Goethe-Medaille Herzlichen Glückwunsch!

Die Preisträger der Goethe-Medaille 2016 v.l.n.r. Akinbode Akinbiyi, Juri Andruchowytsch, David Lordkipanidze
Die Preisträger der Goethe-Medaille 2016 v.l.n.r. Akinbode Akinbiyi, Juri Andruchowytsch, David Lordkipanidze | Foto: Maik Schuck

Was kann Kultur zur internationalen Verständigung beitragen und wie kann der interkulturelle Austausch gefördert werden? Juri Andruchowytsch, Akinbode Akinbiy und David Lordkipanidze geben eindrucksvolle Antworten auf diese Fragen. Am 28. August wurden die drei Kulturschaffenden dafür in Weimar mit der Goethe-Medaille geehrt.

„Migration der Kulturen – Kulturen der Migration“ war das Schwerpunktthema der Verleihung der Goethe-Medaille 2016. Der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, übergab das offizielle Ehrenzeichen der Bundesrepublik Deutschland an den nigerianischen Fotografen Akinbode Akinbiyi, den Schriftsteller Juri Andruchowytsch und den georgischen Museumsdirektor David Lordkipanidze:

„Jedes Jahr ist die Verleihung der Goethe-Medaille im Weimarer Stadtschloss an Goethes Geburtstag ein Glanzpunkt in der Wertschätzung des kulturellen Dialogs, der gleichwertigen und eigenständigen Begegnung von Kulturen und ihrer aktiven Vermittlung. Unser menschliches Leben ist in erster Linie eine kulturelle Leistung. Deshalb lohnt es sich, gesellschaftliche Auseinandersetzungen auf dem Weg der kulturellen Annäherung anzugehen.“



Juri Andruchowytsch

Der Schriftsteller, Dichter, Essayist und Übersetzer Juri Andruchowytsch gilt als eine der wichtigsten intellektuellen Stimmen der Ukraine. Er engagiert sich für die Annäherung von West- und Osteuropa, übersetzt deutsche Dichter wie Rainer Maria Rilke ins Ukrainische und macht mit seiner eigenen schriftstellerischen Arbeit das deutsche Publikum mit seinem Heimatland bekannt.



In ihrer Laudatio sagte die Übersetzerin Sabine Stöhr über Andruchowytsch: „Er schöpft aus vielfältigen Quellen und fügt sie zu einem unverwechselbaren Ton zusammen. So hat er die ukrainische Literatur in den 1980er-Jahren aus ihrer klassischen Erstarrung und sowjetukrainischen Provinzialität herausgeführt. Er hat ihr das schelmische Lachen zurückgegeben und sie geöffnet für die vielfältigen Eindrücke und Einflüsse Europas und der Welt. Und er hat der ukrainischen Literatur ihren Platz in Europa zurückerobert. Auch damit – und nicht nur in seinem politischen Denken – war und ist Juri Andruchowytsch Avantgarde.“

Akinbode Akinbiyi

Akinbode Akinbiyi ist eine der profiliertesten afrikanischen Fotografen weltweit. Seine Schwerpunkte sind Reportage-, Architektur- und Kulturfotografie, seine Werke wurden im Rahmen verschiedener Biennalen und Ausstellungen präsentiert. Akinbiyi schafft es, mit seinen Aufnahmen den Betrachtenden das alltägliche und urbane Leben in Afrika näherzubringen.



Die Künstlerin Eva Leitlof, die die Laudatio auf Akinbiyi hielt, beschrieb Akinbiyis Werke als Bewegung zwischen den Kulturen: „Das Fotografieren als einen Prozess des Verhandelns, des Austausches zu begreifen – jenseits des Bilder-‚schießens‘ oder des englischen ‚to take a picture‘ – kennzeichnet seine Arbeit und macht sie zu einem wegweisenden und radikalen Projekt, dem ein stark erweiterter Fotografiebegriff zugrunde liegt. Sein Interesse an seinen Sujets begnügt sich nicht damit, wunderbar hintersinnige Kompositionen zu schaffen und vielschichtige Sinnzusammenhänge anzudeuten.“

David Lordkipanidze

Als einer der renommiertesten Paläoanthropologen und Archäologen weltweit engagiert sich der Direktor des Georgischen Nationalmuseums, David Lordkipanidze, für Kultur- und Bildungspolitik in Georgien und leistete einen entscheidenden Beitrag für die deutsch-georgischen Kulturbeziehungen. Er initiierte die Modernisierung des georgischen Museumswesens nachhaltig.



In seiner Dankesrede ging Lordkipanidze auf die permanente Entwicklung der Kultur ein: „Heute, in einer global vernetzten Welt, klingen Goethes Worte hochaktuell ‚in der lebendigen Natur geschieht nichts, was nicht in einer Verbindung mit dem Ganzen stehe, und wenn die Erfahrungen nur isoliert erscheinen, wenn wir die Versuche nur als isolierte Fakta anzusehen haben, so wird dadurch nicht gesagt, dass sie isoliert seien.‘ Mein Heimatland – Georgien – nimmt an diesen Prozessen teil, vor allem auch durch die Kunst und die Wissenschaft, um in Verbindung mit dem Rest der Welt, in Verbindung mit dem ‚Ganzen‘ zu stehen.“

V.l.n.r.: Stefan Wolf, Heike Taubert, Klaus-Dieter Lehmann, Akinbode Akinbiyi, Juri Andruchowytsch, Johannes Ebert, Friederike Fless, Eva Leitolf, David Lordkipanidze, Andreas Görgen, Sabine Stöhr, Christina von Braun. V.l.n.r.: Stefan Wolf, Heike Taubert, Klaus-Dieter Lehmann, Akinbode Akinbiyi, Juri Andruchowytsch, Johannes Ebert, Friederike Fless, Eva Leitolf, David Lordkipanidze, Andreas Görgen, Sabine Stöhr, Christina von Braun. | Foto: Maik Schuck