Villa Kamogawa Fünf Jahre deutsch-japanischer Dialog

Die Villa Kamogawa.
Die Villa Kamogawa. | Foto: Noriko Yasui

Vor fünf Jahren öffnete die Künstlerresidenz des Goethe-Instituts Villa Kamogawa ihre Türen. Zeitgleich wurde Japan von der nuklearen Katastrophe in Fukushima erschüttert. Zeit, um auf die vergangenen fünf Jahre und die Möglichkeiten von Kunst in der Bewältigung von Krisen zu schauen.

Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der deutsch-japanischen Beziehungen wurde 2011 die Villa Kamogawa eröffnet. Seither bietet das Programm Kulturschaffenden aus Deutschland die Möglichkeit, drei Monate lang in Japan zu leben und zu arbeiten.

Der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, bei der Jubiläumsfeier der Villa Kamogawa. Der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, bei der Jubiläumsfeier der Villa Kamogawa. | Foto: Noriko Sawai „Vor fünf Jahren hatte ich das Privileg, die Villa Kamogawa als erste Künstlerresidenz des Goethe-Instituts gemeinsam mit dem damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff zu eröffnen“, erzählt Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts. „Seither ist daraus ein blühendes Haus entstanden, das beispielhaft ist und zwölf Stipendiatinnen und Stipendiaten pro Jahr einen Perspektivwechsel in ihrer künstlerischen Arbeit bietet. So entstehen – auch durch die Alumni-Arbeit – nachhaltige Netzwerke.“

Inspiration und neue Perspektiven

Im Zentrum der Arbeit der Villa Kamogawa steht die Unterstützung der residierenden Künstlerinnen und Künstler bei der Umsetzung ihrer geplanten Projekte sowie der Entwicklung neuer Ideen. Der Aufenthalt in Kyoto soll die Stipendiatinnen und Stipendiaten inspirieren und neue Perspektiven öffnen. Dabei geht es vor allem um den direkten Austausch mit der Kulturszene vor Ort und die nachhaltige Vernetzung mit Kulturakteuren im Gastland und innerhalb der Villa.

Doris Dörrie ist eine Alumni der Villa Kamogawa. Doris Dörrie ist eine Alumni der Villa Kamogawa. | Foto: Noriko Sawai Der Besuch der Regisseurin Doris Dörrie und der Komponistin Ulrike Haage – beide Alumni der Villa Kamogawa –, zur Jubiläumsfeier zeigt, wie fruchtbar der künstlerische Austausch ist: Ulrike Haage hat bei Dörries aktuellem Film „Grüße aus Fukushima“ mitgearbeitet. Der Film eröffnete am 14. Oktober die Jubiläumsfeier der Residenz. „Die Villa Kamogawa ist ein großartiger Ort der Inspiration. Der Aufenthalt dort hat mich bereichert und schlicht glücklich gemacht“, schwärmt Dörrie.

Schwerpunkt Fukushima

Die Katastrophe in Fukushima war nicht nur Thema des Films, sondern auch der Schwerpunkt des gesamten Jubiläumsprogramms. „Wenn wir heute fünf Jahre Villa Kamogawa feiern, dann können wir das nicht, ohne daran zu erinnern, dass sich die Katastrophe von Fukushima ebenfalls zum fünften Mal jährt“, so Klaus-Dieter Lehman. „Es ergibt sich von selbst, dass wir mit unserem Jubiläumsprogramm diesem tragischen Ereignis und allen davon betroffenen Menschen gedenken.“

So widmete sich eine der Podiumsdiskussion, an der die aktuellen Stipendiaten Daniela Hoferer, Jonas Rothlaender und Eva-Maria Koskinen teilnahmen, dem Thema „Kunst am Wiederaufbau“. Im Zentrum der Diskussion stand die Frage, ob und wie die Künste im Nachgang einer Katastrophe gesellschaftliche Relevanz erzeugen und einen Beitrag zu ihrer Bewältigung leisten können.

Künstlerische Netzwerke stärken

Eine Podiumsdiskussion mit dem Thema „Kunst am Wiederaufbau“ war Teil des Jubiläumsprogramms. Eine Podiumsdiskussion mit dem Thema „Kunst am Wiederaufbau“ war Teil des Jubiläumsprogramms. | Foto: Noriko Sawai Der Besuch der ehemaligen Stipendiaten Doris Dörrie, Ulrike Haage, Nis-Momme Stockmann und Hans-Christian Schink markiert auch den Beginn der Alumniarbeit der Villa Kamogawa. Diese soll die künstlerischen Netzwerke, die bisher aufgebaut wurden, über den Aufenthalt an der Residenz hinaus stärken und fördern.

Dass der Austausch funktioniert, hat auch die Sängerin und Shamisen-Spielerin Mika Shigemori erfahren: „Das war der Anlass dafür, dass ich bei der Bühnenproduktion Nichirin no tsubasa (Wings of the Sun) der Regisseurin und bildenden Künstlerin Miwa Yanagi, die ebenfalls auf der Veranstaltung war, als Performerin und Komponistin mitwirken durfte. Und Philip Bußmann, einem weiterer Künstler vor Ort, konnte ich eine Geisha vorstellen und ihn so bei der Umsetzung seines Projekts in Kyoto unterstützen.“

Interkultureller Austausch

Der interkulturelle Austausch wird durch konkrete Projekte unterstützt, etwa durch die jährlich sechsmal stattfindende Veranstaltungsreihe „Creators@Kamogawa“ mit japanischen Kulturschaffenden. Hier erarbeiten Künstlerinnen und Künstler gemeinsame Themen.

Mayumi Yamamoto, Leiterin des Kulturprogramms im Kyoto Art Center, schätzt die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen der Villa Kamogawa und den lokalen Kulturakteuren: „Die Villa Kamogawa ist für das Kyoto Art Center ein immer erreichbarer und verlässlicher Partner und durch ihre wertvollen Hinweise und Ratschläge eine unersetzliche Präsenz. Ich bin stolz darauf, dass wir in enger Zusammenarbeit ehrgeizige Projekte verwirklichen können.“