Francesco Petruccelli
bangaloREsident@Daily Dump

Müll - der finale Zustand?!
Francesco Petruccelli ergründet Müll als materiellen Ausdruck von Tod und Wiedergeburt. Müll, besonders Plastik, wohnt ein immenses kreatives Potential inne, das der bildende Künstler nutzen will, um neue Wahrnehmungen zu evozieren.

Die künstlerische Ausbildung von Francesco Petruccelli wurde durch sein Studium und seine verschiedenen Erfahrungen beeinflußt.

Seine Ausbildung begann er mit dem Studium der Kunst- und Geisteswissenschaften an der Università degli Studi in Mailand. Anschließend führte ihn die Arbeit als Kameramann an Orten wie Haiti und Kongo und schließlich entschied er sich, seine Ausbildung an der Universität der Künste im Fach der Bildenden Künste weiterzuführen. Hier konnte er eine Komplexe künstlerische Sprache entwickeln, deren Hauptcharakteristika eine gewisse intellektuelle - fast philosophische - Dichte aufweist und ihre Aufmerksamkeit den Paradoxien der Existenz widmet und somit eine visuelle Beschreibung von psychologischen Prozessen, die immer genau und brutal zugleich ist.

francesco petruccelli portrait © Diana Pacelli Schon in seine ersten Ausstellungen (z. B. bei Neurotitan in Berlin im Jahre 2014) konzentrierte er sein Interesse auf die Widersprüche der Identität: Seinen Skulpturen, vor allem deren Köpfe, zeigen ein Schlachtfeld, einen Kampf zwischen Instinkten und Spannungen, für die es keine Lösung zu geben scheint. Indem er die archaischen Technik der Enkaustik mit der Wahrnehmung des Sockels kombiniert, welcher die psychologische Stütze der Skulptur darstellt, zeigt er die problematische Einheit des Egos und seine Inkonsequenz auf.

Seine Analyse der mentalen Prozesse wird weiterhin vertieft und durch seine Werke, die er mit den Theorien von K.G. Jung verknüpft, erweitert. Nennenswerte Beispiele in Berlin dafür sind: Schauwerk im Jahr 2015 und bei der erstererster Galerie im Jahre 2016. Hier präsentierte der Künstler Skulpturen und Gemälde, deren Hauptthema die Abwesenheit der metaphysischen Leere war, die bestehen bleibt, sobald jedes Urteil, das wir über Dinge haben, sich als partiell und falsch herausstellt.
Aus dieser Perspektive hat seine Verwendung von Müll als Material für seine Statuen eine ontologische Bedeutung: Der Müll, der jede kulturelle Bedeutung verloren hat, stellt die Abwesenheit von menschlichen Werten dar und doch besteht er mit seinem unerkennbaren Leben fort.

Der Bruch von einer subjektiven Perspektive wird in den Werken, die er zwischen 2016 und 2017 bei Cruise & Callas und Schillerpalais präsentiert hat, endgültig: Seine Gemälde von Gemäldenradiographien leugnen nicht nur die menschliche Wahrnehmung der Kunst, sondern zeigen auch die verborgene, unterbewusste Identität von einem Kunstwerk.

Andererseits zerstört der Künster mit anderen Gemälden, die mit Collagentechnik gemacht wurden, jede mögliche persönliche Bedeutung und Bezugsnahme. Dadurch gibt er dem Zuschauer einen leeren visuellen Raum, damit sie ihn mit ihrem Inhalt und Ideenverknüpfungen füllen können.

Während der bangaloREsidency wird Francesco Petruccelli mit Daily Dump zusammenarbeiten, um den Müll zu erforschen, seine zweideutige Beschaffenheit des ultimativen, entropischen Zustandes der Materie und der Schlüssel für eine neue kulturelle Evolution zur gleichen Zeit. Als materieller Ausdruck von Tod und Wiedergeburt hat der Müll ein unermessliches kreatives Potenzial, welches der Künstler nutzen will, um eine neue Wahrnehmung von diesem anzuregen.
 

Abschlussbericht

Meine Erfahrung mit der bangaloREsidency war aus verschiedenen Gründen sehr positiv.
Das Goethe Institut hat meinen Aufenthalt in Bangalore sehr zufriedenstellend organisiert. Claus Heimes, Maureeen Gonsalves und Anna Hofer waren die Personen, mit denen ich am meisten zu tun hatte. Sie haben mich bei jeder Entscheidung unterstützt, die ich für mein Projekt in Indien getroffen habe.
Neben ihrer Professionalität und dem hohen Niveau ihrer Anregungen, hat ihre Sympathie der Kommunikation zwischen uns sehr geholfen.
Ich habe auch eine sehr gute Erfahrung mit der Organisation Daily Dump gemacht, die meinen Aufenthalt begleitete.
Francesco Petruccelli
Poonam Bir Kasturi, Geschäftsführerin und Gründerin von Daily Dump, hat mich auf verschiedene Weise unterstützt. Skulpturen herzustellen  kann sehr schwierig sein, wenn man nicht die geeigneten Räume und Geräte hat. Poonam hat mir einen sehr guten Raum gegeben - den Abstellraum Ihrer Firma – und jedes Mal, wenn ich Materialien und Geräte brauchte, gab es einen Angestellten von Daily Dump, der bereit war, mir zu helfen. Ich hatte viel Spass, bei Daily Dump zu arbeiten. In täglichem Kontakt mit den Angestellten der Firma zu sein war mir sehr wichtig, um Indien besser zu verstehen. Hauptsächlich mochte ich die Konversationen mit Poonam über die Umweltprobleme von Bangalore. Wir besuchten schwierige Stadtteile. Sie haben mir geholfen, den Kern einiger Problematiken der Stadt zu sehen und die sozialen und wirtschaftlichen Dynamiken zu verstehen, die zu diesen Problematiken führen.
Diese Erfahrungen waren sehr nützlich, um mein Projekt zu entwickeln.
Ich kann die bangaloREsidency nur weiter empfehlen, besonders mit Daily Dump als Gastgeber: Bangalore ist eine Stadt mit sehr komplexen Dynamiken, die ganz anders als die Dynamiken der europäischen Städte sind. Das Goethe Institut und Daily Dump haben mir die Chance gegeben, viel von Bangalore zu verstehen und deswegen Kunstwerke, die dessen Komplexität wiederspiegeln, herzustellen.
Finale Ausstellung