Günter Grass Ausstellung „Hinterm letzten Hügel das Meer“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Claudia Hahn-Raabe, Institutsleiterin des Goethe-Instituts Lissabon
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Claudia Hahn-Raabe, Institutsleiterin des Goethe-Instituts Lissabon | Foto: Bundesregierung/Steffen Kugler

Mit Portugal verband Günter Grass ein Verhältnis besonderer Nähe. Die Wanderausstellung „Encontros” zeigt Werke, die aus den Begegnungen mit den Menschen und der Natur des Landes hervorgegangen sind. Die Ausstellung in Porto, die in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut entstanden ist, besuchte auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. 

„Mein Luxus heißt: Die eigene Zitrone zum Tee. In Portugal steht ein Bäumchen, das mir im Winter gefällig wird”, schreibt Grass 1997 in den „Fundsachen für Nichtleser”. In den farblosen deutschen Wintermonaten zog es ihn mit seiner Frau Ute in ihr von Agaven und Kakteen gesäumtes Haus im Hinterland der Algarve. Die Lebendigkeit der Natur, verbunden mit der produktiven Ruhe ihres Refugiums, die kulinarische Fülle und nicht zuletzt die Nähe zum Meer, jenem Ort der stetigen Suche, sind nur Teile einer vielschichtigen Beziehung. Auf Einladung des Goethe-Instituts war Grass 1976, zwei Jahre nach der Nelkenrevolution, erstmals zu einer Debatte nach Portugal gereist und nahm von da an aktiv am portugiesischen Kulturleben teil. Mit José Saramago, der ein Jahr vor ihm den Literaturnobelpreis erhielt, verband ihn eine enge Freundschaft.

Frank-Walter Steinmeier and the Portuguese President Marcelo Rebelo de Sousa admire a self-portrait of Günter Grass. Frank-Walter Steinmeier and the Portuguese President Marcelo Rebelo de Sousa admire a self-portrait of Günter Grass. | Photo: Bundesregierung/Steffen Kugler In Nachbarschaft zu seinem Haus wurde die Ausstellung zunächst im Museum von Portimão gezeigt. Im Anschluss eröffnete sie nun am 2. März in der Casa Museu Guerra Junqueiro in Porto. Auf den zwei Stockwerken des Museums entsteht in Aquarellen, Radierungen und Plastiken ein Bild davon, wie Grass Portugal erlebte, wie das Land seine Arbeit prägte und förderte. Neben Fundsachen und Pflanzen fällt in seinen Werken immer wieder die Begegnung von Land und Meer ins Auge: der Fisch, den der begeisterte Koch vor oder nach dem Verzehr malte, eine gestrandete Muschel, Federn, die über dem Meer schweben. Grass zeichnete unter anderem mit Sepiatinte, die er selbst extrahierte und deren Langlebigkeit und ausdrucksstarke Farbe ihn begeisterten. 

Bundespräsident Steinmeier besucht die Ausstellung

Noch vor der Eröffnung besucht Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier „Encontros“ im Rahmen eines Staatsbesuchs gemeinsam mit seinem portugiesischen Amtskollegen Marcelo Rebelo de Sousa. Claudia Hahn-Raabe (Goethe-Institut Portugal) und Hilke Ohsoling (Günter und Ute Grass Stiftung) führen durch die Ausstellung; das Gespräch dreht sich bald nicht nur um die ausgestellten Werke, sondern auch um die Anerkennung, die Grass als zeitweiliger Mitbürger und insbesondere als Schriftsteller in Portugal fand.
Am Abend folgt die feierliche Eröffnung, zu der sich auch Weggefährten wie die Schriftsteller Tilman Spengler und Katja Lange-Müller und die Übersetzerin Helena Topa eingefunden haben. Gemeinsam lesen sie Gedichte aus den „Fundsachen”, die eigens für die Ausstellung erstmals ins Portugiesische übersetzt wurden.

„Bronze Skulpturen „Kleines Huhn“ (1951), „Mädchen mit Apfel“ (1950) und „Butt mit Griff II“ (1982) von Günter Grass „Bronze Skulpturen „Kleines Huhn“ (1951), „Mädchen mit Apfel“ (1950) und „Butt mit Griff II“ (1982) von Günter Grass | Foto: Bundesregierung/Steffen Kugler

Fundsachen in Schrift und Bild

Der Grafiker Arne Kaiser, der für das Ausstellungsdesign verantwortlich zeichnet, erklärt, es sei eines der Ziele der Ausstellung gewesen, das stetige Zusammenspiel von Schrift und Bild in Grass’ Werk herauszuarbeiten. Diese Einheit wird auch an den ausgestellten Buchausgaben deutlich, für die der Autor regelmäßig auch Grafiker war.

In Porto, weit entfernt von Almancil, wo Grass regelmäßig ausstellte, scheint tatsächlich vor allem der Schriftsteller Günter Grass bekannt zu sein. Manch ein Besucher zeigt sich überrascht von der künstlerischen Vielfalt der Werke und der Nähe zur eigenen Lebensrealität: Der Zitronenbaum im Garten ist auch für viele in der nordportugiesischen Großstadt ihr kleiner Luxus im Alltag.