Speak Dating in Hong Kong „Europa im eigenen Land begegnen“

An den Speak Dating-Tischen konnten Interessierte europäische Sprachen kennenlernen.
An den Speak Dating-Tischen konnten Interessierte europäische Sprachen kennenlernen. | Foto: EU Office to Hong Kong and Macao/Jayne Russell

Wie kann man zwölf europäische Sprachen an nur einem Tag kennenlernen und warum macht Deutsch lernen auch noch mit 82 Jahren Spaß? Das zeigt ein „Speak Dating“ in Hong Kong, zu dem das Goethe-Institut, die Alliance Française, der British Council und das Istituto Italiano di Cultura einluden.

Am 26. September besucht Yung Chan mit ihrer fünfjährigen Tochter Audrey Chung Cheuk-yiu die Festival Walk-Mall in Kowloon Tong, einem Stadtteil von Hong Kong – nicht um neue Kleidung zu kaufen, sondern um Europa im eigenen Land zu begegnen.

Audrey mit ihrem Sprachpass. Audrey mit ihrem Sprachpass. | Foto: Goethe-Institut Hong Kong/Daniel Suen @ Cultural Journalism Campus „Wir wünschen uns, dass Audrey ein paar europäische Sprachen lernt und sind als erstes auf Deutsch gekommen, wegen der guten Ausbildungsmöglichkeiten in Deutschland“, sagt Chan. Sie und ihr Mann lernen Deutsch online und hoffen, damit auch das Interesse ihrer Tochter an der Sprache zu wecken.

Ein Schnupperkurs in zwölf europäischen Sprachen

Das sogenannte „Speak Dating“ findet nun schon zum dritten Mal in Hong Kong statt und bietet Menschen aller Altersgruppen einen unterhaltsamen und kostenlosen Zugang zur Welt der europäischen Sprachen.

Organisiert wird diese jährliche Veranstaltung vom Goethe-Institut in Hong Kong, der Alliance Française, dem British Council und dem Istituto Italiano di Cultura. Finanziert wird es von den Vertretungen der EU in Hong Kong und Macao.

Die Zusammenarbeit der europäischen Institutionen ermöglicht den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Veranstaltung die Begegnung mit Lehrern für insgesamt zwölf europäische Sprachen – zwölf Fünf-Minuten-Schnupperkurse, die ihnen einen ersten Eindruck vermitteln sollen, und ob sie sich mit einer davon anfreunden könnten.

Das Spektrum reicht von den weiter verbreiteten Sprachen wie Deutsch, Französisch, Italienisch und Spanisch bis hin zu den weniger gebräuchlichen wie Tschechisch, Niederländisch, Finnisch, Ungarisch, Polnisch und Schwedisch. Englisch, die offizielle Zweitsprache Hong Kongs, und Gälisch sind ebenfalls auf der Liste vertreten.

Die sprachliche Vielfalt Europas zeigen

Der Tisch des Goethe-Instituts auf der Speak Dating-Veranstaltung. Der Tisch des Goethe-Instituts auf der Speak Dating-Veranstaltung. | Foto: Goethe-Institut Hong Kong/Amy Yin „Wir wollen die Bandbreite der Sprachen und Kulturen in Europa präsentieren“, sagt Dr. Gabriele Gauler, die Leiterin des Goethe-Instituts in Hong Kong. „Insbesondere in Europa, aber auch weltweit, werden Veranstaltungen auf die Beine gestellt, die genau diese Bandbreite sichtbar machen. Unser Zielpublikum sind Schüler, Studenten und Berufsanfänger in Großstädten. Kowloon Tong ist als Veranstaltungsort besonders geeignet, weil sich dort etliche Universitäten befinden“, merkt Dr. Gauler weiter an – ein Hinweis darauf, dass die Veranstaltung großen Zuspruch unter Studenten findet.

„Es ist gut, wenigstens ein paar Wörter zu lernen, damit bricht man das Eis und kommt an die Leute heran. Sonst ist man mit einer Sprachbarriere konfrontiert. Wir wollen diese Barrieren in Europa abbauen und Kommunikationsmöglichkeiten schaffen“, sagt Andrea Giagnoli, der Leiter des Istituto Italiano di Cultura.

Seines Erachtens bietet „Speak Dating“ gute Einblicke in Kulturen abseits des Mainstreams – und zeigt, wie dicht die Sprachen in Europa beieinander liegen. „Man steigt in ein Flugzeug oder in einen Zug und trifft schon eine Stunde später auf Menschen, die eine vollkommen andere Sprache sprechen.“

Auf dem Stempel des Goethe-Instituts steht: Gut gemacht! Auf dem Stempel des Goethe-Instituts steht: Gut gemacht! | Foto: EU Office to Hong Kong and Macao/Jayne Russell Von der Schülerin bis zum Rentner: Europäische Sprachen boomen

Die Veranstaltung wurde von 800 Teilnehmern besucht, darunter Schülerinnen und Schüler, Studenten, Berufsanfänger und solche, die bis ins höhere und hohe Alter nicht auslernen wollen.

Leung Hui-fung, ein sogenannter Activity Teacher an der koedukativen Grund- und Mittelschule St. Margaret, besuchte die Veranstaltung außerhalb des Lehrplans mit 49 Schülern der Stufe 5. „Unsere Schule bietet Kurse für Deutsch, Französisch und Spanisch an. Deshalb dachten wir, es wäre gut, wenn unsere Schülerinnen und Schüler auf dieser Veranstaltung noch mehr über andere Fremdsprachen erfahren.“

Selina Cheung (28), eine in Großbritannien geborene Krankenschwester mit chinesischen Wurzeln, die in Hong Kong lebt, versuchte es mit Deutsch, Französisch und Italienisch. „Französisch klingt für mich am schwierigsten“, sagt sie. „In den fünf Minuten haben wir mit Wörterkarten gespielt. Der Lehrer hat das Wort gesagt, ich habe es ihm nachgesprochen. Und dann habe ich noch Wörter und Bilder zusammengebracht.“

Der älteste Sprachschüler auf der Veranstaltung: Liang Hsu-sun. Der älteste Sprachschüler auf der Veranstaltung: Liang Hsu-sun. | Foto: Goethe-Institut Hong Kong/Daniel Suen @ Cultural Journalism Campus
Zu den eifrigsten Schülern zählte der 82-jährige, in Shanghai geborene Liang Hsu-sun. Aus Neugier auf verschiedenste Sprachen reihte er sich nachmittags in diverse Schlangen ein – und erinnert sich an seine Jugend: „Ich habe fünf Jahre lang in Deutschland gelebt und beherrsche viele Fremdsprachen. Kantonesen tun sich ziemlich schwer damit, andere Sprachen zu lernen, aber es geht. Man muss es eben immer wieder versuchen.“


Von Daniel Suen und Danica Fung, Cultural Journalism Campus

Cultural Journalism Campus ist eine gemeinnützige Bildungsinitiative in Hong Kong und fördert Kulturjournalismus, Kunstkritik sowie jedwede Wahrnehmung von Kunst und Kultur. Weitere Informationen auf der Webseite von CJC.