Internationale Deutscholympiade Mit Deutsch zum Gold

Vor dem Brandenburger Tor in Berlin – die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Internationalen Deutscholympiade 2016
Vor dem Brandenburger Tor in Berlin – die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Internationalen Deutscholympiade 2016 | © Martin Christopher Welker

Gestern fiel in Berlin der Startschuss für die fünfte Internationale Deutscholympiade (IDO). 125 jugendliche Deutschlernerinnen und Deutschlerner aus über 60 Ländern sind dabei – wer ist der oder die Beste? Im Vordergrund steht aber nicht die Konkurrenz, sondern der Kulturaustausch.

„In der Internationalen Deutscholympiade spiegeln sich viele Ziele der Arbeit des Goethe-Instituts wider“, betont Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts: „Die deutsche Sprache wird hier zur Grundlage für das gegenseitige Verständnis unterschiedlicher Kulturen. Die jungen Deutschlernenden, die für den Wettbewerb aus über 60 Ländern anreisen, sind neugierig auf Deutschland, auf Berlin, aber auch auf das, was ihnen die anderen Schülerinnen und Schüler über ihr Leben und ihre Kultur berichten werden.“

Seit 2008 findet die Internationale Deutscholympiade im Zweijahres-Turnus statt. Der Wettbewerb, der aus nationalen Deutscholympiaden in den Ländern Mitteleuropas hervorgegangen ist, und sich auf Initiative des Internationalen Deutschlehrerverbands zu einer Olympiade entwickelte, versammelt die talentiertesten Deutschlerner aus aller Welt. Jedes Land darf zwei Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen 14 und 19 Jahren entsenden, die in nationalen Vorausscheidungen ermittelt wurden.

Nach Deutscholympiaden in Dresden, Frankfurt am Main und Hamburg kommen die Teilnehmenden nun vom 17. bis zum 30. Juli in der neu eröffneten Jugendherberge am Ostkreuz zusammen. Sie ist sowohl olympisches Quartier als auch Austragungsort des Wettbewerbs.

Fairness im Sprachsport

Die IDO wird in den Sprachniveaus A2, B1 und B2 ausgetragen und umfasst drei Disziplinen. Beispielsweise gilt es, eine Präsentation in einem internationalen Team zu entwickeln – in Form eines Theaterstücks, eines Kurzfilms, oder einer Power-Point-Präsentation. Eine internationale Jury vergibt nicht nur Bronze-, Silber- und Goldmedaillen für die erbrachten Leistungen im Sprachsport, sondern prämiert auch die Teamfähigkeit und Fairness der Jugendlichen. Begleitet werden die Jugendlichen von Deutschlehrerinnen und Deutschlehrern, die sich durch einen besonders innovativen Unterricht ausgezeichnet haben und beispielsweise szenisches Spiel, filmische Mittel oder bildende Kunst zur lebendigen Sprachvermittlung einsetzen.

Nietzsche, Einstein, Currywurst

Die Motivationen der jungen Olympioniken, Deutsch zu lernen, sind dabei so vielfältig wie ihre Herkünfte. „Ich lerne Deutsch, weil ich die Sprache einfach mag, sie ist musikalisch und wunderschön“, findet die 15-jährige Französin Alice: „Deshalb macht es mich traurig, wenn die Leute sagen, dass Deutsch aggressiv ist.“ Der 18-jährige Ägypter John wiederum überrascht mit dem Bekenntnis, dass ihm „der Schreibstil vom deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche“ sehr gefalle und er sich außerdem „besonders für die Relativitätstheorie von Albert Einstein“ interessiere. Der 14-jährige Inder Pratham setzt – wie viele Jugendliche aus aller Welt – vor allem auf die beruflichen Perspektiven, die ihm der Unterrichtet bietet: „Ich lerne Deutsch, um meine zukünftigen Studien in Deutschland zu verfolgen. Ich will Ingenieur werden.“

Die Deutschlandbilder, mit denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Berlin reisen, sind nicht selten noch sehr klischeebehaftet. Die 16-jährige Finnin Astrid zählt stellvertretend für viele auf: „Ich denke, dass Fußball, Sauerkraut, Currywurst und Oktoberfest typisch deutsch sind.“ Andere, die etwa im Rahmen eines Schüleraustauschs schon einmal in Deutschland waren und mit ihren Partnerschülern über Facebook in Kontakt geblieben sind, haben speziellere Bilder im Kopf. Sie verbinden mit Deutschland beispielsweise die Musik des Rappers Cro oder „Sprudelwasser“.

Jahrmarkt der Kulturen

Damit sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer untereinander möglichst gut kennenlernen können, gibt es seit 2014 den „Jahrmarkt der Kulturen“. Hier stellen sich die Jugendlichen mit einer kurzen Performance vor und gestalten Stände mit typischen Produkten aus ihrer Heimat (Terrasse des Deutschen Technikmuseums, 22. Juli).

Die 17-jährige Lejla aus Bosnien und Herzegowina will anderen vermitteln, „dass Bosnien nicht nur von den Folgen des Krieges markiert ist. Wir haben sogar einen Nobelpreisträger, Ivo Andric“. Der 18-jährige Silvio aus Estland möchte „das weiterentwickelte Internet-Netzwerksystem“ seiner Heimat präsentierten: „Estland wird ja international auch als E-Staat bezeichnet“. Die 17-jährige Cyndi aus Belgien zitiert das Motto ihrer Heimat, das genau so auch für die Internationale Deutscholympiade stehen kann: „L’union fait la force“, Einigkeit macht stark.

Von Patrick Wildermann