Frauen- und Genderprojekte Ein menschliches Konzept

Workshop
Workshop | Foto: Sabry Khaled

Unterdrückung, Ausgrenzung, physische und psychische Gewalt. Die Frauen- und Genderprojekte des Goethe-Instituts Kairo setzen dem Bildung und Empowerment entgegen – in Workshops für Frauen und Männer. Es geht um Bewusstseinsbildung und darum, die Rollenverteilung innerhalb einer Gesellschaft neu zu verhandeln.

670 km südlich der ägyptischen Hauptstadt Kairo, im Gouvernement Luxor, arbeiten die Trainerinnen Maha Khairallah und Hoda Kandil für die Frauen- und Genderprojekte des Goethe-Instituts gleich auf mehreren Ebenen: Sie bilden junge Frauen im Alter von 20 bis 25 Jahren zu Gender-Trainerinnen aus, sensibilisieren die Öffentlichkeit für Genderfragen und beziehen auch Männer in den Prozess der Bewusstseinsbildung für Gender mit ein.

Gruppendiskussion Gruppendiskussion | Foto: Sabry Khaled

Struktureller Wandel

Zwei Workshops haben sie durchgeführt: ein Training für Frauen und eines für Männer. „Letzten Endes profitieren alle davon, denn Gender ist ein menschliches Konzept, das beide Geschlechter gleichermaßen einschließt“, sagt Hoda Kandil. Beide Trainings sind Teil der Frauen- und Genderprojekte des Goethe-Instituts, die im Jahr 2012 zur Stärkung des Bewusstseins für Gender initiiert wurden und vom Auswärtigen Amt gefördert werden. Neu ist die längerfristige Konzentration auf eine kleine Zielgruppe in einer Stadt. Denn es gilt, in Oberägypten einen strukturellen Wandel herbeizuführen.
 
Kholoud Mohammed, eine der Workshop-Teilnehmerinnen, ist vor zehn Jahren mit ihrer Familie von Kairo nach Luxor gezogen. Durch ihre Arbeit als Journalistin weiß sie um die Unterdrückung, Ausgrenzung, physische und psychische Gewalt, unter der die Frauen leiden – insbesondere in den Dörfern und ländlichen Gebieten Oberägyptens: „Die Mehrheit der Frauen in den Dörfern kann nicht die Schule besuchen. Auch ist Beschneidung von Frauen nach wie vor weit verbreitet, obwohl es gesetzlich verboten ist“, sagt sie. Dem muss man Aufklärung, Ermutigung und Selbstbestimmung entgegensetzen: „Eines der Hauptziele des Projekts ist es, dass die Frauen den Übergang von passiven Empfängern zu aktiven Sendern meistern“, so Maha Khairallah. „Wir geben ihnen das nötige Wissen und die Fähigkeiten an die Hand, damit sie ihre Gesellschaft aktiv mitgestalten können.“

Teilnehmerinnen Teilnehmerinnen | Foto: Sabry Khaled

Ein Anfang ist gemacht

Mohammed Abd Al-Wassa ist Anwalt bei einer Menschenrechtsorganisation. Auch er hat an einem Workshop teilgenommen. „Familie, Bräuche und Traditionen sind in Oberägypten heilig. Jeder Versuch, die Rollenverteilung von Männern und Frauen in der Gesellschaft zu verändern, kommt einer Bedrohung dieser heiligen Konzepte gleich“, sagt er. Er betont, dass es in Oberägypten viele Probleme gebe, insbesondere wirtschaftlicher, kultureller, gesellschaftlicher und politischer Natur. Hier einen Wandel herbeizuführen, bedeutet harte und kontinuierliche Arbeit.
 
Ein Anfang ist gemacht. Zu Beginn der Trainings herrschte die Meinung vor, dass es die Aufgabe der Frau sei, Kinder zu bekommen und groß zu ziehen, während der Mann arbeiten geht, die Familie versorgt und sich um die Finanzen kümmert. Einige Workshop-Tage und viele Diskussionen später war jedoch klar, dass es sich bei diesen Rollenzuweisungen um soziale Konstrukte handelt, die variabel sind. Sie lassen sich also ändern...