Stephan Berg

Kuratorisches Statement

Meine kuratorische Arbeit ist grundsätzlich vom Primat der künstlerischen Arbeit geleitet. Daraus ergibt sich ein induktives kuratorisches Verfahren, das seine Fragestellungen aus dem vertieften Verstehen und dem Nachvollzug der jeweiligen künstlerischen Positionen entwickelt und nicht aus einer abstrakten theoretischen Disposition heraus, die an die Künstler und ihre Werke „von außen“ herangetragen wird.

Damit ist weder Diskursfeindlichkeit, noch naive Emphase für eine scheinbar aus sich selbst heraus verständliche Eigenlogik des Kunstwerks gemeint. Es geht vielmehr um einen Balanceakt, nämlich darum, die Sprachfähigkeit eines künstlerischen Werks nicht als beliebige Illustrationsmasse zu missbrauchen, ohne andererseits seine Kontextualisierungszusammenhänge zu unterschlagen. Im Idealfall führen so die Fragen, die sich aus dem Werk selbst ergeben, zu einer Darstellung und interpretativen Auslegung, in der das Werk in seiner Eigentlichkeit zugleich seine Anbindungsfähigkeit in andere – immer auch – außerkünstlerische Bereiche offenbart.

Das so sich manifestierende Nachdenken über die u.a. gesellschaftliche, politische, ökonomische, soziale, psychologische Relevanz einer in ihrer Eigen-Tümlichkeit ernst genommenen künstlerischen Sprache dient als kuratorischer Rahmen für meine Projekte, die von einem starken Interesse an künstlerischen Hybridisierungen und gattungs-, wie medienbezogenen Grenzüberschreitungen geleitet sind. In diesem Kontext sind beispielsweise thematische Ausstellungen zu der Frage der Verbindung zwischen Skulptur, Architektur und Modell (Archisculptures 2001), zum Zusammenhang von Bühne, Theater und Kunst (On Stage 2003) oder monografische Präsentationen mit Peter Kogler (2004), Nedko Solakov (2008), Julian Rosefeldt (2009), Erwin Wurm (2009) zu sehen.

Ein zentrales Interesse gilt überdies der Entwicklung der Malerei und Fotografie im Sinne einer übergeordneten Fragestellung nach Bildpräsentation und -repräsentation und einer Untersuchung dessen, was Bildlichkeit unter den Bedingungen des iconic turns heute bedeuten kann. Als zentrale Projekte seien hier beispielhaft Ausstellungen mit Thomas Demand (1998), David Reed (2002), Naoya Hatakeyama (2002), Luc Tuymans (2003), Walter Niedermayr (2003), Corinne Wasmuht (2006), Jörg Sasse (2006), Julie Mehretu (2007) oder Albert Oehlen (2012) genannt.

(Stephan Berg, 2012)

Stephan Berg 2006, Copyright: Kunstverein Hannover
Stephan Berg
Direktor | Kunstmuseum Bonn

Schlagworte
Gegenwartskunst
Malerei
Skulptur
Installation
Architektur/Raum
Design, Mode

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