Die letzte IDT fand vom 31. Juli bis 4. August 2017 in Freiburg in der Schweiz unter dem Motto „Brücken gestalten – Mit Deutsch verbinden“ statt.
An der Tagung nehmen Lehrende, Forschende und Studierende teil, die das Programm durch eigene Beiträge mitgestalten, so dass die IDT eine Brücke zwischen Lehre, Forschung und Praxis bildet.

Die Goethe-Institute im Ausland vergeben Fortbildungsstipendien, um Deutschlehrerinnen und Deutschlehrern die Teilnahme an der IDT zu ermöglichen und um die Vernetzung von Lehrkräften aus aller Welt zu fördern. Das Fachprogramm wird von Expertinnen und Experten des Goethe-Instituts maßgeblich mitgestaltet und auch beim Rahmenprogramm ist das Goethe-Institut mit zahlreichen Veranstaltungen und Beiträgen vertreten: Ausstellungen, Lesungen, Filmvorführungen.
Freiburger Resolution zur Sprachenpolitik
Ein wichtiges Ergebnis der IDT 2017 ist die sprachenpolitische Resolution, die in 11 Thesen Grundsätze, Empfehlungen und Forderungen an eine zeitgemäße Sprachenpolitik, Sprachlehrpraxis und Fremdsprachenforschung enthält.
11 Thesen zur Stärkung und Weiterentwicklung von Deutsch als Fremd- und Zweitsprache
These 1
Deutschförderung im internationalen Kontext kann sehr vielfältige Formen haben, z.B. Initiativen und zielgruppenspezifische Ansätze, die der Information von politischen und administrativen Entscheidungsträgern, der Werbung/Öffentlichkeitsarbeit, der Qualifizierung von Lehrpersonen, der Motivation von Lernenden und der Vernetzung aller interessierten Akteure mit dem Ziel der Kooperation dienen. Als Aktivität noch intensiviert werden sollte die Nachwuchsförderung, denn qualitativ hochstehender Deutschunterricht, der das Interesse an Deutsch zukunftsgerichtet stärkt und die Leistungen in Deutsch optimiert, basiert wesentlich auf gut aus- und fortgebildeten Lehrpersonen. Die Initiativen und Ansätze zur Deutschförderung sollten unter den Akteuren noch besser koordiniert werden, um Synergien zu schaffen, aber auch, um durch aufeinander abgestimmte Angebote bestmögliche Wirkung zu erzielen. Angebote zur Vermittlung und Förderung der deutschen Sprache müssen ihren Weg zu den Menschen finden, nicht umgekehrt. Deshalb braucht es motivierende und zumindest teilweise auch kostenlos zugängliche Angebote zum Deutschlernen, wobei digitalen Angeboten eine immer grössere Bedeutung zukommt.
These 2
International steht Deutsch heute in einem Wettbewerb der Sprachen, der regional unterschiedlich scharf akzentuiert ist. Zentral ist dabei die Frage nach einer angemessenen Position von DaF und DaZ im Rahmen der Fremdsprachenvermittlung. Gerade auch hinsichtlich dieser Frage sollten die Arbeiten sowohl des Internationalen Deutschlehrer- und Deutschlehrerinnenverbandes (IDV) als Dachverband als auch der Länderverbände weiter intensiviert werden, damit die Verbände als Ansprechpartner für politische EntscheidungsträgerInnen besser wahrgenommen und in die politischen Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Für diese Arbeiten empfiehlt sich inhaltlich die konsequente Ausrichtung auf Konzepte der Mehrsprachigkeit; organisatorisch steht die Vernetzung zwischen Verbänden unterschiedlicher (Fremd-)Sprachen im Vordergrund. Erfolgversprechend ist diese Vernetzungsarbeit besonders dann, wenn sie mit Initiativen der Deutschförderung v.a. auch im Bereich von Werbung/Öffentlichkeitsarbeit und Information von politischen und administrativen EntscheidungsträgerInnen gekoppelt wird.
These 3
Die staatlich unterstützten Mittlerorganisationen Deutschlands und Österreichs spielen in der weltweiten Förderung der deutschen Sprache und der Verbreitung kultureller Inhalte eine herausragende Rolle. Der Sprach- und Kulturförderung verpflichtet sind auch die DaF-Fachverbände, weshalb sie mit ihrer fachlichen Expertise in die Kultur-, Bildungs- und Wissenschaftspolitik der deutschsprachigen Länder einbezogen werden sollten. Im Zusammenhang mit der Bildungsglobalisierung und dem weltweiten Wettbewerb um Wissen und Märkte stellen sich politische und wirtschaftliche sowie rechts- und kulturwissenschaftliche Fragen, mit denen sich der IDV und seine Mitgliedsverbände auseinandersetzen sollten. Ebenso wichtig sind Begleitforschung und wissenschaftliche Studien, die sich mit Fragen der Wirkung der Förderung durch Mittlerorganisationen auf die (Bildungs-)Kulturen und Gesellschaften verschiedener Länder auseinandersetzen.
These 4
Die akademische Internationalisierung ist gekennzeichnet von der zunehmenden Mobilität von Studierenden und WissenschaftlerInnen, von Kooperationen im Bereich von Forschung und Publikationen und nicht zuletzt von Marketingstrategien der Hochschulen, die sich auf einem internationalen Markt positionieren. Es ist eine Tatsache, dass Englisch als lingua franca in diesen Prozessen dominiert. Gleichzeitig kommt der Entwicklung mehrsprachiger und kulturbezogener Kompetenzen in der Begegnung verschiedener Sprachen und Kulturen grösste Bedeutung zu. Neben der Förderung des Deutschen als Fach- und Wissenschaftssprache in nichtdeutschsprachigen Ländern erscheint hier z. B. die Vermittlung von Basiskenntnissen in Deutsch zur Integration der Studierenden gleichermassen von Bedeutung wie die Forderung nach rezeptiven Deutsch-Kompetenzen. Dafür sollten entsprechende Ausbildungsangebote intensiviert und curricular verankert werden. Stärker als bisher fokussiert werden sollten besonders auch innovative Ansätze zur bedürfnisorientierten Sprachförderung akademischer Lernender auf fortgeschrittenem Niveau.
These 5
Zwecks breiterer Anerkennung bedarf das DACH-Prinzip der gemeinsamen politischen Unterstützung aller deutschsprachigen Länder, explizit auch der Schweiz. Das Zusammenwirken der in diesem Bereich aktiven Akteure sollte auf internem Konsens beruhen und nach außen – für die Zielgruppe(n) – sichtbar und nachvollziehbar sein. Unterstützend wirken sollte dabei auch die vermehrte fachwissenschaftliche Beachtung des DACH-Prinzips besonders auch von bundesdeutscher Seite. Als diskursive Landeskunde basiert das DACHPrinzip auf einem offenen und dynamischen, text- und bedeutungsbezogenen Verständnis von Kultur, für das nicht Nationen oder Regionen der Bezugsrahmen sind, sondern deutschsprachige Diskurse. Um dieses diskursiv gefasste Prinzip breiter zu etablieren, sollte es fachwissenschaftlich geschärft, empirisch erforscht und methodisch-didaktisch konkretisiert werden.
These 6
Bei den Massnahmen und Organisationsformen der schulischen Erstintegration besteht eine grosse Modellvielfalt. Um diesbezüglich mehr Transparenz zu erreichen, sind umfassendere Bestandsaufnahmen der Angebote ebenso nötig wie Forschungen u.a. zur Wirksamkeit verschiedener Integrations-Modelle. Auf curricularer Ebene gilt es, den Sprachbedarf in Bezug auf das Ziel‚ ‛Teilhabe am Regelunterricht‘ zu erforschen, sodass die Curricula für Vorbereitungsklassen im Sinne eines fachsensiblen Sprachunterrichts konzipiert werden und über klare Lernziele zur Orientierung der Lehrkräfte und zur Sicherung der Unterrichtsqualität beitragen können. Zu den zentralen Elementen sämtlicher DaZ-Curricula sollte eine Mehrsprachigkeitsdidaktik gehören, die sich auch zur Rolle der Erst- und Herkunftssprachen positioniert und deren Präsenz wertschätzt. Schliesslich sollte DaZ überall dort, wo es noch nicht der Fall ist, als obligatorischer Bestandteil in der LehrerInnenausbildung aller Fächer verankert werden, um einen sprachsensiblen Fachunterricht zu garantieren. Für entsprechend qualifizierte Lehrkräfte sollten adäquate Arbeitsbedingungen geschaffen werden.
These 7
Die Unterrichtsangebote im Bereich DaZ für Migrantinnen und Migranten sind häufig zu einseitig auf die rasche Integration in den Arbeitsmarkt ausgerichtet, wohingegen individuelle Kompetenzen und Qualifikationen der Teilnehmenden oft unbeachtet und unberücksichtigt bleiben. Dies birgt das Risiko, dass Geflüchtete und Migrantinnen und Migranten nur in geringem Mass Zugang zu späterer Qualifizierung finden. Politik und Wirtschaft sollten in nachhaltige Sprachförderung investieren und auch für die Lehrenden mehr und differenzierte Ausund Weiterbildungsangebote und Arbeitsbedingungen schaffen, die denen von schulischen Bildungsinstitutionen vergleichbar sind. Die Politik steht in der Verantwortung, den Zugang zu Massnahmen der Sprachförderung niederschwellig zu gestalten und die ausreichende Verfügbarkeit entsprechender Bildungsangebote sicherzustellen. Dem Ausbau und der Evaluation digitaler Angebote kommt dabei besondere Bedeutung zu. Ebenso gilt es, eine prozessorientierte, qualitativ ausgerichtete Evaluation der Angebote sicherzustellen. Die Wissenschaft ihrerseits ist aufgerufen, der Untersuchung aktuell umgesetzter und als hilfreich verstandener Konzepte und Curricula hohe Priorität einzuräumen. Grundsätzlich ist die Kooperation zwischen (bildungs-)politischen Institutionen, Sprachanbietern, Lehrenden und Forschenden im Bereich des Deutschen als Zweitsprache und seiner Bezugswissenschaften ein wichtiges Desiderat.
These 8
Lehrpläne sollen einen Handlungsrahmen vorgeben, der Lehrkräfte dabei unterstützt, Deutschunterricht zu planen und durchzuführen, der allen Deutschlernenden mit ihren unterschiedlichen Vorkenntnissen, Bedürfnissen und Interessen gerecht wird. Von übergreifender Wichtigkeit ist es, dass Lehrpläne das mehrsprachige Repertoire der Lernenden als Ressource nutzen und dabei auch die kulturelle Dimension berücksichtigen. Lehrpläne sollen dort, wo es sinnvoll ist, von einem Mehrsprachigkeitsansatz ausgehen und Leitlinien für einen integrativen Sprachenunterricht vorgeben. Sie können dem monolingualen Habitus der Seite 6 von 7 Schule entgegenwirken, indem z.B. Gesamtsprachencurricula die Schul- oder Unterrichtssprache als Erst- und Zweitsprache, die Fremdsprachen und ebenso die Minderheitensprachen integrieren.
These 9
Die Ziele der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrenden sollten als regional differenzierte und zielgruppenspezifische Kompetenzerwartungen oder Standards formuliert werden, die eine Grundlage für Selbst- und Fremdeinschätzungen darstellen. Die Förderung der Reflexionsfähigkeit und der Selbstkompetenz müssen zentrale Bestandteile eines jeden Qualifizierungskonzeptes sein. Sprachliche Bildung, zu der auch Aufenthalte im zielsprachlichen Raum und die Auseinandersetzung mit Mehrsprachigkeit und kultureller Diversität gehören, sollte Bestandteil jeder Aus- und Weiterbildung sein. Jeder Deutschunterricht verfolgt Bildungsziele, und Lehrende haben auch in dieser Hinsicht eine hohe Verantwortung. Entsprechend sollten Qualifizierungsmassnahmen für Unterrichtende auch in Zeiten von Lehrkräftemangel grundsätzlich sehr gut fundiert sein und die bildungspolitische Dimension berücksichtigen. Für nachhaltige Qualitätssicherung ist institutionalisierte und kontinuierliche Fortbildung wesentlich.
These 10
Seit seiner Einführung im Jahr 2001 hat der GER starken Einfluss auf das Lehren, Lernen und Beurteilen von Sprachkompetenzen ausgeübt, wobei auch eine oft verkürzte, auf die Niveaubeschreibungen und Skalen beschränkte Nutzung festzustellen ist. Um zentrale Konzepte des GER wie das handlungsorientierte Sprachverständnis oder die Ausbildung individueller mehrsprachiger und plurikultureller Repertoires kontextgerecht zu nutzen, braucht es konzertierte Anstrengungen auf mehreren Ebenen. Was die Politik betrifft, sollten politische Behörden Träger von GER-bezogenen, nationalen und regionalen Curriculums-Entwicklungen sein. Der Beitrag der Wissenschaft sollte u.a. darin bestehen, die Progression der GERSkalen, auf die auch die internationalen Zertifikate bezogen sind, auf Basis von aktueller Seite 7 von 7 Spracherwerbsforschung zu untersuchen. Im Bereich der Didaktik besteht eine Hauptaufgabe darin, Lehrkräfte besonders auch mit pädagogischen Konzepten des GER wie der Aufgabenorientierung und dem reflexiven Lernen vertraut zu machen sowie kontextspezifische Nutzungen von Ressourcen des GER für die Curriculumsentwicklung aufzuzeigen. GER-basierte Lern- und Beurteilungsangebote sollten ständig weiterentwickelt und neuen Bedürfnissen angepasst werden.
Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen
These 11
Aus einer anlässlich der IDT 2017 innerhalb und ausserhalb der DACHL-Länder durchgeführten Online-Befragung zur Rolle von Forschung und Kooperation im Bereich von DaF und DaZ ergibt sich die zentrale Forderung nach mehr qualifizierter DaF- und DaZ-Forschung, die den demographischen Entwicklungen und damit einhergehenden, veränderten Lehr- und Lernbedingungen Rechnung tragen kann. Um diese Forschung leisten zu können und bei der dafür nötigen Drittmittelaquise erfolgreich(er) zu sein, braucht es v.a. Information über Unterstützungsmöglichkeiten und Hilfestellung bei der Antragsstellung. Besonders wichtig sind strukturelle Veränderungen, nämlich der Ausbau des Fachs an Hochschulen und, verbunden damit, bessere und nachhaltigere berufliche Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Des Weiteren bedarf es der Sichtbarmachung von Netzwerken und verstärkter Bemühungen um Forschungskoordination. Um das Fach DaF/DaZ weiter zu profilieren und besser zu positionieren, sollte in der Forschung eine Diskussion zu folgenden Fragen lanciert werden: Sind DaF und DaZ eigenständige Forschungsdisziplinen? Was ist das Verhältnis von Forschungen in DaF/DaZ und in Bereichen wie Fremdsprachendidaktik und second language acquisition? Zu dieser Diskussion gehört auch eine Auseinandersetzung mit sprachund erkenntnistheoretischen Positionen. Weiterhin sollte der Austausch zwischen FachwissenschaftlerInnen und PraktikerInnen gestärkt und stärker reziprok gestaltet werden, sodass in der Praxis forschungsgestützt gearbeitet und in der Forschung praxisrelevant geforscht werden kann.