Statement

Statement

Zum Wunsch, Architektur zu studieren, haben mich zwei frühe Erlebnisse geführt: eine Klassenfahrt zum Centre Georges Pompidou in Paris (eine Pop-Factory mit Kunst statt Arbeitern!) und eine Ausstellung über das Bauhaus, die ich in den späten 80er Jahren sah. Die ersten Begegnungen mit Architektur hatten so von Anfang an mit Kunst und Ausstellungshäusern zu tun. So schloss ich Jahre später auch mein Studium mit einer Reflexion über die Aneignung von Kunst durch Architekten und die Verwendung von Architektur durch Künstler sowie einem Entwurf für ein Zentrum für zeitgenössische Kunst ab.

An einer Architekturhochschule beschäftigt man sich nicht nur mit Raum und Gelände, sondern entwickelt auch ein Verständnis für die Vorstellungen der Auftraggeber. In diesem Sinne ist Häuserbauen wie Ausstellungmachen: man bedenkt Geschichte, Publikum, Theorie, Form, Funktion, Finanzen. Daraus entsteht eine für den jeweiligen Zusammenhang passende, also auf die Gegebenheiten zugeschnittene Antwort. So habe ich etwa ein leeres Museum (4.500 m²) wie einen 20 m² großen Projektraum kuratiert und auch die Werkauswahl reflektiert jeweils die gegebene Situation. Vor einigen Jahren wurde ich z.B. vom artist-run space Autocenter angefragt, eine Ausstellung zusammenzustellen. Anstatt Künstler ihre Werke anliefern zu lassen, lud ich sie ein, etwas vor Ort zu entwickeln und gründete, zunächst als ironische Geste, eine Sommerakademie. Diese wird nun von einem anderen Team weitergeführt, verdeutlicht aber meinen kuratorischen Zugang: Dieser kann sich durchaus auch als Magazin manifestieren, als Radiosendung oder als Tisch mit kulturellen Artefakten, die die Besucher lesen oder anfassen können. Als Kurator bin ich an Fotografie, Architektur, Design und neuen Medien interessiert, mich faszinieren Technologien bzw. deren Missbrauch. Ein weiterer Schwerpunkt ist Industrie - als Massenherstellung von Konsum- und Produktionsgütern, aber auch ihre Auswirkungen auf geistige oder künstlerische Produktion. Als Architekt sehe ich Ausstellungen vor allem als Übertragung einer Idee in den Raum.

Tilman Abegg / Ruhr Nachrichten, 2015
Tilman Abegg / Ruhr Nachrichten, 2015
Thibaut der Ruyter
Architekt, freier Kurator, Kunst- und Architekturkritiker | Berlin

Schlagworte
Architektur/Raum
Digitale Kultur
Gegenwartskunst
Interdisziplinäre Projekte
Kulturtheorie
Institution: