Im
Internet kann man eine ganze Menge
suchen: Webseiten, Bilder, Musikstücke, Zeitungsartikel, E-Mail-Adressen,
News-Groups, Freunde und sogar den Partner fürs Leben.
Damit die Suche auch mehr Spaß und Ergebnisse bringt, gibt es
jetzt die vierteilige Serie "Suchmaschinen im Internet".
Teil
I: Interview mit Excite
Die
Firma
Der Agent
Suchen und Finden
Menschen und Maschinen
Die Zukunft
Evan Rudowski
hat schon als kleiner Junge seine eigenen Zeitungen gebastelt. Dann
ist er mit dem Fahrrad durch die Nachbarschaft gefahren, um sie
zu verkaufen. Inzwischen ist er "Leitender Direktor Excite
International" und bastelt immer noch Zeitungen. Denn Excite
ist nämlich gar keine Suchmaschine sondern eine Zeitung (www.excite.de)
(englischsprachige Version www.excite.com) - sagt Evan. Konstantin
von Unger ist Manager bei Excite und kümmert sich um die Geschäftsbeziehungen.
Beide wollen die Suchmaschine Excite zur Nummer 1 in Deutschland
machen. Excite kommt von exciting, das heißt aufregend. Aber was
soll an einer Suchmaschine so aufregend sein?
Die Firma
Was bedeutet
eigentlich das kleine Männchen in eurem Logo?
Konstantin: Wir nennen es "the Little Excite Person".
Kurz LEP.
Evan: Wir haben auch so ein Kostüm in London. Ich habe es
allerdings noch nicht anprobiert...
Und was hat es mit den vier Strichen auf sich?
Evan: Genau genommen gar nichts.
Konstantin: Für mich hat es immer so ausgeschaut, als ob
als das Männchen sehr aufgeregt ins Bild springt.
Was ist denn beim Benutzen einer Suchmaschine so aufregend?
Evan: Wir sind natürlich davon überzeugt,
dass Excite aufregend ist. Wir sind eine Medien-Firma, eine Internet-Zeitung
und ein Online-Service. Wir bieten Unterhaltung, Spiele, Gratis-E-Mail-Accounts,
Chat und Schwarze Bretter. Außerdem schneidern wir unseren Service
individuell zu - mit "My Excite". Damit kann man sich
Nachrichten, Fernsehprogramme, das lokale Wetter und Aktienkurse
zusammenstellen lassen.
Der Agent
So ein persönlicher
News-Agent wie "My Excite" muss auch mit Informationen
über persönliche Vorlieben und Neigungen gefüttert werden. Vor einigen
Wochen wurde eine Sicherheitslücke in My Excite bekannt...
Evan: Ein User,
der den selben PC benutzte wie sein Kollege, bekam dessen persönliche
MyExcite Seite zu sehen. Wem das wirklich etwas ausmacht, kann das
verhindern, indem er auf Abmelden klickt, wenn er fertig ist. Der
User, der die fremde Seite sah, hat nur den Wetterbericht und die
Lieblingssendungen des Vorgängers zu Gesicht
bekommen. Also nicht das persönliche Vorstrafenregister oder den
Mädchennamen seiner Mutter...
Man könnte auch den Terminkalender, und das persönliche Aktienportfolio
sehen.
Evan: Dieser Terminkalender ist ja auch nicht für persönliche
Daten gedacht, sondern nur ein elektronischer Erinnerungsservice.
Auch das Aktienportfolio ist nur eine Auswahl von Aktien-Kursen
die den User interessieren und lässt keine Rückschlüsse auf den
Geldbeutel zu. Es ist also alles halb
so wild.
Suchen und Finden
Im Internet gibt
es nach neusten Schätzungen über 320 Millionen Internetseiten. Wie
viele Web-Seiten umfasst der Index bei Excite?
Evan: Unsere Suchmaschine kennt im Augenblick etwa 50 Millionen
verschiedene Seiten. Der thematische Katalog, der von Leuten, die
bei uns fürs Surfen bezahlt werden, zusammengestellt wird, enthält
etwa fünf- bis zehntausend verschiedene Sites.
Constantin: Bei der deutschen Version von Excite gibt es
gut hunderttausend deutschsprachige Sites. Der Katalog besteht aus
über dreitausend Links, die mit einem Kommentar versehen sind.
Suchmaschinen sind ziemlich dumm. Manchmal gibt man einen Begriff
ein, und die Suchmaschine liefert etwas ganz anderes. Ist ihnen
das auch schon mal passiert?
Constantin: In England sind Leute, die das Chelsea Fußballteam
gesucht haben, auf einer Seite über Chelsea Clinton gelandet.
Evan: Das Web ist wie ein riesiges synaptisches Netzwerk.
Da kann man nie wissen, wo man rauskommt. Manche Leute suchen etwas
ganz bestimmtes. Aber es kann auch Spaß machen, ziellos durchs Web
zu surfen, und dem
Zufall das Ruder zu überlassen. Es ist lustig zu sehen,
nach welchen Begriffen die Leute teilweise suchen. Bei der Suchmaschine
Webcrawler, die auch zu Excite gehört, gibt es in der Fun-Sparte
einen Such- Ticker, der anzeigt, welche Suchbegriffe gerade eingegeben
werden.
Wenn ich bei Excite einen bestimmten Suchbegriff eingebe, zum
Beispiel "Pamela Anderson", bekomme ich eine ganze Liste
von Links. Wie viel muss ich Ihnen zahlen um die Nummer eins bei
Pamela Anderson zu werden?
Evan: Wir verkaufen keine Listenplätze. Bei uns wird die
Reihenfolge danach bestimmt, wie relevant eine Seite für den Benutzer
ist. Und jeder sucht schließlich etwas anderes. Manche interessieren
sich für "Pamela Anderson mit Badeanzug" andere wollen
lieber "Pamela Anderson ohne Badeanzug" sehen. Wir können
nicht vorhersehen, was die Benutzer fragen werden und können daher
auch die Ergebnisse nicht nach einem einzigen Schema sortieren.
Die Liste wird also bei jeder Such-Anfrage individuell erstellt?
Evan: Genau. Unsere Suche basiert auf
Begriffsfeldern. Wenn man einen Suchbegriff eingibt, prüft Excite,
ob die Seiten diesen oder verwandte Begriffe enthalten, und ordnet
sie dann nach Relevanz. Die Relevanz wird dann sogar in Prozent
angezeigt - 99% bedeuten, dass man mit Sicherheit einen Treffer
gelandet hat, Bei 60% vielleicht einen Glückstreffer Das wird alles
von einem Computerprogramm erledigt
Aber wenn man das Bewertungssystem durchschaut hat kann man es
doch austricksen, oder? Ich könnte doch einen Ködertext für die
Suchmaschine einbauen, der mich auf Platz eins der Liste befördert.
Evan: Wir nennen diese Tricks "wordstuffing". Wir
kennen all die Kniffe
ziemlich gut. Wenn wir so eine Seite finden, wird sie ganz aus der
Liste entfernt. Aber es kann natürlich immer vorkommen, dass sich
jemand einen neuen Trick ausdenkt, an den wir zuvor einfach nicht
gedacht haben.
Menschen und Maschinen
Den ganzen Tag
im Internet surfen und auch noch Geld dafür bekommen - so stellt
man sich die Arbeit bei einer Suchmaschine vor.
Evan: Die meiste Surf-Arbeit wird von "Spiders"
erledigt, das sind Programme, die das Netz automatisch nach Webseiten
durchsuchen. Das Konfigurieren und Warten dieser Spiders, und der
Index-Tabellen, die von ihnen generiert werden wird von Menschen
erledigt. Das ist eine sehr technische Arbeit für Ingenieure, Programmierer
und Netzwerkspezialisten.
Wir haben aber auch ein paar Leute, die viel im Internet surfen,
und gute Webseiten auswählen. Das sind dann die "Softproducers",
die verschiedene Informationskanäle wie den Unterhaltungs- oder
den Reisekanal betreiben. Und es gibt natürlich auch eine Menge
Business-Jobs. Inzwischen gibt es ja richtige
Wirtschaftsmodelle fürs Internet.
Und wie sieht es mit der Bezahlung für Websurfer aus?
Konstantin: Das lässt sich gar nicht genau sagen. Ein Teil
der Löhne wird nämlich in Form von Excite-Aktien ausgegeben. Wenn
das Unternehmen erfolgreich ist und die Aktien steigen, ist das
ein gutes Geschäft.
Wie verdient Excite das Geld mit dem die Angestellten bezahlt
werden?
Evan: Mit Werbung. Werbung im Internet funktioniert natürlich
ein bisschen anders als TV- oder Print-Werbung - viel interaktiver.
Wir stellen eine direkte Verbindung zwischen Kunden und Anbieter
her.
Wir schreiben
noch keine schwarzen Zahlen. Das ist allerdings auch
nicht ungewöhnlich für Internet-Firmen.
Die Zukunft
Noch immer muss
man sich mit Operatoren wie 'UND','ODER' '+' und '-' abmühen, wenn
man eine Frage hat. Wann werden die Suchmaschinen endlich hochdeutsch
verstehen?
Evan: Das Problem ist nicht die Sprache, sondern auszudrücken,
wonach man wirklich sucht. Je genauer man beschreibt was man will,
desto treffender fallen die Ergebnisse aus. Die meisten geben aber
nur ein oder zwei Wörter ein.
Constantin (lacht) So eine Art Kabelverbindung direkt ins
Hirn wäre praktisch. Bis es das gibt, bieten wir auch Suchvorschläge.
Das sind Links zu verwandten Themen. Außerdem gibt es Suchtips für
Leute, die nicht wissen, wie man mit Operatoren umgeht.
Wie sieht die Suchmaschine der Zukunft aus?
Evan: Ich glaube, dass das Internet in seiner jetzigen Form
als separate Einheit verschwinden wird, dass wir alle vernetzt sein
werden. Unsere Fernseher, Autos und Kühlschränke werden durch ein
unsichtbares Netz verbunden sein. Und man wird über seine Fernbedienung
oder das Handy oder das Armaturenbrett im Auto immer zum richtigen
Zeitpunkt die richtige Information abrufen können.
Wenn alles vernetzt ist, also selbst die Brille, dann müsste
man zu Excite nur noch sagen: "Wo ist meine Brille?"
Constantin: Genau.
Aber noch sind wir nicht so weit. Wenn Sie heute Abend ihre Brille
tatsächlich nicht mehr finden, wen fragen sie dann?
Constantin: Ich benutze My Excite. Das ist meine persönliche
Suchmaschine.
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