AKBP-Forum Menschen bewegen

PASCH-Schülerinnen mit Andreas Görgen, dem Leiter der Abteilung Kultur und Kommunikation im Auswärtigen Amt und Außenminister Frank-Walter Steinmeier bei der Abschlussveranstaltung von „Menschen bewegen 2016“
PASCH-Schülerinnen mit Andreas Görgen, dem Leiter der Abteilung Kultur und Kommunikation im Auswärtigen Amt und Außenminister Frank-Walter Steinmeier bei der Abschlussveranstaltung von „Menschen bewegen 2016“ | Foto: Bernhard Ludewig

Das Forum der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik (AKBP) „Menschen bewegen 2016“ hat in Berlin drei Tage lang gezeigt, was Partner wie das Goethe-Institut mit ihren weltweiten Allianzen bewirken – von der Bildungs-Initiative bis zum Stadtentwicklungs-Projekt.
 

Bhavika Sharma ist 17 Jahre alt, stammt aus Delhi und würde gern Maschinenbau in Aachen studieren. Sie spricht ausgezeichnet Deutsch und hat auch ein Lieblingswort, das im Weltsaal des Auswärtigen Amtes in Berlin für viel Gelächter sorgt: „Ellenbogengesellschaft“. Warum sie sich für Deutsch als Fach entschieden hat? „Ich mag Herausforderungen“, entgegnet sie. Entsprechend ist sie auch nicht um eine Antwort verlegen, als sie nach ihrer Meinung zur gegenwärtigen Flüchtlings-Debatte gefragt wird. „Die Aufnahme von Flüchtlingen kann Länder verbinden“, sagt die junge Inderin entschieden.

Welt-Klasse-Schulen

Ausprobieren: Auch kulturelle Projekte des Goethe-Instituts wurden vorgestellt. Hier zeigt die Theatergruppe „Die Stelzer“ ihr Können. Ausprobieren: Auch kulturelle Projekte des Goethe-Instituts wurden vorgestellt. Hier zeigt die Theatergruppe „Die Stelzer“ ihr Können. | Foto: Bernhard Ludewig Von der verbindenden Kraft der Sprache gibt die Veranstaltung „Welt-Klasse! Schule. Bildung. Zukunft“ im Auswärtigen Amt eine lebhafte Vorstellung. Zum Auftakt des Forums „Menschen bewegen 2016“, das in Berlin drei Tage lang eine Plattform für die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik (AKBP) schafft, steht hier die Partnerschul-Initiative PASCH im Fokus. Die vernetzt seit mittlerweile acht Jahren rund 1.800 Schulen weltweit, an denen Deutsch gelernt und gelehrt wird. Rund 350 Schüler, Lehrer und Schulleiter aus 30 Ländern sind im Auswärtigen Amt zusammengekommen, um diesem Erfolgsprojekt ein Gesicht zu geben. Dazu werden deutsche Videogrußbotschaften von PASCH-Schulen zwischen Peru und Kasachstan, der Ukraine und Kolumbien gesendet.

Viele der versammelten PASCH-Schülerinnen und Schüler wünschen sich, zum Studieren nach Deutschland zu gehen. Wie der junge Rumäne Alexandru Badea, der gern „Jura, Menschenrechte und Journalismus“ verbinden würde. Oder die Serbin Theodora Tiha Loos, die sich für Luft- und Raumfahrttechnik begeistert und gern an solargetriebenen Flugzeugen forschen möchte.

Sprache statt Konflikt

„Sprache ist Eintauchen in unsere Kultur“, betont Staatsministerin Maria Böhmer während der Podiumsdiskussion Bildung schafft Zukunft mit Vertretern aus Politik und Bildungswesen. „Sie weckt Neugier auf unser Land!“ Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts, verweist zudem auf die grenzüberschreitende Wirkung des PASCH-Projekts. Als Beispiel nennt er die Initiative Umwelt macht Schule, die unlängst in Berlin vorgestellt wurde. Daran waren Schülerinnen und Schüler unter anderem aus Kasachstan, Georgien, Russland oder der Ukraine beteiligt. „Aus Ländern also, die nicht unbedingt befreundet sind“, so Ebert. „Die Schüler haben sich gut verstanden. Das Thema und die Sprache standen im Mittelpunkt. Nicht der Konflikt“.

Generalsekretär Johannes Ebert in der Akademie der Künste Generalsekretär Johannes Ebert in der Akademie der Künste | Foto: Martin Christopher Welker Entsprechend fordert er dazu auf, „mit PASCH nicht stehenzubleiben“, sondern weiter multiplikatorisch zu wirken. Weltweit gibt es schließlich 95.000 Schulen, an denen Deutsch gelehrt wird. Die Netzwerke sind ausbaufähig.

Stadt besetzen oder besitzen

Präsident Klaus-Dieter Lehmann mit Virtual Reality-Brille bei der Veranstaltung 360-Grad Theater in den Berliner Festspielen. Präsident Klaus Dieter Lehmann mit Virtual Reality-Brille bei der Veranstaltung 360-Grad Theater in den Berliner Festspielen. | Foto: Bernhard Ludewig Freilich beschränkt sich die AKBP – gern auch als „dritte Säule“ der Außenpolitik bezeichnet – nicht auf das Feld der Sprache. Bildungs- und Kulturpartnerschaften wirken in den verschiedensten Bereichen der Gesellschaft. Vor allem dort, wo zentrale Fragen des Zusammenlebens verhandelt werden, etwa: Wem gehört die Stadt? Mit dieser Problematik befasst sich seit 2013 das Projekt We-Traders: Tausche Krise gegen Stadt des Goethe-Instituts, das in der Akademie der Künste in der „Langen Nacht der Ideen“ vorgestellt wurde. In der Kulturarbeit des Goethe-Instituts, betont Generalsekretär Ebert, werden zunehmend Projekte wichtig, „die die Zivilgesellschaft einbeziehen“.

WE-Traders – künstlerisch geleitet von der Wiener Architekturdozentin Angelika Fitz und der Berliner Designerin Rose Epple – untersucht und vernetzt seit 2013 Initiativen aus Städten wie Lissabon, Madrid oder Berlin, die auf ganz unterschiedliche Art Besitz von ihrer Stadt ergreifen. Und dabei das Gefüge zwischen Wert, Profit und Gemeinwohl neu ausloten. Das reicht von der Nachbarschafts-Aktion, die ein Stück Brachland nutzbar macht, bis zur Okkupation öffentlicher Plätze, wie auf der Plaza del Sol in Madrid oder dem Taksim-Platz in Istanbul geschehen.

Deutsch-chinesische Flüsse

We-Traders - Tausche Krise gegen Stadt We-Traders - Tausche Krise gegen Stadt | Foto: Martin Christopher Welker Dazu haben Angelika Fitz, Rose Epple und Elke Rauth, die Leiterin des Festivals „urbanize!“ in Wien, nun auch ein E-Book zum kostenlosen Download herausgegeben, das in der Akademie der Künste erstmals vorgestellt wurde. Längst hat We-Traders weltweit Allianzen gestiftet. Der Künstler und Kurator Ravi Agarwal aus Neu-Delhi referiert etwa über das Projekt Yamuna – Elbe. Dieses schlägt die Brücke zwischen zwei Flüssen, die aus unterschiedlichen Gründen ökologisch ins Ungleichgewicht geraten sind und bringt Künstler, Umweltaktivisten, Landschaftsplaner sowie Wissenschaftler in den Austausch über deren Zukunft. „Ist das Flussufer ein öffentlicher Raum?“, fragt Agarwal in seinem Vortrag. Und macht einen erhellenden Kontrast auf: „In Hamburg liegen die teuersten Häuser am Ufer. In Delhi die ärmsten“.

Streit gehört dazu

Wie weit die Themenspanne der AKBP reicht, führt der Abschlusstag des Forums „Menschen bewegen“ in der Station Berlin am Gleisdreieck unter dem Motto Kultur und Außenpolitik live noch einmal vor Augen. Da steht das Fußballprojekt für syrische und libanesische Kinder vom Goethe-Institut Beirut neben dem Vortrag des saudischen Künstlers Abdulnasser Gharam, der in seiner Heimat für Freiräume kämpft. Auch einige PASCH-Schüler berichten von ihren Erfahrungen in Workshops. Wie der chinesische Schüler Huang Tianyi, der mit anderen Zwölftklässlern eine UN-Vollversammlung nachgestellt hat. Ob es auch Streit dabei gab? „Natürlich“, lächelt Tianyi. „Das gehört dazu“.

Von Patrick Wildermann



Übersicht der Aktivitäten des Goethe-Instituts auf dem AKBP-Forum „Menschen bewegen“:

14. April: Workshops für Schüler und Schülerinnen der Partnerschulinitiative PASCH („Vertonte Lyrik" mit Kommando Elektrolyrik, Jugend debattiert international, Comic-Workshop „In achtzig Tagen um die Welt" und andere)

14. April: „Lange Nacht der Ideen“

„Tausche Krise gegen Stadt. Neue Plattformen des internationalen Kulturaustauschs“ Gesprächsrunde mit Johannes Odenthal, Programmbeauftragter der Akademie der Künste, Berlin; Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts, Ravi Agarwal (Künstler und Kurator, Neu Delhi) Marilyn Douala Bell (Direktorin Doual’Art, Kamerun) Rose Epple (Designerin Berlin) Angelika Fitz (designierte Direktorin Architekturzentrum Wien) Elke Rauth (Leiterin des internationalen Festivals für urbane Erkundungen urbanize!, Wien) Wilfried Wang (Architekt, Publizist, Berlin)

„360 Grad Theater“ mit Thomas Oberender, Intendant der Berliner Festspiele; Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts und Jan Philip Steimel, Künstlerischer Leiter von machina eX (Berliner Festspiele)

„Digitale (Spiele) Welten“ (Deutsches Technikmuseum)
Moderiert von Uke Bosse (Videospieljournalist, Game Design Dozent, Mitglied der Jury des Deutschen Computerspielpreises) diskutieren Friedrich Kirschner (Professor für Digitale Medien im Puppenspiel an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“) und Christiane Schwinge (Festivalleitung PLAY – Creative Gaming Festival), Mareike Ottrand (Gründerin von Studio Fizbin, Professorin für Interaktive Illustration und Games an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg), Gunnar Krupp (Rocket Beans TV) und Anna Schweiger-Hassert (Koordinatorin des Projekts „Spieltrieb“ beim Goethe-Institut) über die kulturellen Facetten von Computerspielen.

„Die Kraft der Kultur – music matters“ (Tresor) Paneldiskussion mit Dimitri Hegemann, Tresor; Ania Pipilenko, Projekt Players of Change; Christoph Borkowsky, Piranha Arts und Johannes Hossfeld, Goethe-Institut

PASCH-Filmabend (Cinema Paris)

15. April: Infostand und Workshops auf dem AKBP-Forum (Station Berlin)