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Blog #4
Einblicke in meinen Schulalltag

Fast sieben Wochen an der Schule sind mittlerweile vergangen und mehr als zwei Drittel meiner Praktikumszeit sind somit vorbei. Die Zeit vergeht tatsächlich wie im Flug und es hat sich so etwas wie ein Alltag in der Schule eingestellt, auch wenn jeder Tag spannend für mich bleibt. Ich möchte euch einen Einblick in meinen Schulalltag geben und ein paar von mir wahrgenommenen Besonderheiten im Unterricht und Schulleben beschreiben.

  • Unser Vierer-Büro (hier auch Kabinett genannt) © Alina Kropp
    Unser Vierer-Büro (hier auch Kabinett genannt)
  • Mein kleiner, aber feiner Arbeitsplatz © Alina Kropp
    Mein kleiner, aber feiner Arbeitsplatz
Zunächst einmal möchte ich sagen, dass mich vieles an der Schule in Tschechien auch an meine bisherigen Schulerfahrungen in Deutschland erinnert – von einem Kulturschock kann ich hier auf keinen Fall sprechen. Die Kleiderordnung ist eher leger und vieles ähnelt sich - im Guten wie im Schlechten. Trotzdem sind mir ein paar Dinge aufgefallen, die ich so vorher nicht kannte.

1. Gymnasialbesuch und Zählweise der Klassenstufen
Wenn die Schüler*innen in Tschechien nach der Grundschule auf ein Gymnasium gehen möchten, müssen sie eine Aufnahmeprüfung schreiben. Wer diese Aufnahmeprüfung nicht schafft, muss länger auf der Grundschule bleiben und darf es zu einem späteren Zeitpunkt wieder versuchen. Die Prüfungen empfinden viele Schüler*innen im Übrigen als einen großen Druck, wie sie mir erzählten.

Das Gymnasium in Břeclav umfasst acht verschiedene Jahrgänge. In der Primar(-stufe) beginnen die Schüler*innen, die direkt nach der fünften Grundschulklasse die Aufnahmeprüfung schaffen. Danach folgen die die Sekundar(-stufe), die Tertiar(-stufe) und die Quarter(-stufe). Im Anschluss reihen sich (Achtung es wird wieder von vorne gezählt): der erste, zweite, dritte und vierte Jahrgang ein (wobei im vierten Jahrgang die Abiturient*innen sind). Am Anfang war das ganz schön verwirrend, mittlerweile habe ich aber verstanden, dass der vierte Jahrgang und die Quarterstufe etwas anderes sind. Deutschunterricht findet von der Primarstufe bis zum vierten Jahrgang statt, wobei die Schüler*innen Sprachkompetenzen im Bereich zwischen A1 und B1/B2 haben.
Mein Stundenplan (hier sieht man die Benennung der Klassenstufen) Mein Stundenplan (hier sieht man die Benennung der Klassenstufen) | © Alina Kropp 2. Gegenseitiges Anreden
Die Lehrpersonen werden von den Schüler*innen wie auch in Deutschland in der Regel gesiezt. Andersherum gibt es jedoch die Besonderheit, dass die Schüler*innen mit allgemein anerkannten Spitznamen angesprochen werden, die durchaus ab und zu variieren. Das Namenlernen ist somit gar nicht so einfach.

Ein paar Beispiele:
Anastasia = Stasi = Staska, Markéta = Marki, Jakub = Kuba, Daniel = Dan, Viktoria = Vicky, Kateřina = Katka, Lucie = Lucka. Für meinen Namen gibt es allerdings keinen tschechischen Spitznamen, auch wenn mich wenige Schüler*innen mit Ali ansprechen.

3. Melden und Mündlichkeit
Anders als in Deutschland gibt es an der Schule keine mündlichen Noten (es können nur Pluspunkte gesammelt werden, die schriftlichen Noten sind aber deutlich wichtiger). Auch das Meldeverhalten ist verschieden. Die Schüler*innen melden sich häufig nicht von sich aus, sondern es ist üblich, dass sie einfach so von der Lehrkraft drangenommen werden. Diese Tatsache war für mich zunächst auch etwas gewöhnungsbedürftig und ich versuchte, sie durch Redeketten zu umgehen.

4. Meine Aufgaben und Rolle an der Schule
Am Freitag in der 7. Stunde im Wahlkurs mit den Abiturient*innen Am Freitag in der 7. Stunde im Wahlkurs mit den Abiturient*innen | © Zdeňka Miklínová Meine Hauptrolle an der Schule würde ich als Assistenzlehrerin bezeichnen. Ich bin in vielen Deutschunterrichtsstunden dabei und werde in einzelnen Unterrichtsphasen eingesetzt. Meistens ist auch immer eine Lehrerin dabei und mir wird stets das Gefühl gegeben, dass ich eine Bereicherung für den Unterricht bin. In keiner Stunde wird es langweilig für mich, weil mein Einsatz immer gefragt ist und ich wunderbar im Team-Teaching eingebunden werde. Ab und zu darf ich auch eine Unterrichtsstunde alleine übernehmen oder vertreten. Zu meinen Aufgaben gehören unter anderem:
  • Konversationsfragen für die Schüler*innen zum Unterrichtsbeginn
  • Vorbereitung kleiner Aktivitäten wie Vokabelfußball oder ein Quiz
  • Erstellung von Arbeitsblättern
  • Vorbereitung und Halten von kleinen Präsentationen über das Leben in Deutschland
  • Erklärung und Umschreibung von Vokabeln auf Deutsch
  • Korrektur von Aufsätzen der Lernenden
  • Vorlesen von Hörübungen
  • Durchführung von Übungen zur Verbesserung der Aussprache
  • Vorbereitung und Durchführen von Rollenspielen mit den Abiturient*innen
  • Gesprächspartnerin für die Abiturient*innen, die sich in Deutsch prüfen lassen möchten
  • Vorbereitung und Durchführung von einzelnen Unterrichtsstunden und -phasen
  • Durchführen meines (inter)kulturellen Projektes (hierzu im nächsten Blogeintrag mehr)
  • An der Schule gibt es Whiteboards, Tafeln und auch Beamer © Alina Kropp
    An der Schule gibt es Whiteboards, Tafeln und auch Beamer
  • Einladungskarten aus einer Unterrichtsstunde zum Thema Geburtstag © Alina Kropp
    Einladungskarten aus einer Unterrichtsstunde zum Thema Geburtstag
  • Polaroidbilder mit Orten aus Frankfurt - aus einer Konversationsstunde zum Thema Stadt © Alina Kropp
    Polaroidbilder mit Orten aus Frankfurt - aus einer Konversationsstunde zum Thema Stadt
Viele Lehrer*innen fragen mich auch häufig, welche Begriffe im Deutschen veraltet sind und was man stattdessen sagen kann. An wenigen Stellen kann ich auch dazu beitragen, den Wortschatz der Lehrer*innen zu erweitern.

Meine Aufgaben sind sehr abwechslungsreich und je nach Lehrkraft, die ich begleite, variieren sie. Meistens spreche ich mit ihnen vorher ab, was ich für die nächste Unterrichtsstunde vorbereiten kann. Ich fühle mich wirklich sehr gut betreut und aufgehoben und freue mich jeden Tag auf die Schule. Eine große Bereicherung sind für mich die Einblicke in den Deutsch als Fremdsprache-Unterricht, der mir viele Ideen für einen sprachsensiblen Fachunterricht in Deutschland ermöglicht. Ebenso wächst in mir die Idee, später zu dem Mathematik- und Deutschunterricht zusätzlich Deutsch als Zweitsprache unterrichten zu wollen.

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