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Lernen
von den Alten:
Anita Roddick: Die Frau, die aus Bananen Shampoo macht.
Vor 26 Jahren gründete
Anita Roddick, 57, die Kosmetikkette "The
Body Shop". Inzwischen gibt es 1730 Filialen in 49 Ländern. Doch
Roddick will nicht nur duftende Cremes verkaufen, sondern damit auch die
Welt verbessern.
Kann
man gute Geschäfte machen und trotzdem moralisch handeln?
Ich persönlich könnte das eine nicht ohne das andere machen. Unternehmen,
die nur an die Maximierung von Profit glauben, handeln nicht nur moralisch
falsch, sondern schaden letztlich auch ihrem Geschäft. Denn die ganze
Welt rebelliert - dank der immer besseren Informationsmöglichkeiten -
gegen Skandale aus Profitgier. Man muss sich nur an die Zielscheiben vergangener
Proteste erinnern: Brent Spar, Produkte aus Kinderarbeit oder genmanipulierte
Nahrung.
Nützt es denn, gewisse Produkte zu boykottieren?
Aber ja doch! Boykott ist eine sehr wichtige Form des Aktivismus. Und
ich kann Ihnen sagen, dass Unternehmen einen ziemlichen Horror davor haben.
Kunden besitzen sehr, sehr viel Macht. Und mit einem Boykott können sie
den Firmenumsatz reduzieren - bis hin zum Bankrott. Der stete Boykott
von Kosmetik-Produkten, die an Tieren getestet wurden, hat in Großbritannien
außerdem bewirkt, dass das Gesetz über Tierversuche geändert wurde. Im
Übrigen finde ich aber, dass sich die Geschäftswelt heutzutage von allein
zu ihrer moralischen Verantwortung bekennen sollte. Denn sie hat sehr
viel Einfluss - mehr als die Kirchen, ja selbst als die Regierungen. Und
deshalb eine große Verantwortung.
Die Welt verbessern - stand das am Anfang Ihrer Geschäftsidee?
Nein, sondern schlicht der Wille zum Überleben. Mein Mann Gordon wollte
sich einen Lebenstraum erfüllen und auf einem Pferd quer durch Südamerika
reiten. Ich zog es vor, mit den Kindern daheim zu bleiben, und so kam
es, dass ich uns alleine versorgen musste. Ich wollte zu meinen eigenen
Bedingungen Geld verdienen, ohne mich verkaufen zu müssen. Die beste Möglichkeit
dafür schien mir, ein Geschäft aufzumachen, obwohl ich keine große Ahnung
von Betriebswirtschaft hatte.
Wovon hatten Sie denn Ahnung?
Meine beste Ausbildung war es zu reisen: Ich bin drei Jahre lang quer
durch die Welt gefahren und habe mit Ureinwohnern gelebt. Dort hörte ich
viele schöne Geschichten über den Körper und seine Pflege - wie man die
Haare wäscht ohne herkömmliches Shampoo, oder wie man mit bestimmten Pflanzen
seine Haut am schönsten zum Strahlen bringt. Da hatte ich die Idee, dieses
Wissen für eine neue Kosmetiklinie zu benutzen.
Was empfehlen Sie Leuten, die ein Geschäft aufmachen wollen?
Sie müssen wissen, dass man als Unternehmer viel mit einem Verrückten
gemeinsam hat: Man sieht Dinge, Visionen, die sonst niemand sieht. Das
ist die Grundlage. Es ist außerdem ganz wichtig zu betonen, was dich besonders
macht. Dem Bodyshop hat es sehr geholfen, diese Unterschiede als gute
Verkaufsargumente buchstäblich vom Dach herunter zu rufen: "Recycling!"
und "Keine
Tierversuche!".
Was macht eine gute Geschäftsfrau aus?
Sie bringt ihren Humor mit ins Geschäft. Und wir Frauen haben erreicht,
dass sich die Geschäftssprache geändert hat. Inzwischen benützen sogar
Männer in grauen Nadelstreifen-Anzügen Begriffe, die eher feminin sind:
"Instinkt", zum Beispiel, oder "Intuition".
Erfolg gibt es nicht umsonst. Welchen Preis mussten Sie zahlen?
Meine Familie würde jetzt sagen, dass wir nicht viel Freizeit zusammen
verbringen, weil ich immer unterwegs bin. Letztlich bestimmen wir selbst
durch unsere Entscheidungen, welchen Preis - sei er finanziell, moralisch
oder emotional - wir zahlen wollen. Ich bereue wenig. Das mag daran liegen,
dass ich keinen Unterschied zwischen Stress und Enthusiasmus kenne. Ich
stehe hinter meiner Entscheidung, keine Hausfrau zu sein. Ich sage mir
immer: Du hast nur ein Leben, betrachte es nicht als Generalprobe.
Eine letzte Frage an Sie als Expertin: Was ist Schönheit?
Lebendigkeit, Freude, Wissbegierde, das alles macht Menschen schön. Also
nichts Äußerliches wie blaue Augen. Schönheit zeigt sich in kleinen Augenblicken.
Wenn zum Beispiel jemand seinen Arm um die Schulter eines Freundes legt
oder ein Kind seiner Mutter über die Wange streichelt. Solche Gesten sind
tausend Mal schöner als Kate Moss. Mitgefühl und Fürsorge - das ist für
mich Schönheit.
Text:
Birgit Ackermann Photo: privat
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