Cultural Leadership Academy
Dezentralisierung im Kulturbereich

Goethe-Institut Aufgaben und Ziele Foto: Goethe-Institut/Loredana La Rocca

Die Dezentralisierung von Entscheidungen und Budgets im Kultursektor ist eine Herausforderung für die Ukraine und andere Transformationsländer. Das Zusammenspiel von Kultur und Zivilgesellschaft sowie von Kultur und Wirtschaft ist unklares Terrain.

Kommunale Politiker, Institutionen und Akteure befinden sich daher in einer schwierigen Lage: Die Zentralregierung will Verantwortung an sie abgeben, aber es fehlen ihnen

  • die Modelle für eine erfolgversprechende Neuorientierung der vorhandenen kulturellen Infrastruktur,
  • die Visionen für eine partizipatorische Kulturpraxis und
  • die Ideen für innovative Angebote insbesondere für junge Menschen.

Verstärkt durch die aktuelle wirtschaftliche Misere im Land werden daher oft vorschnell die Budgets für Kultur gekürzt bzw. in andere Bereiche verlagert. Öffentliche Einrichtungen wie Bibliotheken, Museen, Kunstschulen, Theater und Kulturzentren werden geschlossen: 2016 waren es z.B. 3000 Bibliotheken landesweit, davon allein 22 im Januar 2017 im Raum Riwne.

In mittelgroßen Gemeinden und Städten verursachen kurzfristige ökonomische Interessen ein Übriges, indem Investorenprojekte in den historisch gewachsenen Zentren das bauliche Erbe und die soziale Infrastruktur zerstören. Shopping Malls, Büroflächen und Luxuswohnungen ersetzen dann öffentliche Parks und Kultur- und Bildungseinrichtungen.

Auf diese Weise berauben sich kleinere Gemeinden, Provinzstädte und (post-)industrielle Regionen ihrer letzten Attraktivität.

Im Rahmen von EU- und anderen internationalen und nationalen Programmen gab es in den vergangenen Jahren diverse Schulungsangebote für „Cultural Management“ und Projekte zum „Cultural Mapping“ in der Ukraine. Experten aus dem Ausland stellten vielfältige „best practices“ aus ihren Ländern vor.

Diese Projekte können wichtige Daten und Fakten liefern und modernes Management-Wissen vermitteln. Sie erreichen aber in der Regel v.a. die Gruppe der zivilgesellschaftlichen Aktivisten (NGOs) und die Verantwortlichen auf höchster politischer Ebene, nicht aber die lokale Administration und das mittlere Management. Viele Maßnahmen des „Capacity Buildings“ im Kulturmanagement waren und sind daher weniger nachhaltig als kurzfristig wirksam. Sie gehen selten in die Peripherie. Es mangelt an der Begleitung der konkreten Dezentralisierung in der ukrainischen Provinz.

Das Goethe-Institut Ukraine hat in den Jahren 2014-2016 durch die Projekte Kultur-und Bildungsakademie und Plan Z modellhaft gezeigt, wie die Zusammenarbeit von Aktivisten, NGOs und Behörden bei der Entwicklung eines kulturellen Fahrplans für eine Kleinstadt erfolgreich ablaufen kann, und wie konkrete Maßnahmen generiert werden. An der Abschlussveranstaltung zu Plan Z (2016) und in einer Folgeveranstaltung des Kulturministeriums (2017) nahmen jeweils 89 Bürgermeister und über 100 Kulturaktivisten aus eigenem Interesse teil, um daraus zu lernen.

Auf diesem Erfahrungshintergrund soll nun ab 2018 eine Cultural Leadership Academy für die Ukraine aufgebaut werden. Das Kulturministerium will in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und dem ukrainischen Institute of Cultural Policy (ICP) Schulungen durchführen und zertifizieren.

Perspektivisch soll möglichst flächendeckend den Entscheidungsträgern im Kulturbereich das notwendige professionelle Werkzeug zur Verfügung gestellt werden, um die Dezentralisierung im kulturellen Sektor erfolgreich umzusetzen. 

Ziel der Akademie ist also, 

  • lokale Akteure in kleineren Gemeinden und Städten in der Umsetzung ihrer Führungsrolle zu unterstützen,
  • ihnen Wissen über  partizipatorische Projekte und Arbeitsweisen zu vermitteln,
  • Ihnen Werkzeuge zu kulturellen und ökonomischen Planungsprozessen zu vermitteln, auf der Grundlage von „Cultural Mapping“ und „Cultural Idea Designing“,
  • sie dabei zu unterstützen, die spezifischen kulturellen Ressourcen und Potentiale realistisch zu analysieren, lokale und regionale Synergien zu suchen sowie Konzepte und Prinzipien einer kulturellen und ökonomischen Entwicklung von Kleinstädten und Provinzen zu entwickeln,
  • sie mit kulturellen NGOs einerseits und mit Vertretern von Tourismus, lokaler Wirtschaft und anderen Interessen zu vernetzen. 

Eckdaten der Akademie

Januar 2018: Ausschreibung und Auswahl der Trainer
Februar bis April 2018: Ausbildung des Trainerteams durch die deutschen Experten Patrick Föhl und Constanze Stoll (Präsenzphasen der Ausbildung in Kiew: 12.-15.2./19.-21.3./17.-20.4.2018)
April 2018: Ausschreibung für Teilnehmer an der Cultural Leadership Academy
Ab Mai 2018 bis Mai 2019: in vier Landesteilen werden je 25 Entscheidungsträger von den Trainern unterrichtet; es finden 5 Präsenzphasen (Module) statt und eine abschließende Zertifizierung durch das Ministerium
Sommer 2019: Erstellung einer Publikation zum Projekt (Dokumentation der Materialien).