Transformationsprojekt „Umwelt macht Schule“ ausgezeichnet Denken, forschen, handeln

Projektleiterin Anne Schönhagen nimmt den Preis für „Umwelt macht Schule“ entgegen
Projektleiterin Anne Schönhagen nimmt den Preis für „Umwelt macht Schule“ entgegen | Foto: Georg Heiss

Was tun, wenn es in einem russischen Dorf nur noch eine einzige natürliche Trinkwasserquelle gibt? Wie kann Papier hergestellt werden, ohne Wälder abzuholzen? – Im Rahmen des Vernetzungsprojekts „Umwelt macht Schule“ des Goethe-Instituts Moskau haben Jugendliche Lösungen für Umweltprobleme in ihrem Umfeld entwickelt – mit Erfolg: Ihr Engagement hat den Rat für Nachhaltige Entwicklung überzeugt.

„Jugendliche begeistern sich für Umweltschutz, sobald sie erleben und begreifen, dass es dabei um ihre eigene Gegenwart und Zukunft geht. In unserem Projekt übernehmen die Schüler oft zum ersten Mal bewusst Verantwortung für das Leben vor ihrer eigenen Haustür. Und die Erkenntnis, selbst Veränderungen anstoßen und so die Welt verändern zu können, verleiht ihren Projekten besondere Relevanz und Qualität“, so Anne Schönhagen, Leiterin der Sprachabteilung am Goethe-Institut Moskau, die das Projekt initiiert hat. Bildung für eine nachhaltige Entwicklung sowie vernetztes Lernen und Forschen sind die Kernideen von „Umwelt macht Schule: denken, forschen, handeln!”

Ideen für eine lebenswerte Zukunft

Trinkwasser kennen die Schülerinnen und Schüler der Kotowsker Mittelschule in Russland wegen der Wasserverschmutzung oftmals nur noch aus Plastikflaschen – aber gibt es trinkbares Wasser auch noch woanders? Bei der Untersuchung der Wasserqualität verschiedener Quellen stellten sie fest, dass es in ihrem Dorf aktuell nur noch eine einzige natürliche Trinkwasserquelle gibt. Um diese für zukünftige Generationen zu erhalten, räumten sie dort Müll auf, vertieften die Bachsohle und verschönerten sie mit Steinen.
Khatuna Kapanadze, Irina Lukjanowa und Anastasija Dawydenko arbeiteten am Trinkwasserprojekt Khatuna Kapanadze, Irina Lukjanowa und Anastasija Dawydenko arbeiteten am Trinkwasserprojekt | Foto: Anna Rafeeva Mindestens einen Baum benötigt man für die Herstellung von 54 Kilogramm Papier. Damit dafür keine Wälder mehr vernichtet werden müssen, haben Schülerinnen und Schüler der Europeanschool in Tbilissi, Georgien, nach alternativen Wegen der Papierherstellung gesucht. In einem Experiment im Chemieunterricht konnten sie zeigen, mit welch einfachen Mitteln Recyclingpapier bei geringem Energie- und Wasserverbrauch hergestellt werden kann.
Jarji Svanishvili, Tornike Kubaneishvili, Mtvarisa Buskivadze und Elene Jokhadze bei der alternativen Papierherstellung Jarji Svanishvili, Tornike Kubaneishvili, Mtvarisa Buskivadze und Elene Jokhadze bei der alternativen Papierherstellung | Foto: Khatuna Kapanadze Das sind nur zwei der kreativen Projekte der Jugendlichen aus Osteuropa, Zentralasien und Deutschland. Dabei erhalten sie Unterstützung von ihren Fachlehrenden und machen die Öffentlichkeit durch gezielte Aktionen auf ökologische Probleme aufmerksam. Im April kamen sie zu einer Internationalen Umweltjugendkonferenz in Berlin zusammen, um ihre Projekte zu präsentieren und sich – über alle Grenzen hinweg – mit ökologischen Fragen auseinanderzusetzen.

Auszeichnung in Anwesenheit der Bundeskanzlerin Angela Merkel

Das Projekt wurde vom Rat für Nachhaltige Entwicklung mit dem Qualitätssiegel „Projekt Nachhaltigkeit 2017“ ausgezeichnet. Da es langfristig angelegt ist und aus Sicht des Rates ein besonderes Potenzial zeigt, die Welt nachhaltiger zu gestalten, erhält „Umwelt macht Schule“ zusätzlich als eines von vier Projekten den Titel „Transformationsprojekt“.
Der Preis wurde am 29. Mai auf der 17. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und dem Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Gerd Müller in Berlin verliehen.
Auf die Verleihung folgte eine Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel Auf die Verleihung folgte eine Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel | Foto: David Ausserhofer, Rat für Nachhaltige Entwicklung „Natürlich braucht es auch über die staatlichen Ebenen hinaus ein breites Bewusstsein dafür, dass es um viel geht und dass Nachhaltigkeit jeden etwas angeht. Deshalb hat die Bundesregierung auch die Öffentlichkeit verstärkt in die Diskussion über die neue Strategie eingebunden. Künftig soll es regelmäßig Gespräche zwischen der Bundesregierung und Vertretern gesellschaftlicher Organisationen geben“, so die Bundeskanzlerin. „Ich wünsche Ihnen viel Mut. Seien Sie manchmal auch unbequem – natürlich nicht zu sehr, damit wir nicht bockig werden. Wir sind aber guten Willens, hinzuhören.“