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Blog #4
Über meine kulinarische Leidensgeschichte in China mit Happy End

 „Der Mensch ist, was er isst.“ (L. Feuerbach, 1850)
Essen bedeutet für mich alles. Egal, wo ich bin, ich probiere fast alles aus und denke zu jeder Tages- und Nachtzeit darüber nach, was ich als nächstes essen könnte. So kam es auch dazu, dass ich mich in meinem Auslandssemester in Istanbul heiter durch Baklava und Co. kostete und zehn Kilo zunahm.
In meiner Zeit in China wiederholte sich das allerdings nicht. Was die Gründe dafür waren, werdet ihr in diesem Blogeintrag erfahren. Ich kann nur schon so viel vorwegnehmen, dass es nicht an Hund und Katze auf dem Speiseplan lag. Dieses geläufige Vorurteil über chinesisches Essen konnte ich nicht bestätigt finden.
Vera (links) und ich in einem Food Court in Shanghai Vera (links) und ich in einem Food Court in Shanghai | © Andrea Jung Alles begann mit Dumplings zum Frühstück
Bevor ich nach China kam, war ich noch für drei Wochen in Thailand und eine Woche in Vietnam auf Reisen. Insbesondere das thailändische Essen hatte es mir angetan. So erfreute ich mich unter anderem an Papaya Salad, Padthai, Tom Kha Gai und Mango Sticky Rice.
Als dieser Urlaub vorbei war, flog ich nachts von Hanoi aus nach Guangzhou, in den Süden Chinas. Bei meiner Ankunft am Morgen des 04. Oktober 2018 betrat ich also das erste Mal chinesischen Boden und mein Hunger war riesig. Zögerlich und etwas unbedarft suchte ich mir ein kleines, nett aussehendes chinesisches Flughafenrestaurant aus. Nach Durchblättern der chinesichen Speisekarte mit Bildern wählte ich das aus, was mir am geläufigsten war: „Dumplings“ oder auf Chinesisch „Jiǎozi“.
Mein erstes Essen in China Mein erstes Essen in China | © Andrea Jung Auf erster zaghafter kulinarischer Erkundung mit einer Vegetarierin
Meine ersten Tage in China verbrachte ich in Shanghai mit meiner Mitpraktikantin Juhmanah, die Vegetarierin ist. Das war aus kulinarischer Hinsicht eine kleine Herausforderung. Denn Vegetarismus, geschweige denn Veganismus, existiert in China faktisch nicht und häufig finden sich auf einer chinesischen Speisekarte Hühnerfüße, Innereien oder auch Fleisch mit ganz viel Knochen. So hatte Juhmanah anfangs ernsthafte Schwierigkeiten, Gerichte zu finden, die ohne Fleisch und auch ohne Fischsauce waren. Ein Mal wurden ihr als vegetarische Alternative sogar „chicken noodles“ angeboten, was natürlich sehr zu meiner Unterhaltung beitrug.

  • Juhmanah (links) und ich erkunden Shanghai © Andrea Jung
    Juhmanah (links) und ich erkunden Shanghai
  • Vera (links), Laura (rechts) und ich probieren chinesischen Trinkjoghurt © Andrea Jung
    Vera (links), Laura (rechts) und ich probieren chinesischen Trinkjoghurt
Die Leiden der jungen Jung
Dass aber nun ich die größten Probleme von allen Praktikanten mit dem Essen bekäme, hätte ich nicht gedacht. Denn weder bin ich Vegetarierin – ganz im Gegenteil esse ich für mein Leben gerne Fleisch – noch bin ich kompliziert beim Essen. Vielmehr probiere ich, wie eingangs erwähnt, fast alles aus. Ein paar ausgewählte Kuriositäten, die ich auf Speisekarten in China entdeckt und zum Teil auch probiert habe, möchte ich euch gerne präsentieren.
  • Gegrillte Seepferdchen (links), Käfer (rechts) und Skorpione (oben rechts) in einem Food Court in Hangzhou © Andrea Jung
    Gegrillte Seepferdchen (links), Käfer (rechts) und Skorpione (oben rechts) in einem Food Court in Hangzhou
  • Tausendjähriges Ei in einem Restaurant in Dali © Andrea Jung
    Tausendjähriges Ei in einem Restaurant in Dali
  • Innereien © Andrea Jung
    Innereien
  • Leckerer frischer Schnitzelsalat mit Mayonnaise © Andrea Jung
    Leckerer frischer Schnitzelsalat mit Mayonnaise

Meine Leiden begannen bereits ein Monat nach Ankunft in China. Immer wieder hatte ich mit Magen- und Verdauungsproblemen zu kämpfen und das irgendwann täglich. Auch wenn ich das Essen eigentlich mochte, vertrug ich es leider nicht. Meine Vermutung ist, dass es vielleicht an dem vielen Glutamat und Fett im Essen lag.

Meine VIP-Krankenhaus Erfahrung in Peking
Als ich auf dem Zwischenseminar des Goethe-Instituts in Peking war, ging es mir aufgrund von Bauchkrämpfen und Fieber dann so schlecht, dass ich einen Tag gar nicht daran teilnehmen konnte. Das und meine Mitpraktikanten bewogen mich schließlich dazu, einen Arzt aufzusuchen. Ich wendete mich an das „Raffles Medical Beijing“.  Glücklicherweise wurde ich von Juhmanah ins Krankenhaus begleitet, wobei alles letztlich halb so wild war. Der chinesische Arzt konnte gut Englisch sprechen und die unangenehme Untersuchung wurde schnell und professionell durchgeführt. Auch konnte er mich beruhigen. Zwischenzeitlich – vor allem nach dem Austausch mit Juhmanahs Schwester, die Ärztin ist – dachte ich nämlich schon, an einer chronischen Darmentzündung zu leiden. Der Arzt in Peking meinte aber, dass ich nichts Ernstes habe und verschrieb mir Darmprobiotika. Vorgenommen habe ich mir übrigens, dass ich diese auch in Zukunft immer präventiv vor längeren Reisen oder Auslandsaufenthalten nehmen werde.
 
Zwei erneute Krankenhausbesuche in Hangzhou
Die Tabletten aus Peking haben zunächst gut geholfen. Doch als diese aufgebraucht waren, fing alles wieder von vorne an. Ich mit meiner optimistischen Natur hatte noch gedacht, dass die zweiwöchige Tabletteneinnahme ausreichend war, aber Pustekuchen. Ohne die besagten Tabletten konnte ich drei Tage am Stück nichts essen, ohne unter Magenkrämpfen zu leiden und unter Highspeed auf Toilette rennen zu müssen.
Meine Deutschlehrerin begleitete mich schließlich ins „Anchor International Health Center“ in Hangzhou. Diese im staatlichen Krankenhaus integrierte Abteilung für ausländische Patienten, wirkte mit den langen Samtvorhängen und großen Polstersofas im Wartebereich eher wie der VIP-Bereich einer Disco.
  • Das Anchor International Medical Center in Hangzhou © Andrea Jung
    Das Anchor International Medical Center in Hangzhou
  • Der luxuriöse Wartebereich für die ausländischen Patienten © Andrea Jung
    Der luxuriöse Wartebereich für die ausländischen Patienten
Leider konnte der Arzt dort nur gebrochen Englisch, sodass meine Begleitung als Übersetzerin fungierte. Zwischenzeitlich fragte ich mich, worüber die beiden so lange diskutierten. Ich kam mir vor wie eine Nebenrolle im Abend-Blockbuster, obwohl ich ja eigentlich die Hauptbetroffene war. Nun gut – mir wurde übersetzt, dass meine Entzündungswerte im Blut etwas erhöht seien und dass mir wieder dieselben Medikamente verschrieben werden.
Auch als diese Tabletten dann leer waren, ging der ganze Mist im wahrsten Sinne des Wortes von vorne los. Das erforderte einen erneuten Besuch im VIP Bereich des „Anchor Health Centers“. Diesmal war eine Ärztin da, die auch kein Englisch konnte. Amüsant war es, wie diese dann, übersetzt von der Deutschlehrerin, von mir wissen wollte, ob es meinen Emotionen zur Zeit gut ginge. Sie konnte es sich nämlich bei bestem Willen nicht erklären, warum ich seit so vielen Wochen und in meinem jungen Alter solche Probleme haben könnte.

Das ersehnte Happy End
Nachdem ich weitere zwei Wochen Probiotika und ein Darmenzym einnahm, also drei Tabletten pro Mahlzeit und neun am Tag, ging es mir endlich besser und das Essen fing wieder an, Spaß zu machen, da ich mehr als nur Brot, Reis und Banane vertrug. Endlich konnte ich mich also wieder heiter durch die chinesischen Speisekarten probieren.
Meine vier chinesischen Lieblinsgerichte (TOP 4) und meine vier Reinfälle in puncto Genuss- und Geruchsfaktor (FLOP 4) werde ich euch im Folgenden vorstellen.

Meine TOP 4
1. Pekingente: Das Besondere an der Pekingente ist, dass diese wirklich unglaublich zart schmeckt und in einen kleinen Teigfladen eingerollt wird, welcher mit Gurkenscheiben und Bohnensauce befüllt wird.
  • Pekingenten auf der Stange © Andrea Jung
    Pekingenten auf der Stange
  • Erstes Mal Pekingente © Andrea Jung
    Erstes Mal Pekingente
  • Der Koch beim Tranchieren der Ente © Andrea Jung
    Der Koch beim Tranchieren der Ente
  • Zweites Mal Pekingente © Andrea Jung
    Zweites Mal Pekingente
2. Aubergine: Aubergine in China ist einfach in allen Varianten köstlich und schmeckt ganz anders als in Deutschland.
  • Der Auberginen Stand in einem Food Court in Hangzhou, entsprechend dekoriert © Andrea Jung
    Der Auberginen Stand in einem Food Court in Hangzhou, entsprechend dekoriert
  • In Knoblauch eingelegte und gegrillte Aubergine mit hauchdünnen Glasnudeln mit Chili gewürzt © Andrea Jung
    In Knoblauch eingelegte und gegrillte Aubergine mit hauchdünnen Glasnudeln mit Chili gewürzt
  • Aubergine in Sojasauce scharf angebraten © Andrea Jung
    Aubergine in Sojasauce scharf angebraten
  • Aubergine mit Hack zubereitet (Mitte) © Andrea Jung
    Aubergine mit Hack zubereitet (Mitte)

3. Sesamnudeln oder „Wuhan Noodles“: Die Sesamnudeln, die aus der Stadt Wuhan kommen, sind ein absolutes Muss für alle Sesamliebhaber! Das erste Mal durfte ich diese durch Zufall in einem Restaurant in Peking probieren. Danach war ich immer auf der Suche nach ihnen. Leider habe ich kein Foto von dieser Köstlichkeit gemacht.
4. Hot Pot: Hot Pot ist ein ganz typisches chinesisches Essen und jeder, der nach China reist, sollte es probieren. Es ist vergleichbar mit Fondue. Fleisch, Fisch oder Gemüse werden in einer heißen, gewürzten Brühe gegart, welche in China meist scharf ist. Daher auch der Name.
  • Hot Pot in Chengdu (Sichuan Art) © Andrea Jung
    Hot Pot in Chengdu (Sichuan Art)
  • Hot Pot im Haidilao in Shanghai © Andrea Jung
    Hot Pot im Haidilao in Shanghai
  • Thai Hot Pot mit Polina (links) in Hangzhou © Andrea Jung
    Thai Hot Pot mit Polina (links) in Hangzhou
Meine FLOP 4
1. Stinke Tofu: Der Name des Flop 1 macht dem Essen alle Ehre. Wenn man auf den Straßen Chinas unterwegs ist und sich fragt, warum es plötzlich so intensiv riecht oder direkter ausgedrückt, so widerlich stinkt, dann ist meistens Stinke Tofu oder Trockenfleisch im Spiel. Das kommt leider häufiger vor, da sich diese zwei Gerichte in China einer großen Beliebtheit erfreuen.
2. Trockenfleisch: Trockenfleisch gibt es sogar an Kiosken in kleinen eingeschweißten Packungen „to go“.
3. Hühnerfüße: Einen großen Flop beim Essen erlebte ich, als ich in einem Restaurant ganz blauäugig „Chicken Salad“ bestellte und kalte Hühnerfüße serviert bekam, die in Knoblauch und Essig eingelegt waren. Da ich das Essen nicht wegwerfen wollte, bat ich es kurzerhand einem chinesischen Pärchen an. Hühnersuppe mit zu viel Szechuan Pfeffer Hühnersuppe mit zu viel Szechuan Pfeffer | © Andrea Jung
4. Gerichte mit Szechuan Pfeffer: Finger weg von zu viel Szechuan Pfeffer kann ich euch nur raten! An Heiligabend bekam ich nämlich eine Idee davon, wie dessen Wirkung ist: er lähmt die Zunge. Mein Freund stellte auch den Vergleich an, dass Gerichte mit zu viel Szechuan Pfeffer so schmecken, als würde man sich eine Batterie auf die Zunge legen. Mein Fall ist es also nicht.

 

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