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Blog #3
Min första dag på skolan.

Zwar ohne Zuckertüte, dafür aber mit einem ganzen Rucksack voller Vorfreude radelte ich am Montagmorgen gegen 07.30 Uhr in Richtung meines Gymnasiums. Um ein möglichst gutes Bild abzugeben, hatte ich am Sonntagabend noch einen Kuchen für meine neuen Kolleg*innen gebacken, den ich vor der ersten Stunde im Fika-Raum (dazu dann im nächsten Blog) verteilt hatte. Mein Talent in der Küche ist zugegeben relativ begrenzt, weswegen ich umso stolzer auf das Endergebnis war. Sicherlich war dann auch nicht alles perfekt, ich habe aber alles gegeben.

  • Teigmasse © Stefan Zielasko
  • Das Endprodukt – ein Buttermilchkuchen © Stefan Zielasko
    Das Endprodukt – ein Buttermilchkuchen
Das digitale Klassenzimmer
 
In den ersten Englischstunden ergab sich dann das überraschende Bild, dass alle Lernenden ausschließlich digital arbeiten. Die Schule nutzt beispielsweise Google Classroom, um mit den Schüler*innen vorab zu kommunizieren und den jeweiligen Unterricht zu organisieren. Das klingt zunächst traumhaft schön, ist aber – auf Basis meiner Beobachtungen – auch mit einigen Nachteilen verbunden. Beispielsweise kann die Lehrkraft während des Unterrichts nicht permanent kontrollieren, ob die Schüler*innen aufmerkam den Unterricht verfolgen oder welche Homepage sie gerade besuchen. Bereits nach der ersten Stunde konnte ich aber feststellen: Facebook und Youtube sind auch während des Unterrichts sehr beliebt, was man aber auch nicht einfach pauschal verurteilen sollte. Ich selber hätte (und habe) nicht anders gehandelt, wann immer mir die Möglichkeit der freien Internetnutzung während des Unterrichts zur Verfügung stand. Vermutlich muss man damit in Schweden leben und auf die Kooperation der Klasse setzen, denn: Sobald den Schüler*innen Lernaufträge erteilt werden, arbeiten sie zumeist konzentriert und selbstständig. Festzuhalten ist also an dieser Stelle, dass die Lernenden zu jedweder Zeit das Internet benutzen können. Gerade deswegen hat mich zusätzlich irritiert, dass alle Schüler*innen vor Beginn des Unterrichts ihr Handy in einer Handybox abgeben müssen (welche ausschließlich für diesen Zweck angefertigt wurde). Das ist jedoch schulspezifisch und jede Schule handhabt diesen Vorgang anders. Wenn das Ziel also sein soll, die Lernenden von der Nutzung von Social Media während des Unterrichts abzuhalten, wieso ist es ihnen dann gestattet, über den Laptop sämtliche Angebote zu nutzen?! Eine Antwort habe ich dafür noch nicht gefunden; an sich ist das schon ein ziemlicher Widerspruch in meinen Augen.
Sehr auffällig ist außerdem, dass Hierarchien im schwedischen Schulsystem nur in geringem Ausmaß existieren. Die Zusammenarbeit erscheint kollegialer und kooperativer. Alle Lehrkräfte werden von den Schüler*innen geduzt, was aber auch auf die generelle “Du-Präferenz” der Schwed*innen zurückzuführen ist. Letztlich empfinde ich den gesamten Umgang untereinander, sowohl zwischen den Lehrkräften selbst als auch zwischen Lehrer*in und Schüler*in, als wesentlich entspannter und weniger fixiert.
 
Lernen = Geld verdienen
 
Das schwedische Gymnasium ist nicht deckungsgleich mit dem deutschen. In Schweden besuchen nur die 16 – 19-jährigen, also die Klassen 10-12, das Gymnasium. Alle Kinder und Jugendlichen lernen bis zur 9. Klasse zusammen und können schließlich zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen. Der Abschluss am Gymnasium befähigt dann wie auch in Deutschland zum Studium. Ab Eintritt in das schwedische Gymnasium, also die deutsche Oberstufe, erhalten alle Lernenden eine monatliche Zahlung von umgerechnet in etwa 200 Euro. Geldgeber ist hierbei der schwedische Staat. Die schwedische Regierung ist sehr daran interessiert, allen Kindern das gleiche Recht auf Bildung zu ermöglichen und versucht den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg zu reduzieren. Unter anderem damit ist auch der vergleichsweise hohe Anteil an Schüler*innen zu erklären, die das Abitur in Schweden ablegen (ca. 80 %). All das hat mich nun nur noch neugieriger auf einen vom deutschen System doch sehr unterschiedlichen Ansatz gemacht!
 
Ha det så bra!
 
Stefan

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