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Nordamerika
Gestaltung der Vergangenheit

Ada Pinkston, LandMarked, Performance-Serie. | Foto: Chris Chapa
Ada Pinkston, LandMarked, Performance-Serie. | Foto: Chris Chapa

Um Orte des Gedenkens wie Statuen oder Denkmäler sind besonders in den USA zuletzt konfliktreiche Debatten entbrannt. Das Goethe-Institut bringt nun gemeinsam mit dem Monument Lab in Philadelphia und der Bundeszentrale für politische Bildung Akteur*innen aus Kanada, Mexiko, den USA und Deutschland zusammen, die sich für innovative Formen der Erinnerungskultur einsetzen. Das Projekt „Gestaltung der Vergangenheit“ umfasst Kunstaktionen und weitere Veranstaltungen, darunter eine öffentliche digitale Konferenz vom 8. bis 10. Oktober.
 
Los Angeles, Chicago, Mexiko City, Toronto, u. v. m.
Ab Oktober 2020

An Denkmälern, Statuen oder Straßennamen wird sichtbar, welche Lesarten von Geschichte dominieren – und welche Narrative ausgeblendet oder marginalisiert bleiben. In den USA sind darüber im Zuge der „Black Lives Matter“-Proteste jüngst heftige Konflikte entstanden und öffentlich ausgetragen worden, vielerorts wurden etwa Statuen von Christoph Kolumbus gestürzt oder von offizieller Seite demontiert. Aber auch in Deutschland ist das Thema virulent: in Berlin beispielsweise gibt es seit Jahren Debatten um Straßennamen im sogenannten afrikanischen Viertel, die Kolonialgeschichte fortschreiben.
 
Mit dem Projekt „Gestaltung der Vergangenheit“ bringen die Goethe-Institute in Nordamerika jetzt Künstler*innen, Kulturvermittler*innen und Aktivist*innen von beiden Seiten des Atlantiks zusammen, die nach antirassistischen und antikolonialistischen Perspektiven in der Erinnerungskultur suchen. Beteiligt sind daran auch das Monument Lab – ein in Philadelphia ansässiges Künstler*innenkollektiv – sowie die Bundeszentrale für politische Bildung und 1014 – space for ideas, New York.

Innovative, künstlerisch-aktivistische Erinnerungsarbeit 

Im Zentrum des Projekts stehen 18 Fellows, die unter 100 Bewerber*innen aus Nordamerika und Deutschland ausgewählt wurden. Sie alle sind in ihren jeweiligen lokalen Gemeinschaften als „Erinnerungs-Arbeiter*innen“ an der Schnittstelle von Kunst und Aktivismus tätig und werden in einem „Memory Month“ vom 10. Oktober bis Mitte November 2020 gemeinsam mit den lokalen Goethe-Instituten Debatten organisieren und einzelne künstlerische Projekte umsetzen.
 
Dazu zählt etwa Free Egunfemi Bangura, eine Geschichtsstrategin und Social Entrepreneurin aus Richmond, Virginia. In ihrem interaktiven Straßenkunstprojekt „Black Monument Avenue“ lässt sie im mehrheitlich von Schwarzen bewohnten Highland Park Erinnerungskultur lebendig werden. In einer Art Freilichtmuseum feiern großformatige Installationen mit afrikanischen Mustern und Textausschnitten die wiedergewonnene Erinnerungskultur und ehren die Vorfahren. Zu jeder Installation können über eine spezielle Telefonnummer Lieder, Gedichte und Geschichten angehört werden.
 
Ein weiterer Fellow, Quentin VerCetty Lindsay, leitet für sein Projekt „Missing Black Technofossil Here“ geführte Spaziergänge sowie Workshops in Montreal und Toronto an und thematisiert den Mangel an Denkmälern für Afroamerikaner*innen in Kanada. Er verwendet Augmented Reality, digitale 3D-Kunst und Druck, um imaginäre Denkmäler für lokale schwarze Persönlichkeiten Kanadas der Vergangenheit und Gegenwart in futuristischen Gemeinschaftsorten auszustellen. Gerade wurde er von der Stadt Toronto mit einer Skulptur zu Ehren von Joshua Glover beauftragt, der Mitte des 19. Jahrhunderts der Sklaverei in den USA entkam. Ada Pinkston, Künstlerin und Dozentin aus Baltimore, ebenfalls Fellow im Projekt, erkundet in ihrer Arbeit „Landmarked“ mögliche Umwidmungen der leeren Sockel von abmontierten Konföderierten-Denkmälern. In bildstarken Performances hinterfragt sie individuelles und kollektives Verhalten gegenüber Monumenten.

Virtuelle Ortserkundungen

„Gestaltung der Vergangenheit“ umfasst auch diskursive Veranstaltungen: Vom 8. bis 10. Oktober findet als Auftakt eine öffentliche, virtuelle Konferenz („Town Hall“) mit Diskussionen zwischen jeweils zwei Gästen und Videopräsentationen der Fellows statt. Die Keynote-Gespräche behandeln die Themen „Memory, Trauma & Transformation“, „Art, Activism & Public Space“ und „Curating Memory & Justice“. Gäste sind u. a. die Künstler Cannupa Hanska Luger und Paul Ramirez Jonas, die Kuratorin Jasmine Wahi, die Neurowissenschaftlerin Daniela Schiller, die Architektin und Wissenschaftlerin Marbel Wilson und die Historikerin Mirjam Zadoff.
 
Von Oktober an werden außerdem in Kooperation mit dem Thomas Mann House Los Angeles in der Reihe „Counter-Memories“ Künstler*innen, Aktivist*innen und Intellektuelle aus den USA, Deutschland und weiteren Ländern miteinander ins Gespräch gebracht. Jeweils ein spezifischer Ort, der geschichtlich neu verstanden werden soll, wird im gemeinsamen Videocall über historische Bilder, Kurzfilme oder virtuelle Rundgänge mittels Online-Kartendiensten erkundet. Kurze performative Lesungen und Interventionen ergänzen die Dialoge.
 
2021 wird das Projekt „Gestaltung der Vergangenheit“ mit einer Ausstellung in Nordamerika und Deutschland fortgesetzt. Die Bundeszentrale für politische Bildung gibt eine dazugehörige Publikation heraus. Das Webdossier des Projekts unter www.goethe.de/shapingthepast versammelt alle Informationen zum Projekt und den Fellows sowie die entstehenden Beiträge zum Thema Vergangenheitsaufarbeitung und alternativer Ansätze des Erinnerns.
 
Das Projekt „Gestaltung der Vergangenheit“ („Shaping the Past“) ist eine Kooperation des Goethe-Instituts, des Monument Lab und der Bundeszentrale für politische Bildung und bringt Akteur*innen aus Kanada, Mexiko, den USA und Deutschland zusammen, die innovative Wege der Erinnerungskultur in ihrem jeweiligen lokalen Kontext beschreiten.

Kontakt

Lena Jöhnk
Regionale Leitung der kulturellen
Programmarbeit in Nordamerika
Goethe-Institut Washington
Tel.: +1 (202) 568 5660
lena.joehnk@goethe.de
 
Viola Noll
Stv. Pressesprecherin
Goethe-Institut
Hauptstadtbüro
Tel.: +49 30 25906 471
noll@goethe.de

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