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Interview:
Scheer
in Ordnung.
Erster Film und gleich berühmt:
Alexander Scheer, 24, ging es so mit "Sonnenallee".
Jetzt ist er als "Viktor Vogel - Commercial Man" zu sehen. Diesmal
spielt das Ganze im Kapitalismus. Auch gut. Außerdem spielt Götz George
mit.
Text: Birgit Ackermann Photo: Oliver Soulas
Bei deinen beiden Kino-Filmen, "Sonnenallee"
und
"Viktor Vogel", gibt es einige Gemeinsamkeiten. Du
spielst wieder einen ziemlich schusseligen,
sehr sympathischen Helden, der besonders durch aberwitzigen
Körpereinsatz auffällt.
Was soll ich auch machen? Zwei Komödien hintereinander,
beide Male ein Chaot. Bestimmt lieg ich da drauf als Typ, ich seh' halt
auch so aus. Aber die Rollen sind natürlich nicht deckungsgleich mit meiner
Person, es ist auch viel Arbeit. Obwohl: Wenn das Team lacht, laufe ich
zu Höchstform auf. Dann fahre ich schon mal aus Spaß mit dem Fahrrad gegen
eine Mauer. Ich mag physical comedy.
Die endet oft im völligen Chaos.
Ich bin ja ein Kind des Chaos - die frühen neunziger Jahre in Berlin waren
das reinste Chaos, das hat mich geprägt. Ich bin zwar schusselig, habe
aber letztlich viel Schwein! Als ich zum Beispiel zum "Sonnenallee"-Casting
fuhr, ging mir das Benzin aus, das Auto blieb irgendwo stehen, und ich
kam zu spät. Aber am Ende hatte ich nicht mal einen
Strafzettel, dafür die Hauptrolle. Ich bin Sternzeichen Zwilling, lege
mich nicht gerne fest, will immer alles machen, überall
gleichzeitig sein. Dennoch: Wegen mir ist noch nie eine Theatervorstellung
ausgefallen.
Außerdem hast du in jedem Film eine Prügelszene und eine blutige Nase.
Das ist mein Markenzeichen. Ich sollte ja eigentlich Boxer werden, und
ich prügele mich auch oft (zeigt auf eine Narbe im Gesicht). Die habe
ich vom Boxen. Ich war an einer Eliteschule für Sport, aber irgendwann
hatte ich keinen
Bock mehr auf Boxen, denn ich bin doch eher intellektuell. Dann bin
ich auf die Musikschule gegangen.
Noch eine weitere Gemeinsamkeit: ein tolles Mädchen, in das sich die
Filmfigur verliebt.
Aber die Richtige zu finden ist sehr harte Arbeit. Wir mussten 200 Mädchen
durchcasten. Das lief wie beim Arzt: die Nächste bitte. Nach drei Tagen
war ich so durch, dass ich verpennt habe.
Letzte Gemeinsamkeit: dein Name erscheint in der Cast-Liste vor allen
anderen.
Ich finde es toll, und ich habe mich gewundert. Denn ich hätte gedacht,
dass diesmal Götz George zuerst kommt.
Wie ging das?
Indem George zu mir kam und sagte: "Pass auf, du stehst an erster
Stelle." Das habe ich als Kompliment genommen.
"Viktor Vogel" - um was geht es?
Allgemein geht es um die Werbebranche, Sachen, wo richtig viel Kohle
dahinter steht. Wie alle mitreden wollen
und letztlich doch nur Scheiße machen, weil sich etwas verkaufen muss.
Im Besonderen geht es um eine Männerfreundschaft, zwei Typen, die nicht
zusammenpassen. Im besonderen Besonderen geht es um die große Liebe. Warum
starrst du mir eigentlich gerade so auf die Brust?
Du hast recht viele Flecken auf dem Hemd.
Ich lagere alles in Umzugskartons. Beim Renovieren tropfte Leim hinein,
deshalb trage ich entweder Theater-Fundus
oder Flecken.
Du warst selbst mal in der Werbung zu sehen.
Für Waschmaschinen und Versicherungen. Das war in Ordnung zu der Zeit:
Du arbeitest ein paar Tage, danach lebst du für ein paar Monate gut von
dem Geld.
Würdest du heute wieder Werbung machen?
Nein. Damals hat mich noch niemand gekannt. Ich will mir einen Stand erarbeiten:
Der Scheer macht
keinen Scheiß. Ich mag die Idee von Werbung nicht - vielleicht weil
ich anders aufgewachsen bin. Überhall hängen schlecht fotografierte Plakate
mit Menschen, die dich blöd angrinsen. Hässlich!
Du hast auch eine Band. Erzähl davon!
Ich spiele an den Drehknöpfen. Noch sind wir ein bisschen Underground,
haben wechselnde Namen. Frühneunziger-Techno und alle Platten, die man
zu DDR-Zeiten haben wollte - Zappa, die Beatles und die Stones -, sind
unsere Einflüsse.
Das passt wieder zu deiner Rolle als Micha in "Sonnenallee"
und seinem Wunsch "Ich wollte immer ein Popstar sein..."
"...obwohl: Elvis starb mit 42, und John Lennon wurde auch nicht
sehr alt." Das ist auch mein Motto. Ich wollte immer ein Popstar
sein. Die young, live fast!
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