Konferenz Umweltschutz ohne Grenzen

Generalsekretär Johannes Ebert mit Teilnehmerinnen des Wettbewerbs „Umwelt macht Schule“
Generalsekretär Johannes Ebert mit Teilnehmerinnen des Wettbewerbs „Umwelt macht Schule“ | © Martin Christopher Welker

Naturseife zum Selbermachen? Tipps für das Energiesparen zuhause? Beim Thema Umweltschutz ist Einfallsreichtum gefragt! Deshalb hat das Goethe-Institut in der Region Osteuropa/Zentralasien mit dem Wettbewerb „Umwelt macht Schule“ kreative Projektideen gefördert. Die Gewinner waren auf der „II. Internationalen Umweltjugendkonferenz“ im Berliner HKW zu sehen.

Von Patrick Wildermann

Anfangs ist ihre Aktion auf Skepsis gestoßen. „Viele Leute haben gefragt: Wozu soll Mülltrennung gut sein?“, erzählt Diana Igolnikova, Schülerin der zehnten Klasse am Goethe-Gymnasium in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek. „Leider ist es bei uns üblich, dass die Menschen ihren Müll einfach verbrennen!“ Umso wichtiger ist die Initiative „Von Plastikflaschen und Klopapier“, die sich Igolnikova und zwei Mitschülerinnen zusammen mit ihrer Deutschlehrerin ausgedacht haben. An der eigenen Schule und auf der Straße werben sie für Recycling und mehr ökologisches Bewusstsein.

„Von Plastikflaschen und Klopapier“ ist nur eines von 15 Gewinnerprojekten des Wettbewerbs Umwelt macht Schule: Denken, forschen, handeln!, den das Goethe-Institut in der Region Osteuropa/Zentralasien im September 2015 für Schülerinnen und Schüler der 7. bis 11. Klassen ausgeschrieben hat. Mit beachtlicher Resonanz: 223 Schulen aus Armenien, Belarus, Georgien, Kasachstan, Kirgisien, Russland und der Ukraine nahmen teil. Eine Jury, besetzt mit renommierten Fachkräften deutscher und russischer Universitäten, hat aus allen Projekten die Auswahl getroffen. Präsentiert wurden die Ideen der kreativen Nachwuchs-Aktivisten auf der II. Internationalen Umweltkonferenz am 4. und 5. April im Berliner Haus der Kulturen der Welt.

Wandel in Sicht?

„Jugendliche spielen eine wichtige Rolle in der Umweltkommunikation mit den Erwachsenen“, betont Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts, in seiner Eröffnungsrede der Konferenz. Der Vater dreier Kinder spricht aus Erfahrung. Nach zehn Jahren Arbeit in Ländern wie Ägypten oder Russland, in denen die Mülltrennung kein Thema war, hätten ihn seine Kinder zum sorgsamen Umgang mit Abfall daheim motiviert. Durch das Projekt erlebten nun auch die osteuropäischen Schülerinnen und Schüler, so Ebert, „dass Umweltschutz keine Grenzen kennt und Lösungen nur gemeinsam gefunden werden können“.

Die Projekte sind anschaulich auf Plakaten aufbereitet. Die Projekte sind anschaulich auf Plakaten aufbereitet. | © Martin Christopher Welker In vielen postsowjetischen Staaten, berichten die angereisten Schülerinnen und Schüler, habe die Naturverschmutzung bedenkliche Ausmaße angenommen: Sei es nun Feinstaubbelastung der Luft, Boden- oder Gewässerverunreinigung. Gleichzeitig deutet das gesellschaftspolitische Klima nicht auf Wandel. Entsprechend ruhen die Hoffnungen auf der jungen Generation.

Experimente mit Putzmitteln

Und die ist ziemlich kreativ: Irina Zhukova, Marina Belozerova und Anastasia Dron führen im Haus der Kulturen der Welt ein so simples wie überzeugendes Experiment vor, um die Dringlichkeit ihres Projekts „Wasser und Kunststoffputzmittel“ zu verdeutlichen. Die Schülerinnen aus Tscheljabinsk in Russland lassen eine Büroklammer in einem Wasserglas schwimmen. Dann geben sie einen Schuss Geschirrspülmittel hinzu. Augenblicklich geht die Klammer unter.

„In unserer Stadt ist das Problem der Wasserverschmutzung sehr akut“, erklärt Olga Bannikova, Deutschlehrerin am Gymnasium der Mädchen. „Tschlejabinsk ist eine Industriestadt mit über einer Million Einwohnern“. Die Abwässer würden in die zahlreichen Flüsse und Seen der Stadt und ihrer Umgebung geleitet. Umso wichtiger, dass in den Haushalten nicht verschwenderisch mit Reinigungsmitteln aller Art umgegangen werde, finden Bannikova und ihre Schülerinnen. Im Zuge ihres Projekts haben sie ein Rezept für Naturseife gefunden.

Vier Schülerinnen des Lyzeums in Riwne, Ukraine, setzen einen anderen Schwerpunkt. „Praktische Tipps zum Energiesparen zu Hause“ lautet der Titel des Faltblatts, das sie jedem Besucher überreichen. Das, erklärt Oksana Melnychuk, Schülerin der zehnten Klasse, beginne bei vermeintlichen Kleinigkeiten: Zum Beispiel, den Computer so oft es geht in den Schlafbetrieb zu versetzen oder den Staubsaugerfilter regelmäßig zu säubern. „Und wenn man statt zehn nur sieben Minuten am Tag duscht, lassen sich hunderte Liter Wasser im Monat sparen.“ Wenn sich alle an die Tipps hielten, wäre die Wirkung enorm. „Bei uns in der Schule funktioniert das bereits“, so Melnychuk. „Wenn wir kein Licht brauchen, schalten wir es auch nicht an“.

Manifest für die Umwelt

Diese und andere Projekte sollen helfen, das Bewusstsein für Umweltschutz zu fördern und zu zeigen, wie alle den Weg hin zu einem nachhaltigen und bewussten Leben mitgestalten können. „Wir sind die kleinen Teile, aus denen die Welt besteht“, bringt es Oksana Melnychuk während einer Gesprächsrunde mit Johannes Ebert und den Juroren Gundula Herwig und Wilhelm Linder auf den Punkt. Und diese Welt könne man verändern. Zum Positiven. Das formulieren sämtliche Schülerinnen und Schüler am Ende der Konferenz auch noch einmal gemeinsam. In einem „Umwelt-Manifest“, das hoffentlich bei Politik und Wissenschaft Gehör findet.