Buchmesse Kairo Volksfest, Handelsplatz und kulturelles Schaufenster

Die Buchmesse Kairo 2015
Die Buchmesse Kairo 2015 | © picture alliance / dpa

Seit über 20 Jahren ist das Goethe-Institut eine feste Größe auf der Internationalen Buchmesse in Kairo und gibt einen Überblick über deutsche Literatur, aktuelle Übersetzungen ins Arabische und die deutsch-ägyptische Kulturarbeit.
 

Von Amira El Ahl

Die internationale Buchmesse in Kairo ist nicht nur die älteste Buchmesse der Welt, sie ist auch eine der größten. 2015 kamen 850 Verlage und Buchhändler aus 28 Ländern und stellten um die 70 Millionen Bücher aus. Etwa 120.000 Menschen besuchten täglich das Messegelände in Nasr City, an Spitzentagen waren es 200.000. Die Messe zieht nicht nur Fachpublikum an, sondern auch viele Studenten und andere Bücherfreunde. Da die Messe traditionell während der Schulferien stattfindet, ist sie auch für Familien ein beliebtes Ausflugsziel. Nur knapp zehn Cent kostet der Eintritt und ist für fast alle erschwinglich. Mit seinen Grünflächen und Essenständen hat das weiträumige Messegelände ein wenig das Flair eines Volksfestes.

In Halle 19 befindet sich der vom Auswärtigen Amt geförderte Gemeinschaftsstand – und das bereits seit 20 Jahren. Neben der Ausstellungs- und Messe GmbH des Börsenvereins sind am Stand das Goethe-Institut, das Deutschlandzentrum der Botschaft und ägyptische Buchhandlungen vertreten, die deutsche Werke für den lokalen Markt anbieten.

Gabriele Becker, Institutsleiterin des Goethe-Instituts Kairo, eröffnet den deutschen Gemeinschaftsstand auf der Buchmesse Kairo. Gabriele Becker, Institutsleiterin des Goethe-Instituts Kairo, eröffnet den deutschen Gemeinschaftsstand auf der Buchmesse Kairo. | Foto: Amira El Ahl Die Besucher der Messe können hier eine bunte Auswahl an deutscher Literatur entdecken – darunter Kinderbücher, Belletristik und Sachbücher. „Unser Fokus ist es, darzustellen, was an interessanten Titeln in den letzten Jahren übersetzt wurde“, erklärt Sabine Reddel, Leiterin Information und Bibliothek in der Region Nordafrika-Nahost des Goethe-Instituts. „Wir bemühen uns deshalb, auch aktuelle Übersetzungen aus dem Deutschen ins Arabische am Stand zu präsentieren.“

Im Kulturprogramm stellte der Übersetzer Samir Grees sein Buch Günter Grass und die arabische Welt vor. Der Autor Jonas Lüscher las gemeinsam mit seiner Übersetzerin Ola Adel aus seinem Roman Frühling der Barbaren, der in der arabischen Übersetzung bei Al Arabi Publishing erschienen ist. Außerdem wurde das deutsche Literaturportal Litrix.de vorgestellt. Das Portal stellt deutschsprachige Neuerscheinungen aus den Sparten Belletristik, Sachbuch, Kinder- und Jugendbuch vor und fördert Übersetzungen, die sich jeweils über mehrere Jahre auf eine Schwerpunktsprache konzentrieren, zwischen 2015 und 2017 auf das Arabische.

Beim Fachprogramm für Verleger lag der Fokus der Buchmesse eindeutig auf eBooks. Steffen Meier, Leiter Produktinnovation und Marketing bei readbox Publishing hielt am Eröffnungstag der Buchmesse auf Einladung des Goethe-Instituts einen Vortrag zum Thema „Warum sollten Verleger in eBooks investieren?“ Außerdem diskutierten Steffen Meier, Luis Collado (Spanien, Google Play) und Alaa Zaher (Ägypten, Kotobi) über die „Herausforderungen für eBooks im (arabischen) Buchmarkt“.

Darüber hinaus nutzt das Goethe-Institut die Buchmesse, um über seine Arbeit im sprachlichen Bereich zu informieren: „Wir stellen am Stand unser Kulturprogramm und unsere Sprachkurse vor. Dabei werden die Sprachkurse am meisten nachgefragt“, so Reddel. Um einen Eindruck davon zu vermitteln, wie so ein Sprachkurs überhaupt aussieht, bietet das Goethe-Institut unter anderem Schnupperkurse vor Ort an. Über einen Mangel an Sprachschülern kann sich das Institut nicht beklagen – die deutsche Sprache ist in Ägypten überaus beliebt. Zurzeit lernen etwa 85.000 Kinder Deutsch an Schulen, an den Universitäten sind an die 12.800 Studenten in den Fächern Deutsch/Germanistik eingeschrieben. Alleine am Goethe-Institut in Kairo gibt es 6.500 Sprachschüler. „Die Nachfrage ist größer als das, was wir bedienen können“, erzählt Reddel. Deshalb hat das Institut nun auch eine Filiale im Hohen Institut für Fremdsprachen und Übersetzung Culture & Science.