gartenstadt Drewitz beim Bundeswettbewerb „Kommunaler Klimaschutz“ ausgezeichnet. Im selben Jahr prämierte auch die Jury des Deutschen Städtebaupreises das Projekt. „Die Preise zeigen, dass sich effektiver Klimaschutz und städtebauliche Qualität nicht ausschließen“, sagt Carsten Hagenau und freut sich über den internationalen Vorbildcharakter der Potsdamer „grünen Platte“. 
Regelmäßig informieren sich Stadtplaner vor Ort über das Projekt, darunter Fachleute aus China, Finnland, Litauen, Kirgisistan oder Frankreich. Carsten Hagenau ist überzeugt: „Unser Konzept lässt sich auch in anderen Quartieren umsetzen.“

Partizipation der Bewohner

Die Mieten in Drewitz müssen nach der Sanierung bezahlbar bleiben, auch das gehört zum Gartenstadtkonzept. Ebenso wie das 2013 eröffnete Begegnungszentrum „Oskar“ in der Stadtteilschule Am Priesterweg, das Raum für Freizeit, Unterhaltung und sozialen Austausch bietet.
Carsten Hagenau betont, wie wichtig die Beteiligung der Drewitzer und Drewitzerinnen am Umbau ihres Viertels ist. „Allein zum Konrad-Wolf-Park gab es 64 öffentliche Veranstaltungen.“ Von Kindern bis zu den Senioren im Wohnheim: Alle Zielgruppen konnten ihre Vorstellungen einbringen, und es scheint sich gelohnt zu haben. Carsten Hagenau: „Früher waren auf der Straße kaum Kinder unterwegs. Heute sieht man ganz viele, einfach weil sie die entstandenen Frei- und Grünflächen nutzen.“

Gartenstadt Drewitz Gartenstadt Drewitz | © Benjamin Maltry, Pro Potsdam Die Bürgervertreterin Kati Anton resümiert: „Die Atmosphäre hat sich verändert. Drewitz ist grüner, offener, lebenswerter geworden.“ Zu tun gebe es aber immer noch genug. So setzt sich Frau Anton beispielsweise dafür ein, dass die Straßenbahn nur noch in Schrittgeschwindigkeit durch die grüne Mitte von Drewitz fährt. Denn schließlich ist das jetzt ein Ort, an dem sich Menschen statt Autos begegnen.