Anke Hoffmann

Kuratorisches Statement

Ausstellungsprojekte sind zunächst ästhetische und individuell erfahrbare Erlebnisse, in denen sich über die Wahrnehmung von Identifikation und Differenz Haltungen ergeben. Darüber hinaus ist mir besonders wichtig, dass sich aus der Zusammensetzung mehrerer Positionen in Ausstellungen Spannungen sichtbar machen und – in ihrer individuellen, durch den Ausstellungsort bedingten Präsentation – erzeugen lassen.

In meiner kuratorischen Arbeit beschäftige ich mich (in thematischen Gruppenausstellungen) mit aktuellen Themen, die sich aus den sozialen, kulturellen, historischen oder ökonomischen Zusammenhängen unserer politischen Welt-Gegenwart ergeben. Dazu gehör(t)en Themen wie die Entertainisierung aller gesellschaftlichen Lebensbereiche, mediale Wahrnehmungsversprechen und ihre ‚Auflösung’, die Rolle von Religion und Glaubenssystemen heute oder das Vergessen als Methode im Umgang mit Geschichte. Dabei verstehe ich sowohl die kuratorische Praxis des Formulierens, Auswählens und Vermittelns sowie die künstlerische Praxis selbst als Versuche, sich diese Gegenwart anzueignen und über Positionierungen und Gestaltungsentwürfe miteinander ins Gespräch zu kommen. Kuratorische Arbeit schafft daher wiederholt Arenen der ästhetischen Weltreflektion und eine Plattform des Austauschs und des Dialoges darüber – in der Absicht ein Gefühl der Teilhabe zu erzeugen.

Die künstlerischen Formate werden dabei bewusst vielfältig gewählt: Fotografie und Skulptur, Film- und Videokunst, computerbasierte Medien-Kunst und Installationen, Performance und Sound Art, sowie die Arbeit in und mit dem Raum. Das Miteinander von verschiedenen Formaten steht nicht nur für eine gelungene Ausstellung, sondern unterstreicht auch die Gleichberechtigung der Formate im Kontext von künstlerisch-gesellschaftlicher Auseinandersetzung.

Das kuratorische Kollektiv ist mir als strukturelle Form des Arbeitens ein Bedürfnis geworden, wie ich es in der Arbeit bei der transmediale, der NGBK oder der Werkleitz-Biennale erfahren habe. Der Austausch im kollaborativen Miteinander ist mir als kuratorische Praxis des Hinterfragens und sich Positionierens ein Ansatz, der systemrelevante, kritische Fragen nach Hierarchien und Produktionsbedingungen von Kunst und Kultur aus sich heraus mit bedingt und thematisiert.

(Anke Hoffmann, 2009)

Anke Hoffmann 2009, Copyright: Fotograf
Anke Hoffmann
Kuratorin | Shedhalle Zürich

Schlagworte
Gegenwartskunst
Film/Video
Medienkunst
Interdisziplinäre Projekte

Kontakt:
Anke Hoffmann
Institution: