Südosteuropa Allan Starski gibt Workshops für junge Filmemacher

Allan Starski und Vladan Petkovic.
Allan Starski und Vladan Petkovic. | Foto: Jelena Stankovic

Wie den ersten eigenen Langfilm realisieren, wenn Förderungen knapp sind und der Markt umkämpft ist? FIRST FILMS FIRST hilft acht Nachwuchsregisseurinnen und -regisseuren aus Südosteuropa dabei, ihren Traum zu realisieren. Erfahrene Tutoren wie der Szenenbildner und Oscar-Preisträger Allan Starski begleiten die Filmschaffenden. Ein Gespräch.

Herr Starski, wie sind Sie zum Produktionsdesign gekommen?

Ich habe an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau Innenarchitektur studiert, nicht Szenografie oder Ausstattung. Aber ich komme aus einer Familie von Filmemachern, mein Vater war ein Drehbuchautor und in Polen recht bekannt. Das heißt, ich habe meine Kindheit in Filmkreisen verbracht und kannte mich mit dem Kino sehr gut aus, lange bevor ich auf die Akademie ging.

Während des Studiums hatte ich gar nicht vor, irgendwo in die Filmproduktion einzusteigen. Ich hatte höhere Ziele, oder zumindest sah ich das damals so. Ich wollte ein echter Künstler werden und nicht nur jemand, der sich in die Projekte anderer einbringt. Aber es war mir offenbar bestimmt, beim Film zu landen.

Zuerst habe ich Entwürfe für Werbezwecke gemacht, meiner Ausbildung nach war ich Designer für den internationalen Markt. Meinen ersten Job bekam ich zu kommunistischer Zeit, die Chancen waren also gering, international zu arbeiten. Aber die frühen Siebzigerjahre waren in Polen eine gute Zeit fürs Filmemachen, es gab die ganzen Filme von Andrzej Wajda und Agnieszka Holland ... und das Filmemachen war mein Schicksal!

Der Oscar-gekrönte Produktionsdesigner Allan Starski. Der Oscar-gekrönte Produktionsdesigner Allan Starski. | Foto: Jelena Stankovic Kann man die heutige Situation bei der Produktion vergleichen mit der Ihrer Anfangszeit? Man hat den Eindruck, dass es mehr Möglichkeiten gibt, vor allem durch Co-Produktionen, aber nicht, dass es viel mehr gute Filme gibt.

Das ist ein Problem, das der freie Markt mit sich bringt. Um auf einem Markt mit starker Konkurrenz zu bestehen, einem Markt, in dem große Filme weltweit laufen, braucht man erfolgreiche Publikumsfilme. Oft aber fehlt das Geld, um mit den amerikanischen Produktionen mitzuhalten. Abgesehen davon gibt es sehr viele anspruchsvolle Low-Budget-Filme, von denen es den wenigsten gelingt, international Anerkennung zu finden. Weil es so viele Filme gibt, reicht das Geld nicht für alle, viele werden innerhalb kürzester Zeit gedreht, ohne ausreichende Vorbereitung und ohne richtiges Budget, und das ist schade.

Meiner Ansicht nach können gerade in Europa Co-Produktionen Filmemachern eine gewisse Chance bieten, Filme zu machen, die erkennbarer und handwerklich besser ausgeführt sind.

Und es gibt noch einen anderen Unterschied zu der Zeit, als ich im Filmgeschäft anfing. Weil die Konkurrenz so groß ist, müssen Filme viel besser gemacht sein. Man kann sich keine billigen Lösungen mehr leisten. Man kann nicht ein kleines Dorf in Kroatien etwa, in Polen oder Mazedonien als Location verwenden und als Texas ausgeben, wie man es vor vierzig Jahren oft gemacht hat. Heute sind viele Leute weit gereist und wissen, wie es an bestimmten Orten aussieht, und so muss man viel Geld ausgeben, um die Zuschauer zu überzeugen.

Und da man mittlerweile Filme mit dem Handy drehen kann, gibt es Hunderte von Dokumentationen und kleinen Filmen, Fernsehserien, die man sich zu Hause ansehen kann. Das heißt, um die Leute von der Straße in die Kinos zu locken, muss ein Film etwas Außergewöhnliches bieten, etwas Visuelles, das zugkräftiger ist als jede Fernsehsendung.

Was halten Sie von dem First Films First-Workshop und den Teilnehmern?

Ich mache nicht mehr so viele Filme wie noch vor zehn Jahren – und wenn, dann wähle ich die Projekte sorgfältig aus. Deswegen macht es mir Spaß, in der Zeit dazwischen Workshops zu geben. Was mir hier gefällt, ist, dass die Teilnehmenden keine Studenten mehr sind, sondern angehende Regisseure. Sie sind gut vorbereitet, sie hören mir gerne zu, aber sie zeigen mir auch gerne ihre Arbeiten. Die Studenten arbeiten in einem ähnlichen System wie ich, um größere, professionellere Filme zu machen. Sofern diese kleinen Filme dem Zuschauer eine packende Geschichte erzählen, ist unsere Arbeit ähnlich, der Unterschied liegt nur im Budget und in der Größe der Crew.

Mir nützt der Workshop auch, weil ich ihre Drehbücher lese und erfahre, welche Themen die jungen Menschen interessieren und worüber sie Filme machen möchten. Davon profitieren beide Seiten. Sie hören mir zu und sehen, was ich gemacht habe, und für mich ist es interessant zu sehen, was sie mir als Teil des Publikums der kommenden Jahre bieten können.

Allan Starski und die Workshop-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer. Allan Starski und die Workshop-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer. | Foto: Jelena Stankovic Wie beurteilen Sie das Konzept des Workshops?

Das Konzept ist gut. Da dies schon der zweite Teil ist, können die jungen Leute sehr viel mehr von mir profitieren als im ersten Teil. Ihre Drehbücher sind schon weit entwickelt, und sie treffen auf Menschen, die ihnen helfen, weiter daran zu feilen und die visuelle Seite ihrer Geschichte herauszuarbeiten. Ich glaube, es hilft ihnen sehr, mit professionellen Filmschaffenden zusammenzukommen.

Es wäre schön, wenn sie mich am Ende des Workshops zu den Dreharbeiten einladen würden, um zu zeigen, wie sie auf dem Set arbeiten. Das könnte eine Fortsetzung des Workshops sein; sie wären dort die Meister am Set – und ich wäre nur ein bescheidener Beobachter.

Die Fragen stellte Vladan Petkovic.